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Mythos Streif : Die gefährlichste Strecke der Welt

  • -Aktualisiert am

Täuscht die Perspektive? Nicht wirklich, auf der Streif ist es wirklich so steil Bild: Imago

Die Streif ist die anspruchsvollste, gefährlichste, brutalste Abfahrt der Welt. Am Mythos wird Jahr für Jahr gearbeitet. Mehr Spektakel als in Kitzbühel darf nirgends sein. Ist das noch Skifahren oder ist das schon Wahnsinn?

          „Wenn du an klanen Rückzieher machst, dann ist es am gscheitsten, du schnallst ab und gehst ham.“ Sagt Max Franz, österreichischer Skirennfahrer. Leichter gesagt als getan. Geht nämlich nicht. Im Starthaus der Kitzbüheler „Streif“, der berühmtesten Abfahrtsstrecke der Welt, gibt es keinen Hinterausgang, nur einen Vorderausgang, und der führt geradewegs in ein schwarzes Loch, in einen weißen Abgrund, in den Starthang. „Richtig Angst hatte ich eigentlich nur einmal in meiner Karriere“, sagt der Schweizer Didier Cuche, „das war, als ich zum ersten Mal am Start des Hahnenkamm-Rennens stand.“ Später hat er das Rennen fünfmal gewonnen – Rekord.

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          Man muss also nur losfahren, beim ersten Mal. Stöcke rein und abstoßen! Aber warum eigentlich abstoßen? Ist das nicht schon irre? Das Gefälle beträgt 50 Prozent, auf den ersten 150 Metern beschleunigen die Fahrer wie ein Sportwagen, mit Tempo 120 geht es dann links in die Mausefalle hinein. 1985 hat Franz Klammer, der legendäre österreichische Abfahrer und vierfache Streif-Sieger, hier mal einen Ski verloren, was nicht ganz so ideal ist vor der Mausefalle, die 85 Prozent steil ist, einen 70 bis 80 Meter weiten Sprung auslöst und in einer brutalen Kompression auf blankem Eis endet. Die Belastung der Fahrer hier oben beträgt das Drei- bis Vierfache der Erdanziehungskraft, „es fühlt sich an wie in einem Starfighter, nur eben ohne Starfighter“, hat der Amerikaner Bode Miller einmal gesagt. Ist das noch Skifahren oder ist das schon Wahnsinn?

          Sicher ist: Mit normalen Ski, mit touristenmäßig geschliffenen Kanten ist das alles nicht zu fahren, nicht einmal die besten Rennläufer würden das schaffen. Aber warum stürzt man sich überhaupt hier hinunter? Für 90.000 Schweizer Franken Preisgeld? Hat man nicht Frau und Kinder daheim? Franz Klammer hat das so erklärt: „Den Berg richtig oweblatteln und das Limit ausloten – das ist frei sein. Deshalb machen wir das: wegen der Gefahr, wegen der Geschwindigkeit.“ So einfach ist das: Sie fahren hinunter, nicht obwohl es gefährlich ist, sie fahren hinunter, weil es gefährlich ist.

          „Beim ersten Mal hatte ich das einzige Mail in meiner Karriere Angst“: Danach raste Rekordsieger Didier Cuche die Streif so gekonnt herunter wie beim Triumph 2011 Bilderstrecke

          Der Starthang, die Mausefalle – das ist nur der Anfang. Die Streif ist 3312 Metern lang, komplett mit Kunstschnee präpariert und vereist, sie ist gespickt mit berühmten Abschnitten: Karussell, Steilhang, Lärchenschuss, Hausbergkante, Traverse, schließlich der 68 Prozent steile Zielhang. Die bisherige Höchstgeschwindigkeit hält der Österreicher Michael Walchhofer: 2006 wurde er mit 153 Kilometer pro Stunde gemessen, die Durchschnittsgeschwindigkeit für die komplette Strecke liegt bei mehr als 105 Kilometer pro Stunde.

          Dem Mythos Leben eingehaucht: „Streif – One Hell of a Ride“

          Die Streif ist die anspruchsvollste, gefährlichste, spektakulärste, brutalste Abfahrt der Welt – das ist der Mythos, den die Kitzbüheler pflegen, Jahr für Jahr. An diesem Samstag (die Resultate im Liveticker - verschobene Startzeit wegen Nebels ist 13.45 Uhr - auf verkürzter Strecke beginnt das Rennen nun erst am Seidlalmsprung) findet die Hahnenkamm-Abfahrt zum 75.Mal statt, und zum Jubiläum, das ist klar, wird der Mythos extra aufpoliert, der Brausehersteller und Extremsportproduzent Red Bull hat das mit „Streif – One Hell of a Ride“ übernommen.

          Der fast zwei Stunden lange Film, der derzeit in den Kinos läuft, liefert betörend schöne Bilder, zähe Superzeitlupen und atemlose Schnitte – ein Actionfilm im Hollywood-Format, teuer, edel, aufregend, aber auch ein bisschen arg pathetisch. Schon der Trailer zeigt, worum es geht: Stürze, Stürze, Stürze. Da knallen die Fahrer über die Jahrzehnte in schwarzweiß und Multicolor in die Fangnetze, schlagen im Zielhang auf, rappeln sich wieder auf oder bleiben einfach liegen. Ein paar Beispiele (und die Liste ließe sich endlos fortsetzen):

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