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Plan A? Ackermann in Polen Bild: Getty

Rad-EM in München : Für wen fährt das deutsche Team?

  • -Aktualisiert am

Pascal Ackermann und Phil Bauhaus kämpfen für Deutschland als Doppelspitze um Gold. Dabei sind Interessenkonflikte zwischen den Sprintern programmiert. Immerhin soll es einen Mediator im Team geben.

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          Folgen sie Plan A wie Ackermann oder Plan B wie Bauhaus? Oder verkörpert Phil Bauhaus Plan A, und Pascal Ackermann stellt Plan B dar? Nun ist es im Radsport durchaus ein Trend, die Verantwortung auf mehrere Rennfahrerschultern zu verteilen.

          Einer sogenannten Mehrkapitänstrategie entsprang im Frühjahr beispielsweise der Gewinn des Giro d’Italia für das deutsche Team Bora-hansgrohe. Die wechselnden Attacken von Fahrern der Equipe Jumbo-Visma bescherten unlängst Jonas Vingegaard den Triumph bei der Tour de France.

          Dies wird vorwiegend bei Rundfahrten oder schweren Eintagesrennen praktiziert, um flexibler und schwerer ausrechenbar zu sein. Bei Sprintankünften steht gemeinhin das ganze Team hinter dem schnellsten Mann. Beim Bund Deutscher Radfahrer (BDR) weiß man vor dem Münchner Europameisterschafts-Rennen am Sonntag nur nicht, wer der schnellste Mann ist, der auf dem Odeonsplatz um Gold im Heimchampionat sprinten soll: Der Pfälzer Ackermann oder der Kölner Bauhaus?

          Die Gemeinsamkeiten

          Beide sind 28 Jahre alt, beide haben zwei Saisonsiege auf dem Konto, beide reisen mit der Empfehlung von je einem Sprintsieg bei der frisch beendeten Polen-Rundfahrt an. Und sollen nun – weil keiner von beiden enttäuscht werden sollte – als Doppelspitze gemeinsame Sache bei der EM machen. Nur: Sprintertypen, deren Profession es ist, sich im Höchsttempo unerschrocken im Gewirr der Beine zurechtzufinden, sind Alphatiere auf dem Velo. Einen Teamkameraden im Rennfinale nicht nur zu dulden, sondern auch im Auge behalten zu müssen, um sich nicht gegenseitig um die (Medaillen-)Chancen zu bringen, ist in ihrem Metier nicht vorgesehen.

          Phil Bauhaus nach seinem Sieg bei der Polen-Rundfahrt
          Phil Bauhaus nach seinem Sieg bei der Polen-Rundfahrt : Bild: EPA

          Interessenkonflikte, wenn es um den Einsatz der Helfer oder die Priorität bei der Vergabe der Verpflegung geht, sind programmiert. „Wir haben im Rennen 209 Kilometer Zeit zu sprechen“, versucht Ackermann (Team UAE Emirates) zu beschwichtigen. 209 Kilometer, beginnend in Murnau am Staffelsee, weiter durch das Voralpenland und schließlich auf einem fünfmal zu bewältigenden Rundkurs in der Münchner Innenstadt.

          Spätestens dort wird es während der Positionskämpfe wenig Gelegenheit geben zu reden. Zumal die Fahrer bei der EM keine Funkverbindung ins Teamfahrzeug haben werden. So kann es im entscheidenden Moment auch kein Machtwort von außen, sondern nur eine interne Einigung geben.

          Degenkolb als radelnder Mediator

          Der erfahrene Profi John Degenkolb soll, wie auch in seinem Team DSM, im achtköpfigen Aufgebot die Rolle eines Chefs de Mission, also möglicherweise die eines radelnden Mediators, einnehmen. „Wir haben zwei Fahrer am Start, die beide Chancen haben. Das macht uns für die Konkurrenz unberechenbar“, sagt der Sportliche Leiter des BDR, Jens Zemke, der im Hauptberuf für Bora-hansgrohe tätig ist.

          Und: „Alle acht Fahrer werden an einem Strang ziehen.“ Fragt sich nur, an welchem. Dass es eine Sprintankunft geben wird, gilt trotz der über 1200 zu bewältigenden Höhenmeter als ausgemacht. Die flachen Schlussrunden und starke Teams wie die Niederländer mit Tour-Etappensieger Fabio Jakobsen oder wie die Franzosen, die Arnaud Démare dabeihaben, sprechen sehr dafür.

          Ackermann, dessen Saison durch eine im Frühjahr erlittene Steißbeinfraktur gestört worden ist, hat die EM jedenfalls schon vor Monaten als ein großes sommerliches Saisonziel bezeichnet. Zwei EM-Bronzemedaillen hat Ackermann in seiner Karriere schon gewonnen. Die hat er Bauhaus (Bahrain-Victorious) voraus. „Die Chancen für uns als deutsches Team stehen gut“, sagt der Rheinländer. „Um den Sieg mitfahren können wir nur als Mannschaft.“

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