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CHIO in Aachen : Springreitern gelingt Titel-Hattrick

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Freude bei der deutschen Equipe der Springreiter: Simone Blum (v.l.n.r.), Marcus Ehning, Laura Klaphake und Maurice Tebbel Gewinner beim CHIO Bild: dpa

Ein Blitz-Comeback, ein Hase und ein Auftritt mit Fehlern prägen den Start der Dressur-Nationalmannschaft beim CHIO in Aachen. Doch auf eine andere deutsche Equipe ist danach Verlass.

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          Die Jungen Wilden haben mit der deutschen Springreiter-Nationalmannschaft den CHIO-Hattrick gefeiert. Mit zwei Debütantinnen gewann die Gastgeber-Equipe den traditionsreichen Nationenpreis in Aachen. Die Mannschaft von Bundestrainer Otto Becker setzte sich nach den Erfolgen in den beiden Vorjahren wieder durch und sicherten sich den Sieg vor Irland und den Niederlanden.

          Begeistert nach ihrer Premiere vor 40.000 Zuschauern war die 24 Jahre alte Laura Klaphake. „Vor so einer Kulisse, das war der Wahnsinn“, sagte die junge Reiterin: „Wie die Leute hier mitfiebern, ist einfach toll.“ Und das Stadion feierte zwei fehlerfreie Runden der Reiterin aus dem niedersächsischen Steinfeld. „Ich kann das noch gar nicht glauben“, gab Klaphake zu. Die Anspannung bei ihrem Debüt war auch Simone Blum anzusehen. „Als ich drin war, ging es aber“, berichtete die 28-Jährige aus Zolling. Mit vier Strafpunkten, einem „blöden Roller“ an einer Planke, kam Blum aus der ersten Runde. In der zweiten blieb sie mit ihrer Stute sogar makellos. „Das war ein Wahnsinns-Gefühl, ich bin total glücklich“, kommentierte sie.

          Seinen zweiten Einsatz im deutschen CHIO-Team erlebte Maurice Tebbel und wirkte gegen Klaphake und Blum fast schon routiniert. Der 24-Jährige aus Emsbüren war „super-happy“ nach der ersten Runde mit Chaccos' Son ohne Abwurf. Doch im zweiten Umlauf kassierte er ganze vier Strafpunkte. Routinier Marcus Ehning kam auf Pret A Tout sogar mit einem Abwurf aus der ersten Runde. „Ein untypischer Fehler für ihn, aber unten ist unten“, sagte der 44-Jährige aus Borken. Im zweiten Umlauf kam es auf Ehning an, der mit einer fehlerfreien Runde den Sieg sichern konnte – und die Nerven behielt. Ehning war bei allen drei CHIO-Siegen dabei.

          Die deutsche Reiterin Isabell Werth auf dem Pferd Emilio.
          Die deutsche Reiterin Isabell Werth auf dem Pferd Emilio. : Bild: dpa

          Am Nachmittag hatte es ein ungewohntes Desaster für Isabell Werth gegeben, doch die beste Dressurreiterin der Welt suchte nicht nach Ausreden. „Das war nix“, kommentierte die 48-Jährige und fluchte mehrmals: „Scheiße!“ Aufgrund der enttäuschenden Vorstellung von Werth liegen die deutschen Dressurreiterinnen beim CHIO in Aachen nach der ersten Teilprüfung des Nationenpreises nur auf Platz zwei.

          Werth lieferte mit ihrem Pferd Emilio als schlechtestes von vier deutschen Paaren das Streichergebnis. Die erfolgreichste Reiterin der Welt kam nur auf 72,516 Prozent. „Keine Ahnung weshalb, warum“, sagte Werth. „Da muss ich erst mal eine Nacht drüber schlafen.“ Die amerikanische Nationalmannschaft führt nach dem Grand Prix vor Deutschland und Dänemark. Die Entscheidung fällt am Samstag im Grand Prix Special.

          Beste Reiterin war Laura Graves aus den Vereinigten Staaten von Amerika mit Verdades (80,606). Zweite der Einzelwertung war Cathrine Dufour aus Dänemark mit Cassidy (78,494). Beste deutsche Reiterin war Helen Langehanenberg, die erst vor vier Wochen zum zweiten Mal Mutter geworden war. Die 36-Jährige aus Billerbeck erhielt nach ihrem Blitz-Comeback für den Ritt mit Damsey 77,034 Prozent und wurde Dritte. „Das war eine Punktlandung“, sagte die Reiterin: „Es ist erstaunlich, wie schnell es geht.“ Langehanenberg war ins Team nachgerückt, weil Sönke Rothenbergers Pferd Cosmo wegen einer Infektion ausfällt.

          Ein Hase rennt während der Dressurprüfung der deutschen Reiterin Schneider über den Parcours.
          Ein Hase rennt während der Dressurprüfung der deutschen Reiterin Schneider über den Parcours. : Bild: dpa

          Für Aufregung sorgte während des Nationenpreises ein Hase. Das kleine Tier hatte sich ins Dressur-Stadion des CHIO verirrt und flitzte beim Ritt von Dorothee Schneider mit Sammy Davis Jr. über das Viereck. Die Reiterin sah es nicht, hörte aber die Reaktionen der Zuschauer. „Das Raunen des Publikums hat mich irritiert“, sagte Schneider. „Ich dachte schon, ich hätte mich verritten oder mein Pferd hätte einen Fuß verloren“, sagte die Mannschafts-Olympiasiegerin. Kleine Fehler waren die Folge der Verwirrung. Schneider (75,916) kam auf Platz sechs. Auf Rang vier ritt Jessica von Bredow-Werndl aus Tuntenhausen mit Dalera (76,848).

          Für Werth war es ein schlechter Nachmittag nach einem erfreulichen Mittwochabend, an dem ihr ein starker Auftritt mit Bella Rose gelang. Mit der Stute will die sechsmalige Olympiasiegerin im September bei der Weltmeisterschaft in den Vereinigten Staaten wieder Gold gewinnen. „Das ist mein Wunschtraum“, sagte Werth. Nach der langen Pause setzt die 48-Jährige aus Rheinberg ihre lange verletzte Stute seit drei Wochen wieder im Sport ein und gewann mit ihr den Grand Prix des CHIO-Rahmenprogramms. „Dass Bella Rose das beste Pferd ist, wenn sie fit ist, ist kein Geheimnis“, sagte Werth.

          „Wir haben uns nach der langen Pause beim Aufbau Zeit gelassen, es fehlt noch ein bisschen Stabilität“, erklärte die Reiterin. „Temperament und Wille sind bei ihr ungebrochen.“ Mit Bella Rose gehörte Werth bereits vor vier Jahren zum deutschen Gold-Team bei der WM in Caen. Die Einzelentscheidungen verpasste sie wegen der Verletzung des Pferdes. Damit begann eine lange Leidenszeit.

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