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Pferdesport : Reiten für Reiche

Große Sprünge: Geld hilft beim Reiten Bild: EPA

Die belgische Kartellbehörde setzt den Reiter-Weltverband und zwei Profi-Serien unter Druck: Die Vergabe von Startplätzen soll revidiert werden. Derzeit seien finanzstarke Reiter im Vorteil.

          Die Millionärsliga des Springreitens hat Probleme mit der Kartellbehörde. Gemeinsam mit dem Reiter-Weltverband FEI wurden die Profi-Serie Global Champions Tour (GCT) und deren Mannschafts-Wettbewerb Global Champions League von der Belgian Competition Authority verpflichtet, ihre Vergabe von Startplätzen zu revidieren. Die bisherige Praxis, die das Geschäftsmodell der Serie ausmacht, wird von der Behörde als wettbewerbswidrig eingestuft. Beschwerde hatten der in Belgien beheimatete niederländische Trainer Henk Nooren und seine Tochter, die Springreiterin Lisa Nooren, eingelegt.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Damit bekommt der Internationale Klub der Springreiter recht, der schon seit geraumer Zeit dagegen kämpft, dass die Starterfelder der hochdotierten GCT-Turniere sich vorwiegend aus Reitern zusammensetzen, die dafür Geld bezahlt haben. Verschärft wird die Lage durch die Tatsache, dass bei diesen Turnieren viele Punkte für die Weltrangliste erworben werden können. Über die Weltranglisten-Plazierung werden nicht nur weitere Startrechte erworben. Reiter können sich darüber auch als Individualstarter für die Olympischen Spiele qualifizieren, sofern ihr Land keine Equipe am Start hat. Das bedeutet, dass in solchen Fällen ein mittelmäßiger Reiter mit viel Geld deutlich höhere Chancen auf einen Olympiastart hat als ein starker Reiter ohne Geld oder reichen Sponsor.

          Bereits im Dezember 2017 hatte das belgische Kartellamt entschieden, dass diese Praxis revidiert werden müsse. Trotzdem hatte die 19 Etappen umfassende Serie nach dem alten System begonnen, und auch für die nächsten Stationen vom 4. bis 6. Mai in Madrid und eine Woche später in Hamburg ist keine Änderung zu erwarten. Die Behörde hat jetzt allerdings für jeden Tag, an dem die Veranstalter untätig bleiben, eine Geldstrafe verhängt. Die FEI soll täglich 182 Euro zahlen, und das so lange, bis sie ihre eigenen Regeln durchsetzt. Die beiden belgischen Gesellschaften des Erfinders der Global Champions Tour, des Pferdehändlers Jan Tops und seiner Partner, sollen täglich 466 Euro Strafe zahlen bis zur Erfüllung der Auflagen.

          Unter Druck: FEI-Chef Ingmar de Vos

          Grundsätzlich sieht der Weltverband FEI für Starterfelder bei internationalen Turnieren einen festen Schlüssel vor: 60 Prozent der Teilnehmer sollen nach Weltranglisten-Platz bestimmt werden. 20 Prozent legt die Gastgebernation fest, und weitere 20 Prozent werden vom Veranstalter – meist gegen Geld – eingeladen. Diese Einnahmen sind ein wichtiger Teil der Turnierfinanzierung. Diese Regelung wird allerdings nicht auf Serien angewandt. Für Nationenpreise kann sie naturgemäß nicht gelten, weil die Mannschaften von den Nationalverbänden aufgestellt werden. Und der Global Champions Tour hat die FEI eine Ausnahme eingeräumt. Hier werden nur 30 Prozent durch die Weltrangliste bestimmt, 10 Prozent durch die Gastgebernation. 60 Prozent kaufen sich durch Team-Lizenzen der angeschlossenen Mannschafts-Serie Global Champions League ins Feld ein, die ähnlich funktionieren soll wie bei der Formel 1.

          Die Höhe der Gebühren wird nicht genannt, aber auf zwei Millionen Euro pro Saison geschätzt. Die FEI und die Organisatoren der GCT einigten sich auf diese Regelung, nachdem sie vorher in Streit gelegen hatten. Tops hatte bei der gleichen Kartellbehörde, die jetzt gegen ihn entschied, eine Beschwerde gegen die FEI eingelegt. Der Weltverband hatte das Reglement der League nicht genehmigt und teilnehmende Reiter mit Sperren bedroht. Im Januar 2017 kam es zu einer plötzlichen Einigung. Im Sommer darauf stellte FEI-Präsident Ingmar De Vos (Belgien) nach langer Suche den Uhrenhersteller Longines, Titelsponsor der Global Champions Tour, auch als Hauptsponsor der FEI-Nationenpreise vor.

          Die FEI mit Sitz in Lausanne hatte sich – anders als die Gesellschaften der Global Champions Tour und League – aus dem aktuellen Verfahren herausgehalten und nicht einmal eine schriftliche Stellungnahme eingereicht. Ein Sprecher erklärte, der Weltverband unterstehe dem Schweizer Recht und erkenne die Jurisdiktion der belgischen Kartellbehörde nicht an. Die Global Champions League und Global Champions Tour hingegen werden von zwei in Belgien angesiedelten GmbHs betreut. Anfragen dieser Zeitung nach einer Stellungnahme beantwortete die Organisation nicht.

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