https://www.faz.net/-gtl-9ckgg

Deutsche Siege beim CHIO : Aachener Achterbahnfahrten

Die deutsche Reiterin Isabell Werth auf dem Pferd Emilio. Bild: dpa

Für Isabell Werth wird der CHIO zum emotionalen Überschallflug, der für sie und das deutsche Nationenpreisteam mit einer Punktlandung endet. Und die Springreiter beeindrucken mit einer Siegesserie.

          Der CHIO in Aachen ist zwar am Wochenende immer schwarz vor Menschen – aber er ist viel zu fein, als dass man ihn mit einem Rummelplatz vergleichen könnte. Trotzdem wurde in der Soers in diesem Jahr ausgiebig Achterbahn gefahren. Geradezu schwindlig muss es nach dieser Woche Isabell Werth sein, die vom emotionalen Überschallflug bis zum rätselhaften Leistungsabsturz und dem anschließenden Feuerwerk eine seltene Bandbreite von Gefühlen durchlebte und dabei ganz nebenbei am Samstag auch noch sieben mal sieben, also 49 Jahre alt wurde. Der Gipfel der Isabell-Show: Der zwölfte Sieg im Großen Dressurpreis von Aachen am Sonntag – mit Emilio zu funkensprühender Musik von Beethoven und Puccini. Und noch emotionaler: Das Comeback von Bella Rose nach dreieinhalb Jahren Verletzungspause.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Am Freitagabend im parallel zum Nationenpreis ausgetragenen Grand Prix Special erlebte die Menge ergriffen, dass Bella Rose, dieses schöne und hochtalentierte Pferd, schon beim vierten Start wieder zu einer Form zurückgefunden hat, die eine Nominierung für die Weltmeisterschaften im September in Tryon rechtfertigen würde. Alles war wieder da, die elektrisierende Erscheinung, der lässige, fast schon arrogant wirkende Bewegungsablauf, die Gehfreude. Sie gewannen die Prüfung überlegen. Bella Rose, inzwischen 14 Jahre alt, muss nun die Belastung verkraften, fit bleiben und Kraft aufbauen – die Zeit bis zur WM ist noch lang.

          Kleines Drama im rauschenden Finale

          Im Schatten von Bella Rose spielte sich mit Emilio vor dem rauschenden Finale ein kleines Drama ab. Der braune Wallach, der ebenfalls ein WM-Kandidat ist, kam am Donnerstag im Grand Prix des Dressur-Nationenpreises nicht mehr mit der gewohnten Kandare zurecht und fühlte sich so unangenehm beengt, dass er ganz untypische Reaktionen zeigte. Ausgerechnet er, der normalerweise seine Piaffen so beflissen abliefert wie ein Musterschüler seine Mathearbeit, widersetzte sich der Reiterinnen-Hand in seiner Paradelektion. Die Konsequenz: Isabell Werth fand sich im Grand Prix auf dem ungewohnten 17. Platz wieder, das deutsche Quartett in der Zwischenwertung auf dem zweiten Platz hinter den Vereinigten Staaten.

          Doch diese ungewohnte Lage hielt nicht lange an. Am Samstag im Grand Prix Special stellten die deutschen Dressurreiter die alten Verhältnisse wieder her. Emilio erhielt eine angenehmere Kandare, Isabell Werth gewann mit ihm den Special, und Deutschland lag am Ende im CHIO-Nationenpreis wieder vorne wie gewohnt. „Wir haben unsere Partnerschaft am Freitag neu begonnen“, sagte Isabell Werth. „Ich hatte ein bisschen Schuldgefühle, weil ich nicht sensibel genug war und ihn nicht gehört habe.“ Vor lauter Bella Rose wahrscheinlich. Und dann habe es auch noch Leute gegeben, die gesagt hätten, Emilio habe eine Charakterschwäche. „Dabei hat dieses Pferd noch keine einzige schlechte Prüfung abgeliefert.“ Das bestätigte sich dann am Sonntag in der Kür glanzvoll: Mit 87,625 Prozentpunkten übernahm Isabell wieder die Regentschaft über das Dressur-Gesamtreich. Es war die Bestnote mit diesem Pferd. Emilio, Bella Rose und die zu Hause gebliebene Weihegold werden ihr die Auswahl für Tryon nun schwermachen.

          Weitere Themen

          Loeb holt den vierten Tagessieg

          Rallye Dakar : Loeb holt den vierten Tagessieg

          An der Spitze des Fahrerfeldes zieht ein Qatarer weiter einsam seine Kreise, doch dahinter wird es zunehmend enger: Schon zum vierten Mal gelingt dem Franzosen Sébastien Loeb nun ein Erfolg.

          Topmeldungen

          Brexit-Votum in London : Die Niederlage von Westminster

          So hat eine britische Regierung in der Moderne noch nicht verloren. Schon gar nicht in einer Sache, die von solch existentieller Bedeutung ist, wie der Brexit-Deal. Man kann gespannt sein, wie es weitergeht. Ein Kommentar.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.