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Ski alpin : Neureuther gewinnt den Slalom von Kitzbühel

  • -Aktualisiert am

Mut wird belohnt: Felix Neureuther siegt im Slalom von Kitzbühel Bild: AP

Der nächste große Sieg für Felix Neureuther: Der deutsche Skistar gewinnt den Slalom von Kitzbühel. Er profitiert von einem schweren Fehler des Österreichers Marcel Hirscher.

          2 Min.

          Und am Ende gab’s die Gams. Da stand Felix Neureuther im abendlichen Schneetreiben von Kitzbühel ganz oben auf dem Podest, als Sieger des Weltcup-Slalomrennens auf dem Ganslernhang am Freitagabend. „Es ist immer was Besonderes, hier zu gewinnen, denn es ist einer, der ganz großen Klassiker“, sagte Neureuther, für den es der zweite Sieg in Kitzbühel und der achte Weltcup-Erfolg insgesamt war. Er rundete zugleich einen großen deutschen Skitag ab, an dem auch Maria Höfl-Riesch ein Weltcup-Rennen gewann.

          Bernd Steinle
          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Zuvor hatte ein Aufschrei Tausender österreichischer Skifans das Ende aller Hoffnungen des Vorjahressiegers Marcel Hirscher begleitet. Der Slalom-Weltmeister fädelte als Führender des ersten Durchgangs im zweiten Lauf ein. „Klar hätte ich ihn lieber anders geschlagen“, sagte Neureuther über das Pech seines großen Rivalen. „Aber ich bin auch schon zur Genüge im zweiten Durchgang ausgeschieden, und andere haben davon profitiert.“ Der zweitbeste Deutsche Fritz Dopfer, nach Lauf eins noch auf Rang vier, fiel im Finale noch auf den zehnten Platz zurück.

          © ZDF

          Die schwierigen äußeren Bedingungen führten zu einer Reihe von Ausfällen im zweiten Lauf, der unter Flutlicht ausgetragen wurde. Um so beeindruckender war die Souveränität, mit der Neureuther den Kurs bewältigte. Es war ein weiteres Zeichen, wie stabil der einstige Vollgasfahrer inzwischen geworden ist. „Es war das schwierigste Rennen, das ich hier in Kitzbühel gefahren bin“, sagte Neureuther. Die schlechte Sicht, die weiche Piste, die anspruchsvolle Kurssetzung, all das machte den Läufern das Leben sehr schwer. „Du bist sechs, sieben Tore gefahren, und dann war die Brille komplett dicht“, sagte Neureuther: „Dann ging es wie im Blindflug runter. Ich bin taktisch extrem clever gefahren“, sagte er. Neureuther fand die perfekte Mischung zwischen Angriff und Sicherheit.

          Nun nach Sotschi

          So unterschied sich Neureuthers zweiter Sieg in Kitzbühel deutlich von seiner Premiere vor vier Jahren. „Das war schon emotionaler damals“, sagte er. Am Freitagabend war es eher ein kontrollierter, ein sehr überlegt herausgefahrener Sieg, der Mut macht: „Das Rennen zeigt mir, dass ich mit Druck sehr gut umgehen kann. Und das ist ein sehr gutes Zeichen für die Rennen im Februar.“ Dann geht es in Sotschi um olympisches Gold. Auch Wolfgang Maier, der Alpindirektor des Deutschen Ski-Verbands, war beeindruckt von Neureuther. „Ich war immer überzeugt, dass er von seiner Veranlagung her der beste Skifahrer ist, den wir in Deutschland haben“, sagte Maier.

          Verheddert: Neureuthers Konkurrent Hirscher scheitert und macht den Weg zum Sieg frei
          Verheddert: Neureuthers Konkurrent Hirscher scheitert und macht den Weg zum Sieg frei : Bild: AP

          Das zeigt Neureuther mittlerweile mit bemerkenswerter Konstanz, nicht zuletzt wegen „der sehr guten Arbeit, die seine Trainer leisten“, sagt Maier. „Er hat eine Crew um sich, mit der er sehr gut arbeitet, und die ihm auch die Freiheit lässt, die er ab und zu braucht.“ Neureuther weiß damit umzugehen. Auch mit dem wachsenden Druck vor Sotschi angesichts seines Erfolges. Das Selbstbewusstsein hat jedenfalls nicht gerade gelitten:„Wenn ich umsetze, was ich kann, wird es schwer für die anderen, mich zu schlagen.“

          Den Sieg im Visier: Felix Neureuther auf dem Weg ins Ziel von Kitzbühel
          Den Sieg im Visier: Felix Neureuther auf dem Weg ins Ziel von Kitzbühel : Bild: dpa

          Ski alpin: Slalom in Kitzbühel

          1. Felix Neureuther (Partenkirchen) 1:53,23 Min. (57,30/55,93 Sek.); 2. Henrik Kristoffersen (Norwegen) 1:53,80 (58,82/54,98); 3. Patrick Thaler (Italien) 1:54,05 (58,49/55,56); 4. Alexis Pinturault (Frankreich) 1:54,28 (58,28/56,00); 5. Luca Aerni (Schweiz) 1:54,33 (58,18/56,15); 6. Mattias Hargin (Schweden) 1:54,45 (58,75/55,70); 7. Daniel Yule (Schweiz) 1:54,61 (1:00,46/54,15); 8. Manuel Feller (Österreich) 1:54,66 (59,18/55,48); 9. André Myhrer (Schweden) 1:54,73 (1:00,18/54,55); 10. Fritz Dopfer (Garmisch) 1:54,78 (58,27/56,51) und Reinfried Herbst (Österreich) 1:54,78 (59,28/55,50); ...39. Philipp Schmid (Oberstaufen) 1:00,98; Stefan Luitz (Bolsterlang) ausgeschieden

          Weltcup-Stand Slalom nach 6 von 9 Wettbewerben:
          1. Marcel Hirscher (Österreich) 340 Pkt.; 2. Felix Neureuther (Partenkirchen) 310; 3. Mattias Hargin (Schweden) 273; 4. Henrik Kristoffersen (Norwegen) 270; 5. Patrick Thaler (Italien) 269; 6. Mario Matt (Österreich) 250; 7. André Myhrer (Schweden) 218; 8. Jean-Baptiste Grange (Frankreich) 182; 9. Manfred Mölgg (Italien) 163; 10. Alexis Pinturault (Frankreich) 158; 11. Fritz Dopfer (Garmisch) 143;

          Weltcup-Gesamtwertung, nach 20 von 34 Wettbewerben:
          1. Aksel Lund Svindal (Norwegen) 757 Pkt.; 2. Marcel Hirscher (Österreich) 735; 3. Alexis Pinturault (Frankreich) 556; 4. Felix Neureuther (Partenkirchen) 491; 5. Ted Ligety (USA) 449; 6. Hannes Reichelt (Österreich) 376; 7. Patrick Küng (Schweiz) 366; 8. Henrik Kristoffersen (Norwegen) 341; 9. Bode Miller (USA) 309; 10. Peter Fill (Italien) 278; ...19. Fritz Dopfer (Garmisch) 256; 35. Stefan Luitz (Bolsterlang) 138; 88. Tobias Stechert (Oberstdorf) 27; 122. Benedikt Staubitzer (Mittenwald) 6; 126. Josef Ferstl (Hammer) 4; 129. Stephan Keppler (Ebingen) 2

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