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Handball-Bundesliga : Magdeburg will wieder durchstarten

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Magdeburgs Marko Bezjak (Mitte) im Duell mit den Kielern Hendrik Pekeler (links) und Steffen Weinhold (rechts) Bild: Picture-Alliance

Nach dem perfekten Saisonbeginn in der Handball-Budesliga ist von Tabellenführer SC Magdeburg durchaus Großes zu erwarten. Das war zuletzt nicht immer so.

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          Wer mit 14:0 Punkten gestartet ist, dabei den THW Kiel aus der Halle gefegt sowie überzeugend in Melsungen gewonnen hat, kann keine kleinen Brötchen mehr backen. „Es ist ein gutes Gefühl, so viel Aufmerksamkeit und Wertschätzung für unsere Arbeit zu erhalten“, gibt Trainer Bennet Wiegert im Gespräch dann auch unumwunden zu. Es war eine schöne Handballwoche in Sachsen-Anhalt. Der SC Magdeburg grüßt von der Tabellenspitze, hat bundesweit Lob für seinen Tempohandball („ICE der Bundesliga“) bekommen und genoss zudem inmitten des bekannten Terminstresses eine freie Woche vor dem Spiel beim großen Rivalen Füchse Berlin an diesem Samstag (15.10 Uhr/Sky).

          Wiegert hatte in einer weitgehend sorgenfreien Vorbereitung schon das Gefühl gehabt, dass seine Mannschaft besser starten könnte als andere. „Wir hatten eine sehr kleine Kaderfluktuation“, sagt der Coach und denkt allein an den Austausch auf der rechten Rückraumseite. Der umworbene Schwede Albin Lagergren kam von IFK Kristianstad, Nemanja Zelenovic ging zu FA Göppingen. Seit der 36 Jahre alte Wiegert die Magdeburger als Trainer und Sportchef anleitet, sind die Zeiten passé, in denen im Sommer halbe Mannschaften getauscht wurden. Wiegert mag Kontinuität.

          Spielplan der Handball-WM 2019 in Deutschland und Dänemark

          Nun hätte man beim Tabellenvierten der Vorsaison einen Start mit vier Minuspunkten aus den Partien in Melsungen und gegen Kiel schon akzeptiert, wären die anderen fünf Partien gewonnen worden. Doch durch die Siege in Nordhessen (28:23) und gegen den Rekordmeister (35:30) haben sich die Magdeburger viel Selbstvertrauen verschafft, was für diese Spielzeit Großes erwarten lässt. Auch, weil bei der Konkurrenz aus Mannheim und Flensburg diverse neue Spieler einzubauen sind und der rätselhafte THW wieder schwach gestartet ist.

          Gutes Zusammenspiel von Offensive und Defensive

          Die Magdeburger Achse mit den Torhütern Jannick Green Krejberg und Dario Quenstedt, Abwehrchef Zeljko Musa, Spielmacher Michael Damgaard und Rechtsaußen Robert Weber sorgt für ein gut geöltes Zusammenspiel aus Defensive und Offensive. Hinzu kommt in diesem Jahr Linksaußen Matthias Musche als Torjäger. Mehr als angedeutet hat Wiegerts sorgsam gemischte Mannschaft ihr Können schon in der abgelaufenen Spielzeit – doch in den Endrunden um den EHF- und den DHB-Pokal sowie in der Bundesliga gab es zum Ende einige schmerzhafte Niederlagen, so dass der SCM ohne Titel blieb.

          Das ist etwas, was das treue und handballkundige Publikum in der Bördelandhalle schmerzt. Weniger schwindende Kraft denn die Fähigkeit, im entscheidenden Moment die volle Leistung zu bringen, hat Wiegert als Gründe für die gute, aber nicht sehr gute Spielzeit 2017/18 ausgemacht. Das große Thema heißt Konstanz. Wiegert sagt: „Natürlich glaube ich, dass wir konstant sein können. Wir haben die Qualität, so lange wie möglich oben mitzuspielen. Aber es gibt im Handball viele Unwägbarkeiten. So müssen wir sehen, wie wir unsere Spieler von der Weltmeisterschaft in Deutschland und Dänemark zurückbekommen.“ Anfang Januar 2019 startet das große Turnier der beiden Nachbarn.

          Wiegert weiß, dass sich Teams im Handball die Titelfähigkeit manchmal über Jahre erarbeiten müssen. Der richtige Wurf in den letzten Sekunden, eine entscheidende Parade, auch mal ein gewogener Pfiff der Schiedsrichter – das sind die Momente, die im Spitzenhandball Sieger von Verlierern unterscheiden. Gerade Flensburg und die Rhein-Neckar Löwen haben viele Anläufe unternommen, ehe sie Meister wurden. Wiegert bastelt gerade an der Trophäenwürdigkeit seines Teams. „Wir haben an Akzeptanz gewonnen“, sagt er.

          Der bekannte Sportler-Aberglaube pendelt dabei oft zwischen dem gern gehörten Lob der Gemeinde und der Abneigung vor zu viel Lob, die womöglich einlullend wirkt. Ähnlich handhabt es Wiegert: „Es ist gerade eine einfache Arbeit mit dem Team. Es geht weiter, immer weiter, und auch, wenn es langweilig klingt, wollen wir am liebsten Spiel für Spiel bestreiten und nicht zu viel auf die Tabelle gucken.“

          Dass die Handball-Öffentlichkeit sich freut, die traditionsreichen Magdeburger als Champions-League-Sieger 2002 gerade wieder richtig durchstarten zu sehen, ist einem offenen Typen wie Wiegert natürlich nicht verborgen geblieben. Und wie es seit vier, fünf Jahren Art des Hauses ist, wird im Hintergrund eifrig weitergearbeitet. Für Robert Weber, den zuverlässigen Torschützen aus Österreich, wird zur nächsten Saison Nationalspieler Tim Hornke aus Lemgo kommen. Torwart Dario Quenstedt, der zum THW Kiel wechseln wird, bekommt Tobias Thulin als Nachfolger, einen 23 Jahre alten Schweden aus Göteborg. Für Robert Weber, zehn Jahre beim SCM, wäre die Meisterschaft die Krönung seiner Magdeburger Zeit.

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