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Sport-Jahr 2019 : Wie Deutschland seine Individualisten entdeckte

Die Sportlerin des Jahres: Weitspringerin Malaika Mihambo beweist bei der Leichtathletik-WM ihre Nervenstärke. Bild: Imago

Mannschaftssport ist packend, hat eine eigene Dramaturgie und bietet ein Panoptikum spannender Typen. Doch im Jahr 2019 war plötzlich alles ganz anders. Verneigen wir uns vor unseren Einzelsportlern!

          7 Min.

          Die einzige sportliche Jahrhundertleistung, die 2019 preisgekrönt wurde, geschah schon zwei Jahre zuvor. Es ist der Durchstieg der tausend Meter hohen, fast senkrechten Granitwand des El Capitan im kalifornischen Yosemite-Tal, die Alex Honnold am 3. Juni 2017 „Free Solo“ vollendete, also allein, ohne technische Hilfsmittel und ohne Sicherung. Honnold erhielt dafür keine Trophäe, denn Klettern wird zwar, in einer stadtkompatiblen Form mit künstlichen Wänden, 2020 erstmals olympisch sein. Doch in seiner ursprünglichen Form, am Berg, wird es mangels eines Wettkampfes mit anderen nicht wie ein Sport behandelt und steht üblicherweise nicht im Sportteil. Hier nun doch einmal, denn Honnolds Tat ist von einer solchen Kühnheit und Eleganz, dass sie sich doch eine Trophäe verdiente – den „Oscar“ für den besten Dokumentarfilm, der Millionen Kinobesucher mitnahm in die atemraubende Vertikale dieses an Wahnsinn grenzenden Wagnisses.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Der Titel des Films, „Free Solo“, könnte für das ganze Sportjahr 2019 stehen. So gelang Tiger Woods, jung als größter Golfer der Welt gefeiert, dann privat und gesundheitlich aus der Bahn geraten, mit dem Gewinn des Masters eines der größten Comebacks der Sportgeschichte. Vor allem aber aus deutscher Sicht war es das Jahr der befreiten Solisten. Von Ausnahmegestalten wie Max Schmeling, Steffi Graf und Boris Becker und einer Handvoll großer Olympioniken in Leichtathletik, Schwimmen oder Reiten abgesehen, sind es seit jeher meist die Leistungen ihrer Mannschaftssportler, die die Nation bewegen.

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