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Skirennfahrer Stefan Luitz : Endlich ohne Firlefanz

  • -Aktualisiert am

Mit Zug: Stefan Luitz kommt in Schwung Bild: AP

Stefan Luitz galt lange als der Unvollendete. Jetzt ist der Skirennfahrer dabei, dieses Image abzulegen. Wegen der Verletzung von Felix Neureuther wird er sogar zum Hoffnungsträger.

          Talent ist die eine Voraussetzung für eine erfolgreiche Sportkarriere. Zudem ist mentale Stärke erforderlich. Und natürlich muss der Körper mitspielen. Besonders bei einem alpinen Skirennläufer, der aufgrund der Geschwindigkeit und des Materials mehr als viele andere Wintersportler gefährdet ist, sich zu verletzen. Stefan Luitz ist hochbegabt, das zeigte sich früh. Schon beim Nachwuchs gehörte er zu den dominierenden Riesenslalomläufern und holte 2010 mit 17 Jahren Silber bei den Junioren-Weltmeisterschaften. Aber eine Stufe höher, im Weltcup, dort, wo aufgrund der größeren Aufmerksamkeit und der Leistungsdichte die Psyche eine noch viel größere Rolle spielt, blieb der 25 Jahre alte Allgäuer oft auf der Strecke – oder im Tor hängen.

          Er hat in den vergangenen sechs Jahren einige gute Resultate erreicht: Insgesamt stand er fünfmal auf dem Siegerpodest. Sein bestes Ergebnis schaffte er 2012 in Val d’Isère, wo er am Wochenende – an diesem Samstag im Riesenslalom, am Sonntag im Slalom – wieder antreten wird. Als Zweiter im Riesentorlauf hatte er vor fünf Jahren die gesamte Weltelite überrascht und damit ein Versprechen für die Zukunft abgegeben, aber dieses anschließend viel zu selten eingelöst. Haftengeblieben sind lange vor allem die Pannen, die ganz große Erfolge verhindert haben. Die bekanntesten passierten bei den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi, als er im Riesenslalom glänzend unterwegs war, aber im letzten Tor einfädelte. Und vor zwei Jahren in Beaver Creek unterlief ihm auf dem Weg zur Bestzeit ein schwerer Fehler. Er musste danach heftige Kritik auch von Wolfgang Maier, dem Alpinchef im Deutschen Skiverband, einstecken, der von „Firlefanz“ sprach und seinem Athleten riet, „endlich ein bisschen erwachsener“ zu werden. Und noch in der vergangenen Saison nannte er den Allgäuer den „Unvollendeten“.

          Die Hoffnungen ruhen auf Luitz

          Aber nun ist Luitz dabei, dieses Image abzulegen. Weil sich Fritz Dopfer nach seiner langwierigen Verletzung erst wieder in die Weltspitze zurückkämpfen muss und Felix Neureuther mit einem Kreuzbandriss vorerst ausfällt, ruhten die Hoffnungen der deutschen Technik-Männer in diesem Winter erst einmal auf Luitz. Nicht alle trauten ihm zu, mit der Bürde der Nummer eins zurechtzukommen. Aber schon im ersten Rennen bewies er, dass er sich, wie Maier findet, „weiterentwickelt und Stabilität reinbekommen“ hat. Luitz sprang vor einer Woche mit dem dritten Platz im Riesenslalom von Beaver Creek für Neureuther in die Bresche, ebenso wie Thomas Dreßen mit derselben Plazierung in der Abfahrt. Luitz qualifizierte sich damit als fünfter deutscher Skirennläufer für die Winterspiele im Februar Pyeongchang. „Jetzt kann ich noch befreiter fahren“, sagte er vor der Rückreise aus den Vereinigten Staaten.

          Auch Cheftrainer Mathias Berthold sieht den Bolsterlanger von einer kleinen Last befreit. „Nun kann er auf dem Hang, auf dem er in der Vergangenheit gut zurechtgekommen ist, weiter locker attackieren“, sagte er mit Blick auf die Rennen in den französischen Alpen.

          Ganz überraschend kam das Ergebnis von Beaver Creek nicht. Schon in der vergangenen Saison hatte Luitz – im Schatten von Neureuther – konstante Leistungen gezeigt. Seit dem ersten der damals zwei Rennen in Val d’Isère vor fast genau einem Jahr ist er in sechs der sieben Weltcup-Riesenslalomrennen unter die besten 10 gefahren. Einen Ausrutscher gab es neben dem Ausfall von Adelboden nur bei den Weltmeisterschaften in St. Moritz mit Platz 14.

          Stefan habe „einiges an Kritik einstecken müssen“, sagte Maier. „Man wirft ihm ja immer vor, dass er zwar Ski fahren kann, aber es nicht runterbringt.“ Jetzt bringe er es ins Ziel. Cheftrainer Berthold sah im Gegensatz zu Maier keine Konzentrationsmängel als Grund für die häufigen Schwierigkeiten, sondern vielmehr skitechnische Fehler. „Wenn er an einem Tor zu spät dran ist, reagiert er falsch“, sagte Berthold und versuchte, Bewegungsmuster zu ändern. Von seiner Risikobereitschaft aber hat Luitz nichts eingebüßt. „Von oben bis unten auf Sicherheit zu fahren, das bringt nichts“, sagt er. Diese Fahrweise gehöre zu ihm „und macht mich auch schnell“. Aber neben den skitechnischen Korrekturen versteht er es jetzt, auch dank der Hilfe eines Mentaltrainers, sich am Limit zu bewegen, statt es zu überschreiten. Meistens jedenfalls.

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