https://www.faz.net/-gtl-ag1rd

Deußer gewinnt Großen Preis : Aachen ist Aachen

  • -Aktualisiert am

Höhenflug im Großen Preis: Daniel Deußer und Killer Queen in Aachen. Bild: nordphoto GmbH / Lafrentz

Daniel Deußer gewinnt den Großen Preis von Aachen im Parcours, Isabell Werth in der Dressur. Fazit dieser herbstlichen Turnierwoche in der Soers: Der CHIO lebt.

          3 Min.

          Das Licht war milder als sonst beim CHIO in Aachen und die Stimmung sentimentaler. Was aber wichtig war bei der Herbst-Version des Pferdesport-Klassikers: Zu erkennen, dass noch alles da ist. Die Soers mit ihren prachtvollen Stadien und ihrem vielen Grün. Die Welt der Pferde und Pferdeleute. Die Industrie. Das Fazit der Woche: Der CHIO lebt. Auch wenn ihm diesmal die letzte Brisanz fehlte, die Nominierungs-Hektik der Nationen fürs nächste Championat.

          Evi Simeoni
          Sportredakteurin.

          Nach der durch Corona bedingten Verschiebung vom Frühsommer auf den September war klar: Wenn in der Soers geritten wird, ist das Sport-Jahr für viele schon gelaufen. Aber Aachen ist Aachen – den Satz hörte man so oft wie nie. „Alle wollen auf die Tafel“, sagte Turnierleiter Frank Kemperman mit Blick auf die Siegerlisten, die er vor 20 Jahren vor dem Einritt hat anbringen lassen. Er hat die Idee geklaut, vom Tennisturnier in Paris. Das Turnier 2021 war also auch ein Statement. „Aber beim Thema Finanzen jubeln wir nicht“, sagte Kemperman.

          Der Tafel-Eintrag für 2021: Daniel Deußer mit Killer Queen. Der 40 Jahre alte in Belgien lebende Hesse musste als Erster ins Siebener-Stechen starten, blieb fehlerfrei und legte 41,85 Sekunden vor, eine Runde, die keines der folgenden Paare toppen konnte. Platz zwei belegte das 20 Jahre alte amerikanische Wunderkind Brian Moggre auf Balou vor dem Belgier Gregory Wathelet mit Nevados.

          Es war schon schwer gewesen, überhaupt einen neuen Termin zu finden. Es blieb eigentlich nur die zwischen drei Europameisterschaften eingeklemmte Woche im September, und die Organisatoren dachten, dass dann die Corona-Restriktionen weitgehend überstanden wären, aber so kam es ganz und gar nicht. Nun wackelt die Hallensaison, die Turniere in Stuttgart und München sind bereits abgesagt.

          Die Frage war: Welche Starterfelder würden sich aus der Verschiebung ergeben? „Im Springreiten gab es kein Problem, da wird aufs Geld geschaut“, sagte Kemperman. Olympiasieger Ben Maher zum Beispiel – Vierter im Großen Preis - sattelte sein Gold-Pferd Explosion nicht für die Europameisterschaften in Riesenbeck, sondern lieber zwei Wochen später in Aachen. Auch der Sieger Daniel Deußer verzichtete auf die EM. Na klar: Hier gab es im Springen insgesamt 2,7 Millionen Euro zu gewinnen, davon eine im Großen Preis am Sonntag. Deußers Strategie ging auf, das Preisgeld für den Weltranglisten-Ersten betrug 330 000 Euro.

          Schon-Programm in der Dressur

          Aufgrund der allgemeinen Ermüdung in der Dressur entschieden sich die Veranstalter für ein Schon-Programm, bei dem auch die Spitzen-Paare nur zwei statt der üblichen drei Ritte absolvieren mussten. Das Ergebnis war das gleiche wie sonst auch: Deutschland gewann den Nationenpreis, allerdings in neuer Zusammensetzung. Doppel-Olympiasiegerin Jessica von Bredow-Werndl kam mit ihrem Nachwuchspferd Ferdinand, der zwar schon 12 Jahre alt, aber ein Spätzünder ist.

          Die Gold- und Silber-Gewinnerin von Tokio, Isabell Werth, bot den elfjährigen Hengst Quantaz auf, dessen große Zeit erst noch kommen soll. In der Kür am Sonntag setzte er aber schon mal den schmetternden Schlussakkord der Saison – nachdem er beim ersten Auftritt am Freitag noch etwas wild gewesen war. Isabell Werth gewann mit 88,335 Prozentpunkten zum 14. Mal den Großen Dressurpreis von Aachen, und bereits mit dem sechsten Pferd.

