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Biathlon-Gold für Dahlmeier : „Ich freue mich wahnsinnig, ich bin sprachlos“

Deutsche Strahlefrau: Laura Dahlmeier holt Gold in der Verfolgung. Bild: EPA

Wenn Laura Dahlmeier bei der WM startet, ist eine Medaille fast schon garantiert. Nach dem neuerlichen Gold-Coup im Jagdrennen bekommt die junge Biathletin nun einen ganz besonderen Auftrag.

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          Beim Fußball reden sie gerne vom schnellen Umschaltspiel. Nun ist Laura Dahlmeier nicht unbedingt Fußballfan, aber was die Kicker können, kann die 23 Jahre alte Biathletin auch: Blitzschnell umschalten, wenn es nötig ist. Sonst wäre die Bayerin am Sonntag vor 19600 Zuschauern im Biathlonstadion von Hochfilzen womöglich nicht Weltmeisterin geworden.Die Verfolgung ist zwar ihre Lieblings-Disziplin, und auch die Lauerposition hinter der Tschechin Gabriela Koukalova passte bestens ins taktische Konzept, aber dann schlich sich gleich beim ersten Schießen ein Fehler ein. Und was viel schlimmer war: Die Frau, die von ihrer tschechischen Konkurrentin vor ein paar Tagen noch als „Rennpferd“ bezeichnet worden ist, merkte plötzlich, dass die Hufe nicht so fliegen wollten wie sonst. „Das hat mich schon gewundert.“ Bei anderen hätte das vielleicht Frustration oder gar eine Blockade ausgelöst, „aber da musst du cool bleiben“. Und eben entsprechend reagieren. „Ich habe innerlich sofort den Schalter umgelegt“, sagte Laura Dahlmeier.

          Wenn Plan A – Laufen – nicht funktioniert, muss eben Plan B – sicheres Schießen – es richten. „Ich wusste, dass ich mir keinen Fehler mehr erlauben konnte.“ Mit jeder Situation zurechtzukommen, flexibel zu reagieren, ohne zu resignieren, das zeichnet Biathleten der absoluten Weltklasse aus. Das ist es, was Bundestrainer Gerald Hönig an seiner besten Athletin so fasziniert: Sie macht genau das, was sie tun muss. Jedenfalls meistens. „Wenn man diese Konstanz und Stabilität vor allem in ihren jungen Jahren sieht, ist sie die komplexeste und stabilste Biathletin, die ich überhaupt erlebt habe“, sagt der Thüringer. Und Hönig hat schon einige Ausnahmeathletinnen unter seinen Fittichen gehabt. Aber keine wie Frau Dahlmeier. Egal, wie laut und turbulent es im Stadion zugeht, sie blendet „komische Gedanken“ aus, setzt unbeirrt Schuss um Schuss – und trifft. „Viel cooler kann man am Schießstand nicht agieren. Das war wieder so ein Tag, an dem sie alles richtig gemacht hat“, sagte der Thüringer. Das sah Laura Dahlmeier ganz ähnlich. „Das perfekte Rennen war es heute nicht, aber ich habe aus meiner Situation das Beste gemacht.“ Auch das ist eine Kunst, zumal wenn der Titel dabei herausspringt.

          Gold für die Frau in Gelb: Laura Dahlmeier holt den Sieg in der Verfolgung.
          Gold für die Frau in Gelb: Laura Dahlmeier holt den Sieg in der Verfolgung. : Bild: dpa

          Jetzt hat Laura Dahlmeier in Hochfilzen drei WM-Rennen bestritten, und ihre Zwischenbilanz lautet: Zweimal Gold, einmal Silber. „Das ist ein Traum“, sagt sie. Und es erinnert schon verdächtig an ihre Sammlung von 2016, als sie aus Oslo mit fünf Medaillen heimkehrte. Der Mut, zwei Heimrennen in Oberhof auszulassen, um bei der WM in Bestform zu sein, hat sich schon ausgezahlt.

          Aber die Verfolgung in Hochfilzen hat gezeigt, dass sie in Zukunft noch stärker gefordert werden könnte. Nicht nur von Sprint-Siegerin Gabriela Koukalova, die nach drei Strafrunden diesmal mit Bronze vorliebnehmen musste. Die frühere Branchenführerin Darja Domratschewa, nach zweijähriger Pause samt Geburt ihrer Tochter Xenia vor gut vier Monaten erst im Januar in den Weltcup zurückgekehrt, überraschte am Sonntag mit einer kompletten Nullrunde, die sie vom Sprint-Platz 27 auf den Silber-Rang nach vorne trug. „Ein Traum. Ich habe mir nach dem Sprint doch gar nichts mehr ausgerechnet“, sagte die 30 Jahre alte Weißrussin. „Ich wollte einfach nur ein vernünftiges Rennen machen.“ Und weil das ihrem Ehemann, dem unverwüstlichen Ole Einar Björndalen, gut vier Stunden später in der Verfolgung ebenfalls gelang, wenn auch nicht bis ganz zum Schluss, durfte sich das weißrussisch-norwegische Biathlon-Paar an diesem Sonntag nach Darjas Silber über Oles Bronze freuen.

          „Ich habe ihr Rennen im Fernsehen gesehen. Das hat mich ungeheuer motiviert“, sagte der 43 Jahre alte Dauerläufer nach seiner 45. WM-Medaille. Sein 20 Jahre jüngerer Landsmann Johannes Thingnes Bö gewährte ihm beim Spurt um Platz zwei allerdings keinen Altersbonus. Ganz vorne war es wie fast immer in dieser Saison. Martin Fourcade, am Samstag im Sprint noch Dritter, übernahm schon nach dem ersten Schießen die Führung. Alles andere war eine Demonstration des besten Biathleten der Welt. Auch eine Strafrunde nach dem letzten Schuss vermochte den 28 Jahre alten Franzosen nicht mehr zu gefährden. „Ich wusste, dass ich mir die leisten konnte“, sagte Fourcade, „aber auf der Strecke war es ein perfekter Tag.“ Für die deutschen Skijäger galt das nicht: Simon Schempp war auf Platz zehn noch der beste. Martin Fourcade aber, elften WM-Titel angesprochen, entgegnete er nur: „Ich wollte hier eine Goldmedaille, die habe ich jetzt. Ich bin sehr zufrieden.“

          Vielleicht aus deswegen, weil er sich mit Anton Schipulin, mit dem er nach der Mixed-Staffel aneinandergeraten war, wieder versöhnt hat. Erst gab es einen Chat mit dem Russen, dann, schon am Samstag, einen Händedruck und sogar eine Umarmung. An der Doping-Front herrschte am Wochenende zur Abwechslung einmal Ruhe. Wie trügerisch sie ist, weiß man nicht.

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