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Sydney-Hobart-Regatta : Den Start verschlafen, dann aber aufgedreht

Kurz nach dem Start überholte die Comanche die bis dahin führende Yacht Info Track und setzte sich an die Spitze. Bild: EPA

Bilderbuchstart bei Jubiläumsausgabe der Traditions-Regatta: Eine reiche Seglerfamilie führt das Feld der Yachten nach Tasmanien an.

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          Den Start hatte sie noch verschlafen, dann aber zeigte Comanche, was unter idealen Wetterbedingungen in ihr steckt: 31 Minuten dauerte es, bis die Super-Maxi mit ihren drei Vorsegeln, einschließlich ihres Sturmsegels, bei rauem Wind zur Führung der Jubiläums-Regatta flog. Jim Cooney, Eigner und Skipper der 100-Fuß-Rennmaschine, wählte rasch einen Kurs weit hinaus auf See. Nach 56 Minuten überholte sie sogar einen Containerfrachter vor der Küste Sydneys.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Bis in den australischen Nachmittag führte Comanche in der 75. Auflage der Sydney-Hobart-Regatta. Nicht erst seit 1998 sechs Segler in katastrophalen Bedingungen ihr Leben ließen, genießt das Rennen einen berühmt-berüchtigten, legendären Ruf. „Ich nenne es schlicht die Weltmeisterschaft der Seesegler“, sagt Peter Harburg, der sich als Immobilientycoon die Hundert-Fuß-Maxi Black Jack leistet. „In den meisten Regatten in Europa bist Du mit einem System konfrontiert“, sagt er mit Blick auf Wind und Strömung. „Wir hier müssen uns auf zwei bis drei Systeme während des Rennens einstellen.“ Gegen Abend soll der Wind drehen, so dass die Mannschaften dann, statt den rasenden Raumschotkurs genießen zu können, auf ihrem Weg über die Bass Strait werden kreuzen müssen.

          628 Seemeilen (1163 Kilometer) liegen vor den fünf Supermaxis, die darum kämpfen, als erste die Ziellinie in Hobart auf Tasmanien zu kreuzen. Gefolgt von der Flotte von 152 Booten, die das Rennen nach berechneter Zeit gewinnen oder aber zumindest die Inselhauptstadt erreichen wollen.

          Wild Oats XI mit Problemen

          Natürlich richten sich die meisten Augen auf den Rekordgewinner, die Supermaxi Wild Oats XI: Sie kämpft weiter darum, ihren zehnten Sieg nach Hause zu fahren. Es wird schwer, denn die 100-Fuß-Rennyacht hatte vergangenen Monat während des Cabbage-Tree-Island-Vorbereitungsrennens schwere Schäden an Mast und Deck davongetragen. Auf die Reparatur in Rekordzeit folgte ein erfolgreicher 24-Stunden-Test. Blieb der Mannschaft genug Zeit zur Vorbereitung? „Wir sind hundertprozentig da. Wir bereiten uns seit 15 Jahren vor, immer mit dem selben Boot“, sagt Cheftaktiker Iain Murray am Donnerstagmorgen.

          Die Yachten verlassen am Donnerstag den Hafen von Sydney. Bilderstrecke

          Der Gegner Comanche aber ist ernst zu nehmen: Die Crew um Jim Cooney und seine Frau Samantha Grant – mit Sohn James und Tochter Julia an Bord – baut auf ihren bislang einzigen Sieg 2017, der in Rekordzeit gelang. Mit der Maserati, einer Volvo 70, gehört Cooney ein weiteres Rennboot mit Chancen auf einen vorderen Platz im Feld. Er hat es in diesem Jahr an eine polnische Mannschaft verchartert. Gern weist Cooney darauf hin, es sei seine Frau Samantha gewesen, die ihn zum Kauf der Comanche überredet habe. „Mir hätte es für die nächsten zehn Jahre gereicht, die Maserati weiter zu segeln“, sagt er. Die Familie übernahm die Rennmaschine vom amerikanischen Milliardär Jim Clark und seiner australischen Frau Kristy Hinze.

          Windfarmen und Segelyachten

          Der Bau der Comanche soll rund 20 Millionen Dollar verschlungen haben, und es heißt, Cooney habe sie 2017 für fünf Millionen gekauft. Der Ingenieur mit irischen Wurzeln führt TCI Renewables, ein Windenergie-Unternehmen im britischen Oxford. Unter seiner Führung drang TCI 1996 nach Australien vor, nach Irland, Kanada und Amerika. Zunächst schuf die Firma die Infrastruktur für die Netzanbindung von Telekommunikationsunternehmen. Ganz nebenbei bot Cooney seine Technik beispielsweise auch seinem Segelclub an. Heute steht TCI für den Aufbau und die Steuerung riesiger Windfarmen. Nachdem er das Unternehmen 2004 an die Börse in Sydney gebracht hatte, erhielt er den Gründerpreis der Unternehmensberatung Ernst & Young

          Am Nachmittag jagten die fünf Super-Maxis mit mehr als 20 Knoten gen Süden. Cooney rechnet damit, vormittags am 28. Dezember den Hafen in Hobart zu erreichen – eine Rekordzeit sei aufgrund der vorhergesagten Windbedingungen in diesem Jahr nicht zu erwarten.

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