https://www.faz.net/-gtl-802z6

WM-Skispringen in Falun : Olympiasiegerin Vogt holt Gold im Herzschlagfinale

  • Aktualisiert am

„Ich habe nicht für möglich gehalten, dass ich den Rückstand noch aufhole“: Carina Vogt Bild: Reuters

Der nächste deutsche Coup in Falun: Nach Kombinierer Johannes Rydzek holt Skispringerin Carina Vogt WM-Gold bei der Nordischen Ski-WM. Die Olympiasiegerin schreibt wieder Geschichte – obwohl die Saison gar nicht gut anfing.

          2 Min.

          Carina Vogt schlug nach ihrem abermaligen Schanzen-Triumph ungläubig die Hände vor das Gesicht, wenig später kämpfte die erste deutsche Skisprung-Weltmeisterin bei der Siegerehrung mit den Tränen. Ein Jahr nach ihrem Olympiasieg flog die 23-Jährige am Freitag in Falun zum WM-Gold und schrieb damit abermals Geschichte. „Es ist unglaublich, dass es zum Saison-Höhepunkt wieder geklappt hat. Ich bin etwas gefasster als in Sotschi, freue mich aber riesig“, sagte Vogt.

          In einem Herzschlagfinale verwies die Polizeimeisteranwärterin aus Degenfeld mit Weiten von 91,5 und 92 Meter die Japanerin Yuki Ito um 1,8 Punkte auf Rang zwei. Für Weltcup-Spitzenreiterin Daniela Iraschko-Stolz aus Österreich, die zur Halbzeit noch in Führung lag, blieb am Ende Bronze. Mitfavoritin Sara Takanashi aus Japan ging als Vierte wie schon bei Olympia leer aus. „Jetzt habe ich zum zweiten Mal nacheinander bei einem Großereignis gewonnen“, stellte Vogt grinsend fest. „Ich bin einfach nur glücklich.“

          Im zweiten Durchgang sprang die Deutsche noch auf den ersten Platz Bilderstrecke
          Im zweiten Durchgang sprang die Deutsche noch auf den ersten Platz :

          Bundestrainer Andreas Bauer war nach der Gala-Vorstellung seines Schützlings völlig aus dem Häuschen. „Das ist ein traumhafter Tag für uns. Die vergangenen zwölf Monate sind wie ein Märchen“, sagte Bauer und fasste die Höhen und Tiefen des Jahres im Zeitraffer zusammen: „Erst der Olympiasieg, dann die Knieoperation, später der schlechte Saisoneinstieg, die ersten zwei Weltcupsiege und heute ist sie Weltmeisterin.“

          Nach der Knieoperation im Frühjahr war Vogt lange gehandicapt und erst Anfang Oktober wieder ins volle Training eingestiegen. „Ich war ziemlich unsicher, ob das Knie mitspielt“, berichtete sie in Falun von der schwierigen Zeit. Die Trainer bauten sie immer wieder auf und führten sie auf Spitzenniveau zurück. „Carina hat uns sehr viel Vertrauen entgegengebracht“, erzählte Bauer.

          Das zahlte sich in Falun aus. Im ersten Durchgang legte Vogt 91,5 Meter vor, doch Iraschko-Stolz konterte mit 92,5 Metern und lag 3,7 Punkte vor der Deutschen. Doch die behielt die Ruhe und flog im Finale ganz cool auf 92 Meter, während die Topfavoritin nur auf 89 Meter kam und noch hinter Ito auf Rang drei zurückfiel. „Ich habe nicht für möglich gehalten, dass ich den Rückstand noch aufhole“, sagte Vogt.

          Für Bauer kam dies weniger überraschend. „Carina ist mental so stark und innerlich völlig ausgeglichen. Das hat den Ausschlag gegeben“, sagte er. Für den Coach war der Triumph „die Bestätigung und der Beweis dafür, dass das Olympia-Gold keine Eintagsfliege war, sondern sie eine ganz große Skispringerin ist.“

          Vogt ist mittlerweile Vorbild für ihre Teamkolleginnen, die mit der Medaillenvergabe nichts zu tun hatten. Juliane Seyfarth wurde 14., Katharina Althaus landete auf Rang 17. Wer von den beiden neben Vogt am Sonntag im Mixed startet, will Bauer erst am Samstag entscheiden. Ulrike Gräßler, die bei der Premiere 2009 mit Silber die erste Medaille für den DSV in der jungen Disziplin gewann, musste sich mit Rang 22 begnügen und ist keine Option.

          Wellinger und Freund in Topform

          Andreas Wellinger hat sich derweil mit einem starken vierten Platz in der Qualifikation zur WM-Entscheidung auf der Normalschanze eindrucksvoll in der Weltspitze zurückgemeldet. Der 19-Jährige sprang am Freitagabend 91 Meter weit. Den Sieg sicherte sich der viermalige Olympiasieger Simon Ammann aus der Schweiz mit 93,5 Metern. Titelverteidiger Anders Bardal aus Norwegen wurde hinter dem Japaner Taku Takeuchi Dritter. Ammann und Bardal waren wie Wellinger nach schweren Stürzen erst kurz vor der WM auf die Schanze zurückgekehrt.

          Deutschlands Gold-Hoffnung Severin Freund, der aufgrund seiner Top-Ten-Plazierung im Weltcup vorqualifiziert war, präsentierte sich mit 93 Metern ebenfalls in Topform. Richard Freitag als Neunter und Marinus Kraus auf Rang 14 schafften problemlos den Einzug in den Wettbewerb an diesem Samstag (16.30 Uhr).

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Menschen in der Wiesbadener Fußgängerzone

          Sinkende Impfbereitschaft : Sorgen vor dem Corona-Herbst

          Während die Infektionszahlen weiter steigen, lassen sich immer weniger Menschen gegen das Virus impfen. In Berlin wachsen die Befürchtungen, dass neue Einschränkungen nötig werden.
          Tesla-Chef Elon Musk

          Elon Musk : Tesla feiert sein Überleben mit Rekordzahlen

          Elon Musk spricht vom Jahr des Durchbruchs für Tesla. Erstmals fährt der Elektroautokonzern mehr als eine Milliarde Dollar Quartalsgewinn ein. Musk erhält zur Belohnung Aktienoptionen im Wert von 176 Millionen Dollar.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.