          Wissen war nie wertvoller

          Sichern Sie sich mit F+ 30 Tage lang kostenfreien Zugriff zu allen Artikeln auf FAZ.NET.

          JETZT F+ LESEN

          Zum prominenten Duo kamen zwei, die der deutschen Mannschaft in der Olympiavorbereitung die Stange gehalten hatten. Frederic Wandres aus Hagen am Teutoburger Wald mit Duke of Britain und Carina Scholz aus Sassenberg mit Tarantino hatten das – ebenfalls in Aachen abgehaltene – Trainingslager mit Quarantäne mitgemacht, waren dann aber zuhause geblieben. „Sie haben es verdient“, sage Bundestrainerin Monica Theodorescu. Die beiden schlugen sich unterschiedlich. Während Carina Scholz nach einigen Fehlern im Grand Prix Special nur Vorletzte wurde, machte Wandres es in der Kür mit Platz fünf besser.

          Die größte Selbsterfahrungsgruppe mit vielen Neulingen war in der Vielseitigkeit unterwegs: Auch in der deutschen Mannschaft, die ihre Spitzenpaare für die Europameisterschaften schonen musste. Die Titelkämpfe beginnen am Donnerstag in Avenches in der Schweiz. Ingrid Klimke ist zwar eine der erfahrensten Vielseitigkeitsreiterinnen überhaupt, aber ihr neunjähriges Nachwuchspferd Siena staunte nicht schlecht über die weitläufigen Arenen. Als sie beim Geländeritts in einem Wasserkomplex eine hölzerne Schatzkiste überspringen sollte, erkannte sie die Aufgabe nicht und rannte vorbei. „Sie hat hier viel gelernt“, sagte Ingrid Klimke, erst jüngst genesen von einer schweren Sturzverletzung, die auf Platz 33 landete.

          Bester Deutscher war Andreas Ostholt aus Warendorf mit Corvette als Fünfter, der vom Mannschafts-Ergebnis ein bisschen enttäuscht war: Die deutsche Lerngemeinschaft wurde Fünfte und damit Vorletzte. Dafür genoss er die lange vermissten Zuschauer in der Soers. Es war zwar nur die Hälfte der Kapazitäten erlaubt, alle nach dem 3-G-Prinzip geprüft. „Aber sie waren ziemlich laut und das spürt man auch und das trägt einen“, sagte Ostholt. 121 000 kamen summa summarum, ein Drittel des normalen Publikums, aber immerhin.

          Als erster Amerikaner gewann William Coleman die Aachener Vielseitigkeit mit dem Iren Off The Record, der ein ganz spezielles Pferd sei muss. Manchmal komme er völlig steif aus dem Stall, sagte Coleman. „Dann ist es, als würde man einen Küchentisch reiten.“ Nur schneller sei er: „Ein Küchentisch mit Turbomotor.“

          Weitere Themen

          Schon wieder Krawalle in der Ligue 1

          Raketen und Rauchbomben : Schon wieder Krawalle in der Ligue 1

          Zum wiederholten Mal gibt es bei einem Erstligaspiel Ausschreitungen der Fans. Diesmal zündeln die Anhänger des Tabellenletzten Saint-Etienne. Das Spiel kann erst mit einer Stunde Verspätung angepfiffen werden.

          Burkardt macht die Mainzer froh

          4:1 gegen FC Augsburg : Burkardt macht die Mainzer froh

          Vier Partien hat der FSV zuletzt nicht gewinnen können, gegen den FC Augsburg ist es wieder soweit: Nach 25 Minuten führen die Mainzer bereits mit drei Treffern. U-21-Nationalspieler Burkardt sticht besonders heraus.

          Topmeldungen

          Tankstelle in Marseilles, Südfrankreich: Die französische Regierung will einige Mitbürgerinnen und Mitbürger nun durch ein Energiegeld entlasten.

          Benzinpreise : Hilfe auch für deutsche Autofahrer?

          Paris macht es vor: Die Regierung federt die steigenden Strompreise mit einem Energiegeld ab. Auch in Deutschland steigt der Unmut wie die Spritpreise. Wie reagiert Berlin?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.