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Ermittlungen gegen Thurau : Belastende Post von den Fahndern

  • -Aktualisiert am

Björn Thurau beendete 2019 seine Karriere. Bild: Imago

Die nächste Folge „Aderlass“: Die Nada ermittelt gegen den früheren Radprofi und Radprofi-Sohn Björn Thurau. Er wurde von einem früheren Kollegen erheblich belastet.

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          Das Anti-Doping-Gesetz ist mit fünf Jahren zu jung. Sonst hätte es längst wesentlich mehr Prozesse gegen Doper, Dealer, Athleten, Ärzte, Trainer gegeben; einen deutlich tieferen Einblick in die Gegenwart der Manipulation, wenn dazu auch die vergangene Dekade gehört. Im Radsport soll es das Jahrzehnt einer gewissen Säuberung gewesen sein; die endgültige Abkehr von der Aufladung mit allen potentiellen Beschleunigern.

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Der im Januar beendete Aderlass-Prozess räumte zwar vorwiegend mit der Mär vom weißen Treiben im Wintersport des 21. Jahrhunderts auf. Aber auch Hinweise zu Blutpanschereien im jüngeren Radsport gab es genügend. Nun ist ein ehemaliger Deutscher Profi ins Visier geraten: der Frankfurter Björn Thurau. Weil er im Zuge der Ermittlungen einer Schweizer Staatsanwaltschaft von einem früheren Kollegen erheblich belastet wurde.

          Da die angeblichen Taten zwischen 2011 und 2014 verjährt wären, kommt es nicht zu einem Strafverfahren wie jüngst in München. Aber ohne den staatlichen Prozess, ohne die Hilfe aus der Schweiz und München, hätte die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) kaum die Informationen erhalten, die sie brauchte, um am Dienstag die Eröffnung eines Ermittlungsverfahrens veröffentlichen zu können. Thurau ist in den Augen der Bonner verdächtig, gegen „mehrere Anti-Doping-Bestimmungen“ verstoßen zu haben. Die Ausführungen der Nada sind zwar spärlich. Aber sie will das volle Programm nicht ausschließen: Eigen-Doping, Vertrieb und Verabreichung.

          Thurau reagierte nicht auf einen Anruf. Die via Whatsapp an ihn geschickten Fragen, ob er gedopt, ob er Doping-Mittel vertrieben oder verabreicht habe, ob die Vorwürfe falsch seien und wie er zu reagieren gedenke, etwa mit einer Klage gegen die Quelle, ließ er unbeantwortet. Von Doping-Verfahren blieb der 2019 vom Profisport zurückgetretene Sohn des einstigen deutschen Radstars Dietrich Thurau zeit seiner Karriere verschont.

          Zumindest ist in seiner veröffentlichten Vita nur einmal von einem zu niedrigen Cortisol-Wert die Rede, festgestellt während des Critérium du Dauphinée 2016. Damals wurde er aus der Rundfahrt genommen und mit einer einwöchigen „Schutzsperre“ belegt. Thurau beteuerte, dass „kein Vergehen meinerseits vorliegt“. Es sei ein negatives Bild von ihm gezeichnet worden. Ein niedriger Cortisol-Wert kann ein Indiz für Doping sein. Ein Beweis ist er nicht.

          Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hat die Nada nun eine Fülle von Dokumenten erhalten, Hunderte Seite. Auch dies ein Erfolg des in den vergangenen Jahren gewachsenen Vertrauens staatlicher Behörden in die zwar überwiegend von Steuergeldern, kaum vom Sport finanzierte, aber letztlich private Einrichtung zur Bekämpfung der Manipulation. Demnach ist sie im Besitz belastbarer Informationen, die lange vor der Ankunft in Bonn von Experten gesichtet und für aussagekräftig gehalten wurden, aber wegen der Verjährung keine große Rolle mehr für den Strafprozess spielten. Im Sportrecht tritt die Verjährung erst nach zehn Jahren ein.

          Deshalb hörte die Nada auch genau zu, als während des Aderlass-Prozesses unter anderem gegen den Hauptangeklagten Erfurter Arzt Mark S. aus der Vernehmung des Schweizer Radprofis Pirmin Lang zitiert wurde. Er hatte Doping zugegeben, war Kunde von Mark S. und auch Lieferant von Doping-Mitteln. Unter anderem stützt sich die Nada-Ermittlung gegen Thurau auf die Schilderungen des Schweizers. Hat er Stoff vom Deutschen gekauft? Die Sammlung der zivilen Fahnder soll eine entlarvende Kommunikation unter Beteiligung von Thurau zum Thema Doping über die sozialen Medien enthalten.

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