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Fed Cup-Relegation : Angelique Kerbers Zwang zur Entkrampfung

  • -Aktualisiert am

Angelique Kerber muss zurzeit übertragen die Zähne zusammenbeißen. Bild: AP

Der Status der Nummer eins bereitet Angelique Kerber mehr Druck als Freude. Die Ukrainerinnen, gegen die sie jetzt im Fed-Cup antreten muss, verheißen neuen Stress.

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          Der Eindruck nach außen ist tadellos. Freundlich, locker und positiv verkaufte sich Angelique Kerber am Freitag Mittag im Stuttgarter Rathaus. „Die Stimmung im Team ist hervorragend, wir alle freuen uns, dass es jetzt losgeht, wir hatten eine intensive Trainingswoche“, sagte die Weltranglistenerste in Erwartung des Fed-Cup-Matches gegen die Ukraine, das am Samstag mit der Partie von Julia Görges gegen Elina Switolina eröffnet und dann mit dem Spiel Kerber gegen Lesia Tsurenko fortgesetzt wird.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Intensiv mögen die Übungseinheiten gewesen sein, aber auch ein wenig verkrampft. Zumindest wenn Angelique Kerber am Ball war. Die 29 Jahre alte Kielerin kämpft seit Jahresbeginn mit manchmal mehr und manchmal weniger Erfolg um ihre Form. Und die Trainingseindrücke waren kein Nährstoff für die Überzeugung, dass bei Kerber der Knoten geplatzt wäre. Aber Training ist Training und Spiel ist Spiel. Vielleicht wirkt die spezielle Fed-Cup-Atmosphäre positiv auf sie. Kerber zeichnete schon immer ein besonderer Teamgeist aus. Die Aufgabe, für Deutschland zu spielen, könnte sie über ihre persönlichen Probleme hinweg heben.

          Bild: dpa

          Teamchefin Barbara Rittner sagte zu Beginn der Woche: „Sie liebt es, im Fed Cup anzutreten. Ich hoffe, Angie wird sich freispielen.“ Dabei soll der Stuttgart-Faktor helfen. „Ich hatte hier so viele schöne Erlebnisse in den letzten Jahren. Es ist immer etwas Besonderes, in dieser Halle zu spielen“, sagte Kerber. Die Linkshänderin hatte das WTA-Sandplatzturnier in Stuttgart zuletzt zweimal nacheinander gewonnen.

          Für einen Turniersieg reichte es in diesem Jahr noch nicht, ihre Spielbilanz steht bei 16:8. Zuletzt stand die 29-Jährige im Finale von Monterrey, das sie gegen die Russin Anastasia Pawljutschenkowa verlor. Nicht schlecht, aber auch kein Ruhmesblatt für eine Weltranglistenerste. So scheint es Angelique Kerber selbst zu empfinden. Sie behauptet zwar, der Druck komme von außen („Alle erwarten so viel von mir“). Aber Barbara Rittner glaubt: „Der Umgang mit dem Druck, den sie sich selber macht, ist das Problem. Da ist jetzt diese Bürde, die Nummer eins zu sein – und das auch unbedingt verteidigen zu wollen. Ich hatte das Gefühl, Angie ist nicht mit Freude dabei. Der Druck erschlägt sie richtig. Sie wirkt einfach oft in sich gekehrt. Ist einfach nicht die unbeschwerte und glückliche Angie, die sich freut, Weltranglistenerste zu sein. Sondern eher die, die den ganzen Druck weg haben will.“ Sie, so Rittner, habe mit dem ganzen Team versucht, auf Kerber einzugehen, so dass ihr eine Entkrampfung möglich sei.

          Dafür gäbe es leichtere Gegnerinnen als die Ukrainerinnen. Ihre Widersacherin am Samstag, Lesia Tsurenko, steht auf Rang 43 der Weltrangliste. Eine sehr solide, austrainierte Spielerin, die nie klein bei gibt. Beim Sandplatzturnier in Charleston unterlag sie Laura Siegemund, die in Stuttgart mit Carina Witthöft im Doppel aufgeboten ist, erst im Tie-Break des dritten Satzes. Am Sonntag bekommt Kerber dann eine ganz harte Nuss zu knacken. Elina Switolina kennen in Deutschland zwar nur die Tennis-Experten, doch international hat sie sich einen Namen gemacht. Das erste Mal beim olympischen Turnier in Rio, als sie die damalige Weltranglistenerste Serena Williams bezwang. In diesem Februar gewann sie 15 Begegnungen nacheinander, stieg erstmals in die Top Ten auf und wurde von der Damentennisorganisation WTA zur Spielerin des Monats gewählt.

          Auf dem Weg zu ihrem bisher größten Turniersieg in Dubai schaltete sie im Halbfinale Angelique Kerber aus. Es war ihr dritter Sieg nacheinander über die Kielerin innerhalb eines halben Jahres. „Angelique liegt mir, aber warum ich so gut gegen sie spiele, bleibt mein Geheimnis“, sagte Switolina in Stuttgart. Die 22 Jahre alte Spielerin aus Odessa zeichnet eine große Zielstrebigkeit aus. Sie analysiert ständig ihre Entwicklung und reagiert. Seit einem Jahr hat sie ihr Betreuerteam neu zusammengestellt, dazu zählt nun auch Justine Henin, die ehemalige Weltranglistenerste aus Belgien. Seitdem geht es ständig bergauf mit der Ukrainerin, die zwar nicht über krachende Gewinnerschläge verfügt, aber über eine gute Technik, schnelle Beine und eine große Spielintelligenz und Beharrlichkeit. „Ich will die Nummer 1 werden. Nachdem ich mit Serena Williams und Angelique Kerber die letzten beiden Nummer-1-Spielerinnen geschlagen habe, glaube ich fest daran, dass es mir gelingen kann“, sagt Switolina. Sie besitzt im Moment das Selbstbewusstsein und die Leichtigkeit, die Angelique Kerber in Stuttgart wieder zu finden sucht.

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