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Medaillen-Chaos im Skicross : Emotionale Rolle rückwärts

Daniela Maier bei der Siegerehrung vor knapp zwei Wochen – jetzt muss sie die Medaille wieder abgeben. Bild: dpa

Wie gewonnen, so zerronnen: Daniela Maier soll die Bronze-Medaille im Skicross wieder abgeben, die sie erst gar nicht wollte. Doch nun wird der deutsche Skiverband Einspruch einlegen.

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          Eigentlich wollte Daniela Maier die Medaille gar nicht haben. Dann wurde sie ihr nachträglich zugesprochen. Doch nun soll sie sie wieder abgeben. Ein Musterbeispiel dafür, wie übergeordnete Instanzen für Verwirrung sorgen können, wenn sich Sportlerinnen eigentlich einig waren, hat an diesem Wochenende die Berufungskommission des Ski-Weltverbands Fis dargeboten. In Kooperation mit der Jury beim olympischen Skicross-Rennen von vor zehn Tagen.

          Achim Dreis
          Sportredakteur.

          Seinerzeit war die Schweizerin Fanny Smith im Finale von Zhangjiakou auf dem dritten Platz ins Ziel gekommen. Maier wurde Vierte. Die junge Deutsche war angemessen enttäuscht, dachte aber gar nicht an einen Protest. Dennoch zog sich die Jury zum Videostudium zurück. Und erkannte, die Schweizerin habe ihre Rivalin durch einen Schritt nach links behindert.

          „Nein, nein, nein“, hatte Daniela Maier während der Überprüfung gerufen: „Das war ganz normales Skicross.“ Doch es gab kein Pardon: Smith wurde zurückgesetzt, Maier bekam Bronze. Und weinte sympathische Freudentränen nach dem dann doch großen Erfolg –  denn es war nicht nur für sie die erste Olympia-Medaille, sondern für die gesamte Skicross-Sparte im Deutschen Ski-Verband (DSV).

          Nun die emotionale Rolle rückwärts, nachdem der Schweizer Skiverband Protest eingelegt hatte und diesem stattgegeben wurde. „Ich bin von der neuen Situation ehrlich gesagt überrascht“, nahm Maier die Rückstufung erst mal sportlich. Sie sei „gespannt, was nun passiert“. Konkurrentin Smith ihrerseits gab sich nun „erleichtert über diesen Entscheid“. Die Schweizerin sagte, sie sei stets überzeugt gewesen, keinen Fehler gemacht zu haben. Gleichzeitig schmerze sie der nachträgliche Medaillentausch für Daniela Maier, die nun „die Leidtragende der Situation ist.“

          Die Frage ist, ob das letzte Wort in diesem juristischen Zirkus schon gesprochen ist. DSV-Präsident Franz Steinle kündigte sogleich weitere rechtliche Schritte an, „gegebenenfalls auch zum internationalen Sportgerichtshof Cas“. Die Nachricht von der Rückstufung erreichte Maier auf der Rückreise aus dem Ural. Wegen der russischen Invasion in die Ukraine hatte der DSV seine Skicrosser vor dort zurückgeholt. Ihre Olympia-Medaille hatte Daniela Maier noch im Handgepäck. Denn sie war von Peking direkt weiter gereist.

          Kollision auf der Piste: die Schweizerin Fanny Smith (vorne), kurz nachdem sie die Deutsche Daniela Maier (rechts) leicht berührt hatte
          Kollision auf der Piste: die Schweizerin Fanny Smith (vorne), kurz nachdem sie die Deutsche Daniela Maier (rechts) leicht berührt hatte : Bild: Reuters

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