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Biathlon in Antholz : Bö gewinnt, Doll fehlt der Sauerstoff

  • Aktualisiert am

Norwegens Johannes Thingnes Bö: Mal wieder der Schnellste im Feld Bild: AFP

Für die deutschen Biathleten gab es nichts zu holen. Beim Massenstart in Antholz mangelte es Sprinter Benedikt Doll am „Sauerstoff im Gehirn“. Der Norweger Johannes Thingnes Bö siegte.

          Fünf Schießfehler, ein Sturz auf der Zielgeraden und nur Platz 58: Den verfluchten Tag im malerischen Antholz hätte Benedikt Doll am liebsten sofort vergessen. „Irgendwie hat mir der Sauerstoff im Gehirn gefehlt“, klagte der Sprint-Weltmeister nach seiner äußerst unglücklichen Vorstellung. „Ich war von Beginn an nicht wach und aktiv. Das ist sehr ärgerlich.“

          Arnd Peiffer schaffte es als einziger Deutscher in die Top Ten. Der Olympiasieger wurde Neunter nach zwei Schießfehlern und einem Rückstand von 43,9 Sekunden beim zehnten Saison-Sieg von Johannes Thingnes Bö. Der Norweger lag trotz einer Strafrunde 17,5 Sekunden vor seinem fehlerfrei gebliebenen Landsmann Erlend Bjöntegaard. Dritter über die zehn Kilometer wurde der Franzose Antonin Guigonnat vor seinem Landsmann Martin Fourcade.

          Doll fiel es schwer, seine Leistung unmittelbar nach dem Rennen zu erklären. „Es fällt mir echt schwer, das jetzt zu analysieren“, sagte der Schwarzwälder, der mit viel Mühe die Verfolgung der 60 besten Sprint-Teilnehmer erreichte – und in der so tückischen Antholzer Höhe einen möglichen Grund für das Scheitern vermutete. Auf über 1600 Metern Höhe nämlich „muss man beim Schießen viel mehr atmen, man wird unkonzentriert und kann den Rhythmus vielleicht nicht so durchziehen wie sonst“, sagte Doll. Der 28-Jährige hatte bereits nach dem ersten Schießen zwei Strafrunden drehen müssen, nach dem Stehendanschlag folgten drei weitere. „Benni hat sich ein bisschen erschossen“, sagte Peiffer martialisch.

          Wenig Luft, und dann auch noch gestürzt

          Zu allem Überfluss verhedderte sich Doll, der nach einem 58. Platz im ersten Rennen eine starke Saison zeigt, kurz vor dem Zielstrich auch noch mit dem Stock zwischen den Beinen. Mehr als zwei Minuten lag er letztlich hinter Überflieger Bö. „Bei der Verfolgung werde ich den Fokus nun voll auf das Schießen richten“, sagte Doll, der endlich mal wieder das Ziel von vier fehlerfreien Schießeinlagen erreichen will. „Diese Marke will ich irgendwann wieder knacken, am besten im nächsten Rennen.“

          Ohne den formschwachen Antholz-Experten Simon Schempp, der schon fünfmal in Südtirol gesiegt hatte und sich derzeit daheim aus dem Leistungstief kämpfen möchte, war somit einmal mehr Peiffer der beste Deutsche. Vor allem läuferisch glänzte der 31-Jährige – auf Bö verlor er nur 9,5 Sekunden. Fehlerfrei im deutschen Team blieb nur Roman Rees, der 25-Jährige lag als 22. aber schon 1:16,0 Minuten hinter dem Sieger zurück. Philip Nawrath (1 Fehler/1:27,6 Minuten) kam auf Rang 29, Erik Lesser (2/1:30,4) konnte sich als 31. ebenfalls keine bessere Ausgangsposition verschaffen.

          „Im Verfolger kann viel passieren, da ist hier immer etwas möglich“, sagte Peiffer, der seine beiden Schießfehler ebenfalls mit der dünnen Luft in Verbindung brachte. „Man pumpt am Schießstand wirklich wie ein Maikäfer und muss alle Sinne beisammen haben“, sagte Peiffer, der 43,9 Sekunden Rückstand auf Bö hatte.

          Deutlich bessere Chancen auf einen deutschen Sieg in den Verfolgungsrennen am Samstag (ab 13.30 Uhr live im ZDF und Eurosport) besitzen die Frauen, allen voran Laura Dahlmeier. Die Doppel-Olympiasiegerin geht gerade einmal 4,2 Sekunden hinter Sprintsiegerin Marketa Davidova (Tschechien) in die Loipe. „Die Sekunden, die will ich natürlich aufholen“, sagte die Verfolgungsexpertin.

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          Am Sonntag bilden die beiden Massenstarts (ab 12.45 Uhr) den Abschluss des zweiten Saisontrimesters. Nach einer kurzen Pause reisen die Skijäger nach Übersee, wo in Canmore/Kanada (ab 7. Februar) und in Soldier Hollow/USA (ab 14. Februar) die letzten Weltcups vor der WM in Östersund (ab 3. März) stattfinden.

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