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Aus für Baltimore Ravens : Der NFL-Titelfavorit zerschellt an Titanen

  • -Aktualisiert am

„Wir haben uns einfach selbst geschlagen, ich habe zu viele Fehler gemacht“: Lamar Jackson Bild: AFP

Die Baltimore Ravens galten nach einer bisher herausragenden Saison als Favorit auf den Sieg im Super Bowl. Nun aber scheitert das Team um Star-Quarterback Lamar Jackson schon im Viertelfinale.

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          Eine Saison, die eine Mannschaft in der National Football League (NFL) mit einer Bilanz von vierzehn Siegen beendet, gilt normalerweise als überdurchschnittlich. Es kommt allerdings darauf an, wann das Team diese Siege erzielt. Die Baltimore Ravens zum Beispiel hatten bereits kurz vor dem Ende des Jahres dieses Quantum erreicht und durften deshalb als Belohnung zum Auftakt der Play-offs einen Spieltag aussetzen.

          Eine derartige Erholungspause von der Knochenmühle war den Tennessee Titans nicht gegönnt. Sie hatten sich vor zwei Wochen als letzter Aspirant in der American Conference für die K.-o.-Runde qualifiziert und sahen sich für den Rest der Spielzeit mit der unangenehmsten Ausgangslage von allen konfrontiert. Um weiterzukommen, muss man in jedem Match nominell schwerere Gegner aus dem Weg räumen. Und zwar in deren Stadion vor Zehntausenden lautstarken gegnerischen Fans.

          Nachdem die Titans, obwohl deutliche Außenseiter, vor einer Woche die Herausforderung bei den New England Patriots mit einem überzeugenden 20:13-Sieg gemeistert hatten, gelang ihnen am Samstag in Baltimore beim 28:12 im Viertelfinale ein noch deutlicherer Erfolg. Gleichzeitig unterstrichen sie damit die paradoxe Realität des amerikanischen Mannschaftssports: Das Team aus Nashville, das sich hiermit einen Platz in der Runde der letzten vier sicherte, erzielte damit erst den elften Sieg in der laufenden Saison. Und selbst im Fall des Falles, einem Sieg im Super Bowl, würde man nur auf maximal dreizehn gewonnene Partien kommen. Währenddessen ging der Kampf um die Meisterschaft für die Ravens, die dominierende Mannschaft der vergangenen Monate, aufgrund dieser einen Niederlage vorzeitig zu Ende.

          Mehr noch: Die erste Suche nach einem Schuldigen rückte ausgerechnet einen der jüngsten Spieler auf dem Platz in den Brennpunkt. So als trüge der erst 22-jährige Ravens-Quarterback Lamar Jackson die Hauptschuld an dem Aus, nachdem er unter dem massiven Druck der Titans-Defensive mehrere Ballverluste produziert hatte. Derselbe rasante Sprinter übrigens, der seit zwei Jahren ständig die gegnerischen Verteidigerreihen durcheinanderwirbelt und dem aufs sture Abspulen einstudierter Spielzüge geeichten Verständnis vom Football eine erfrischende Dosis an Improvisationskunst verpasst. Jener Ausnahmeathlet, dessen Trikot mit der Rückennummer 8 landesweit zuletzt so oft verkauft wurde wie kein anderes. Und der so populär ist, dass er bei der Abstimmung der Fans für das All-Star-Team der American Conference in der Pro Bowl Ende des Monats in Orlando mit Abstand alle anderen Quarterbacks weit hinter sich ließ.

          Tatsächlich lief bei den Ravens so einiges nicht rund. Wofür in erster Linie die Anweisungen der Trainer mit Head Coach Jim Harbaugh an der Spitze verantwortlich waren. Der verzichtete in heiklen Fourth-Down-Situationen gleich zweimal darauf, sich mit einem wuchtigen Punt zu befreien. Stattdessen bekam die Offensivformation riskante Spielzüge verordnet, um die massive Mauer der Titans-Verteidiger mit dem Ball in der Hand zu durchbrechen. Das Vorhaben scheiterte jedes Mal und verhalf Tennessee zu kostbaren Chancen, die die Mannschaft postwendend für Punktgewinne nutzte.

          Noch problematischer war die theoretisch sehr gute Ravens-Defensive, die am Samstag keine Mittel fand, um die zentrale Figur im Titans-Angriff zu neutralisieren. Running Back Derrick Henry demonstrierte wiederholt seinen nahezu unwiderstehlichen Zug Richtung Endzone und krönte seine Leistung (insgesamt 195 Yards) bei einem fintenreichen Spielzug, als er die Rolle des Quarterbacks übernahm und seinem Mannschaftsgefährten Corey Davis den Ball mit einem geschickten Lupfer über die Deckungsreihe zuwarf. „Ich bin enttäuscht, dass wir nicht die Art von Football gespielt haben, die man braucht, um ein solches Spiel zu gewinnen“, sagte Harbaugh: „Die wird uns noch eine lange Zeit verfolgen.“

          Auch sein hochtalentierter Quarterback dürfte an dem Resultat noch eine Weile kauen. „Wir haben uns einfach selbst besiegt“, sagte er. „Wir müssen beim nächsten Mal einfach besser sein und uns nach vorne orientieren.“ Am Blick Richtung Zukunft hat sich schließlich nichts geändert. „Ich will einen Super Bowl gewinnen.“

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