
Kichererbsenmehl : Weltreisender mit vielen Gesichtern

Was italienische Seeschlachten mit köstlichen Fladen zu tun haben und wie frittierte Gemüsesnacks von Indien nach Ostafrika kommen: Auf den Spuren gemahlener Kichererbsen – und ein Rezept für eine Farinata.
Ob der alte Mann vor der Markthalle von Menton das Schild mit „gluten free“ und „rich in protein“ wohl aus eigenem Antrieb geschrieben hat? Oder war es die Idee einer Tochter oder eines Enkels, die traditionelle Socca mit diesen zeitgemäßen Attributen anzupreisen? Die Socca, der an der Côte d'Azur beheimatete Fladen aus Kichererbsenmehl, Wasser, Salz und etwas Öl, fügt sich tatsächlich gut in heutige Ernährungsmuster, in denen manche Getreidemehle als Dickmacher und leere Kalorien gebrandmarkt werden und Pasta aus Hülsenfruchtmehl selbst in durchschnittlich bestückten Supermärkten zu finden ist. Das handgeschriebene Schild auf dem Markt in Frankreich könnte allerdings viel interessantere Dinge erzählen: Etwa dass die Socca ein Baustellenessen war, mit dem notorisch kalorienbedürftige Arbeiter von fahrenden Händlern versorgt wurden, oder dass der provenzalische Kichererbsenfladen zahlreiche Verwandte im nahen Italien hat (mit einer fast unübersichtlichen Vielzahl an Namen). Außerdem dürfte sie arabischen Ursprungs sein – in Algerien etwa ist die Karantita als schnelles Alltagsessen beliebt.





