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Anna Seidel : Das deutsche Gesicht des Shorttrack

  • -Aktualisiert am

Mit 50 Kilometern in der Stunde in die Kurve: Anna Seidel hat auf dem Eis keine Angst Bild: dpa

Plötzlich Weltspitze: Anna Seidel ist erst 17 Jahre alt und gehört trotzdem schon zu den Besten im Shorttrack. Nun will sie auch beim Heim-Weltcup in Dresden auf sich aufmerksam machen – und ihrer Verpflichtung gerecht werden.

          Das schlechte Gewissen kommt erst, wenn sie wieder Zuhause ist und sich alle über die Schule unterhalten. Wenn die Mitschülerinnen an der Eisfläche stehen. Die Lehrer, die sie seit dem Winteranfang nur noch aus E-Mails kennt, in denen sie Aufgaben schicken. Anna Seidel lernte zuletzt nur noch im Hotel – sie hatte anderes vor, als in Dresden die Schulbank zu drücken. Toronto, Schanghai, Sofia, demnächst Lillehammer: Die 17 Jahre alte Shorttrackerin sauste über die Eisovale der Welt. Und weil sie das erfolgreich tut, lassen die Lehrer sie gewähren.

          Es hat sich manches verändert, seit sie vor zwei Jahren bei Olympia in Sotschi das erste Mal richtig öffentlich in Erscheinung trat, als Küken von 15 Jahren. Anna Seidel ist jetzt eine junge Frau. War sie damals froh, die Vorrunde zu überstehen, ist nun das Finale der Anspruch. Allein in diesem Jahr machte sie einen Riesenschritt nach vorn, holte zwei Podestplätze bei den Weltcups in Montreal und Nagoya, dazu EM-Bronze über 1000 Meter. Eine deutsche Shorttrackerin plötzlich Weltspitze – das gab es noch nie. Die Öffentlichkeit hat es nur am Rande mitbekommen. Weil dieser Sport kaum Aufmerksamkeit erfährt. Doch an diesem Wochenende wird der Trubel größer: Dresden, das ist der Heim-Weltcup von Anna Seidel, es ist auch der einzige in Deutschland.

          Mit neun Jahren in den Sport geschlittert

          Hier ist sie mit neun Jahren in den Sport geschlittert, nachdem ihr die Leichtathletik „zu langweilig“ wurde. Ihr Bruder spielte hier Eishockey, die Shorttracker trainierten danach – „probier’s mal“, hatte die Mama gesagt. Jetzt liebt Anna Seidel nichts mehr, als übers Eis zu fliegen: mit Geschwindigkeiten von bis zu 50 Kilometer pro Stunde in der Kurve und der Gefahr, im Pulk auch mal von der Bahn zu rutschen. Auch das macht den Reiz aus. Dabei sind ihr die Langdistanzen lieber als die kurzen. „Auf den 500 Metern fehlt noch die Muskelkraft für den schnellen Start“, sagt sie.

          Kein Wunder, die zierliche Person, 1,66 Meter groß, ist ein Leichtgewicht im Vergleich zur Konkurrenz. Deshalb trainiert die Dresdnerin auch mit den Männern, um besser zu werden. Ihr eigener Anspruch treibt Anna Seidel voran – aber inzwischen auch der der anderen. Mit Anna Seidels Gesicht hat Shorttrack, sonst stets im Schatten von anderen, in der Sportschau inzwischen einen festen Platz im Programm. Für den Heim-Weltcup strahlt sie selbstbewusst von den Ankündigungsplakaten. Das mache Spaß, sagt sie, „und auch ein bisschen stolz“.

          Anna Seidel teilt sich regelmäßig über Facebook mit. Nur manchmal, wenn es nicht so gut läuft, nervt der Trubel ein bisschen. Sie schreibt dann trotzdem. Das Aushängeschild einer Sportart zu sein mit 17 Jahren, ist nicht immer nur angenehm, es ist auch eine Verpflichtung. „Aber eine schöne“, betont sie. Doch die Aufmerksamkeit reicht nicht, um im Shorttrack das große Geld zu verdienen. Der Sport bietet beruflich kaum Perspektiven – weitermachen will sie trotzdem. Ob bei der Bundespolizei oder im Studium, das weiß sie noch nicht. Sie will es auch von ihrer Entwicklung abhängig machen. Bis zum Abitur sind es noch zwei Jahre.

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