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Viktoria Rebensburg : Ein Lichtblick im Schneetreiben

  • -Aktualisiert am

Viktoria Rebensburg: „Jetzt bin ich im Riesenslalom wieder da, wo ich sein will.“ Bild: AFP

Nach einer Verletzung kommt Viktoria Rebensburg so langsam wieder in Schwung. Beim Riesenslalom am Semmering landet sie auf Platz drei. Doch glücklich ist Rebensburg damit zunächst nicht.

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          So richtig glücklich wirkte zunächst kaum eine bei der Zieldurchfahrt. Die Fahrt durch das dichte Schneetreiben auf dem Zauberberg von Semmering war kein Vergnügen, auch nicht für die besten Skirennläuferinnen. Aber während die Amerikanerin Mikaela Shiffrin nach dem zweiten Riesenslalom-Sieg innerhalb von 24 Stunden relativ schnell wieder gut gelaunt war, haderten andere noch etwas länger. Viktoria Rebensburg zum Beispiel wusste am Mittwoch auch nach der Siegerehrung nicht so recht, wie sie ihren dritten Platz einordnen soll.

          „Ich freue mich schon über den Podestplatz“, sagte sie. „Aber ich ärgere mich auch, weil ich die letzten Tore nicht entschlossen genug gefahren bin. Da habe ich den Sieg hergeschenkt.“ Einerseits ist es der Anspruch der besten deutschen Skirennläuferin, ganz oben zu stehen in ihrer Lieblingsdisziplin, in der sie schon elf Weltcup-Rennen gewonnen hat. Andererseits war sie in dieser Saison noch nie so weit vorne gelandet. „Deshalb“, findet der Alpinchef des Deutschen Skiverbandes, Wolfgang Maier, müsse man „das Ergebnis jetzt mal so stehen lassen. Das war wirklich gut“.

          Dass der Winter zäh beginnen würde, hatte sich bereits im Oktober angekündigt. Die 27 Jahre alte Kreutherin war voller Zuversicht in die Vorbereitung auf die neue Saison gestartet – und hatte sich vorgenommen, Titelverteidigerin Lara Gut aus der Schweiz im Kampf um den Gesamtweltcup herauszufordern. Aber dann stürzte sie im Training kurz vor dem Weltcup-Auftakt in Sölden und musste wegen eines Bruchs des Schienbeinkopfes sechs Wochen pausieren. Es fehlten ihr nicht nur einige Übungsfahrten auf Schnee, sondern auch jene Phase, in der abschließend am Material getüftelt wird.

          Zwar hatte Viktoria Rebensburg das richtige Tuning für die verschiedenen Pistenbedingungen im Laufe der vergangenen Saison bereits gefunden, aber nun bekam sie in Andrea Vianello einen neuen Servicemann, der zuvor die Ski der Slowenin Tina Maze präpariert hatte. Es dauert meist eine gewisse Zeit, bis das Team eingespielt ist. Vianello war es gewohnt, die Kanten der Ski nicht so scharf zu schleifen, wie es Viktoria Rebensburg bei harten Pisten gerne hätte.

          Nach einer Verletzung landet sie erstmals in dieser Saison auf dem Podest.

          Das fiel nach auskurierter Verletzung zunächst nicht auf, weil sie vorwiegend auf nicht ganz so eisigem Untergrund trainierte. Erst in Killington bei ihrem Saisonstart, als die Piste hart und der Schnee aggressiv war, stellte sie fest, dass an der Abstimmung noch gearbeitet werden müsse. Der Kopf war nach der Verletzung ohnehin noch nicht ganz frei, das fehlende Selbstvertrauen offenbarte sich so bei fast jedem Schwung. Viktoria Rebensburg schaffte es nicht, ans Limit zu gehen.

          Herausgekommen sind die Plätze 19 und 23 in ihren ersten beiden Riesenslaloms. In Val d’Isere fing sie sich dann auch noch einen Magen-Darm-Infekt ein und musste auf die Abfahrt verzichten. Körperlich geschwächt schied die Deutsche im Super-G aus. Als es ihr wieder besser ging, nutzte sie die Tage vor Weihnachten, um unter anderem gemeinsam mit Vianello am richtigen Kantenschliff zu arbeiten. Große Gedanken um die Formschwäche von Viktoria Rebensburg hat sich Maier nicht gemacht. „Wenn Vicky das Gefühl hat, dass alles passt, geht es relativ schnell bei ihr.“

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          In den vergangenen beiden Jahren entwickelte sich Viktoria Rebensburg zur Spätstarterin. Vor zwei Jahren hatte sie mit den Folgen eines Skiwechsels zu kämpfen, schaffte es aber noch rechtzeitig zur WM im Riesenslalom in Topform zu kommen und gewann Silber. Im vergangenen Winter suchte sie ebenfalls nach der richtigen Materialabstimmung, aber da vor allem für weichere Pisten, und fand sie ebenfalls um die Weihnachtszeit.

          Vor genau einem Jahr hatte die Kreutherin in Lienz ebenfalls als Dritte ihren ersten Podiumsplatz der Saison geschafft – und startete anschließend durch. Es folgten noch drei Siege in ihrer Lieblingsdisziplin und der zweite Platz im Endklassement der Weltcup-Wertung. In diesem Winter ist der Höhepunkt die WM im Februar in St. Moritz. Und es sieht ganz gut aus, dass Viktoria Rebensburg auch im Engadin um die Medaillen mitfahren wird.

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