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Bob-WM in Altenberg : Die weitaus Zweitbesten im Eiskanal

  • -Aktualisiert am

„Ich bin voll zufrieden, wir haben gezeigt was wir können“: Kim Kalicki im Zweierbob mit Ann-Christin Strack. Bild: Reuters

Bei der Bob-WM gewinnen die deutschen Pilotinnen Silber und Bronze – hinter Champion Kaillie Humphries. Traurig ist Kim Kalicki darüber nicht, im Gegenteil. Auch Laura Nolte ist mit Bronze zufrieden.

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          Anscheinend hat sich nicht viel verändert innerhalb eines Jahres. Wie schon bei der Bob-Weltmeisterschaft 2020 gewann die Kanadierin Kaillie Humphries auch in diesem Jahr wieder auf der Bahn im sächsischen Altenberg. Die Pandemie zwang den Tross, während der gesamten Saison in Europa zu bleiben. Die 35 Jahre alte Pilotin ist nun zum vierten Mal Weltmeisterin geworden. Dazu kommen zwei Olympiasiege.

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          Sie bleibt die Chefin im Eiskanal. Auch an der Distanz zur Konkurrenz hat sich nichts geändert. Betrug der Vorsprung vor der Zweitplazierten vor zwölf Monaten 37 Hundertstelsekunden, so waren es am Samstag 35. Auch die unmittelbare Verfolgerin war die Gleiche: Kim Kalicki: „Titel erfolgreich verteidigt – das trifft es ganz gut“, sagte die Wiesbadenerin, „ich bin voll und ganz zufrieden, ich bin kein bisschen traurig.“

          Kalicki kam 2020 als Novizin zur WM. „Damals, würde ich sagen, sind wir unbefleckt hierhergekommen und haben einfach geschaut, was passiert“, erzählt sie. Es sprang Silber dabei heraus. „Dieses Jahr haben wir erwartet, dass eine Medaille rumkommt.“ Wieder ist es Silber geworden. Weil sie dem Druck standgehalten hat, ist sie mit sich und der Leistung ihrer Anschieberin Ann-Christin Strack zufrieden.

          Wesentlich besser ist auch Laura Nolte mit der anspruchsvollen Bahn in Altenberg zurechtgekommen. Vor einem Jahr war die Winterbergerin im zweiten Durchgang gestürzt. Diesmal brachte sie alle vier Fahrten ins Ziel: Bronze. „Ich habe Frieden geschlossen mit der Bahn“, sagte die 22-Jährige. Trotzdem fuhr bei jeder Fahrt Unsicherheit mit. Und Nervosität. Vor allem als Teamkollegin Stephanie Schneider ihr nach einem famosen dritten Lauf noch einmal recht nahe gekommen war. Doch Nolte hatte ihre Nerven im Griff und wehrte den Angriff ab.

          „Zwei Medaillen sind okay“, sagte auch Bundestrainer René Spies. Trotzdem hätte er sich ein wenig mehr Mut zur Attacke von seinen Fahrerinnen erwartet. „Ich hätte mir natürlich gewünscht, dass wir den Angriff auf Kaillie starten“, sagte der Coach, „immerhin waren wir schon dichter dran. Aber es hat immer noch nicht gereicht.“

          Mit Blick auf die Olympischen Spiele in einem Jahr in Peking zog er Bilanz. Mit den athletischen Leistungen seiner Teams am Start zeigte er sich zufrieden. Zumindest mit denen von Kalicki, Nolte und Schneider. Ein wenig zurück liegt ausgerechnet Olympiasiegerin Mariama Jamanka. Auf Schnellstarterin Laura Nolte, die mit Deborah Levi in allen vier Durchgängen die schnellste Zeit schob, fehlen der 30-jährigen Berlinerin beinahe zwei Zehntelsekunden. „Was am Start fehlt“, rechnet sie vor, „verdreifacht sich in der Regel nach unten.“

          Da helfen dann die größten Fahrkünste an den Lenkseilen nichts. Zumal sich die ehemalige Hammerwerferin in dieser Saison manchen Fehler in der Bahn leistete. „In einigen Rennen habe ich es versaut durch meine Fahrten“, sagte sie, „das muss auch wieder konstanter werden.“ Allerdings hatte sie in diesem Winter auch Pech. Sowohl ihre stärkte Anschieberin Annika Drazek wie auch Kira Lipperheide waren verletzt. So musste sie mit Vanessa Mark erst einmal die Abläufe koordinieren.

          Ansonsten hat Bundestrainer Spies bei seinen Pilotinnen eine mentale Schwäche erkannt. „Wir haben ganz klar gesehen, dass wir unter großer Stressbelastung besser, konstanter Bob fahren müssen“, sagt er. Worauf René Spies anspielte, erklärte Pilotin Nolte. „Im zweiten Durchgang waren ein paar Fehler dabei.“

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          Es habe gleich nach dem Start angefangen, „als ich die Lenkseile ein wenig zu locker in den Händen hatte“. Bei Olympischen Spielen fahren nur Pilotinnen um die Medaillen, die vier konstant gute Läufe ins Ziel bringen. Doch im Training lässt sich diese Stresssituation nicht üben. „Großevents sind wichtig, bei denen man Routine bekommt“, sagt Spies. Vor Olympia gibt es nur noch Weltcuprennen über zwei Läufe, keines mehr mit vier Durchgängen.

          Kim Kalicki bleibt angesichts dieser Anforderung gelassen. „Ich konnte schon immer gut mit Druck umgehen“, sagt die Polizistin, „dementsprechend habe ich das Glück, dass ich mir keinen Stress mache.“ Auch Laura Nolte hat in diesem Winter schon bewiesen, dass sie auch unter besonderer Belastung Leistung erbringen kann.

          Bei der Junioren-Weltmeisterschaft vor zwei Wochen in St. Moritz musste sie unbedingt den Titel gewinnen, damit dem deutschen Team ein vierter Startplatz bei den Titelkämpfen in Altenberg zugeteilt werden konnte. Das Duo Nolte/Fiebig lieferte. In zwölf Monaten zählt es für die deutschen Bobfahrerinnen wieder. Dann wird sich zeigen, ob sich etwas verändert hat.

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