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Leichtathletik-Training : Hoch hinaus in der Pfalz

  • -Aktualisiert am

Langstreckenläufer unterwegs: Schneller durch Höhenluft Bild: dpa

Höhentraining an der Weinstraße statt in St. Moritz oder Kenia: Die deutschen Leichtathleten gehen neue Wege und versetzen Berge. Ein innovatives Konzept, das erstaunt.

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          Wer es als Langstreckenläufer zu etwas bringen will, der muss leidensfähig sein und Einsamkeit aushalten. Und der muss bereit sein, weite oder neue Wege zu gehen. Dank des „Outside-the-Box-Denkens“ soll dies nun auch bei deutschen Leichtathleten möglich sein. Wenn nicht nur Träume hoch fliegen, sondern aus Begeisterung Innovationen entstehen, die dafür sorgen können, dass sie auch umgesetzt werden. Oder es zumindest versucht wird.

          Die Fahrt in die Zukunft führt über flache Straßen entlang abgeern­teter Getreidefelder. Sonnenblumen strahlen am Wegesrand, Windräder grüßen vom Horizont. Die Ortsgemeinde Herxheim bei Landau in der Pfalz liegt in der Oberrheinischen Tiefebene, exakt 129 Meter über dem Meeresspiegel. Und dennoch sollen sich hier in Zukunft deutsche Leichtathleten zum Höhentraining treffen.

          Möglich macht dies das neue „Höhenhaus“. Ein im besten Sinne funktionales Gebäude am Ortseingang, mit lokalem Sportplatz vor der Tür und den Weiten der Südlichen Weinstraße dahinter. Und vor allem mit der Möglichkeit, in den Räumen Höhenluft zu simulieren und damit Höhenflüge zu initiieren.

          Eldoret, Flagstaff, St. Moritz? Wer als ambitionierter Ausdauersportler von den Anpassungsreaktionen seines Körpers auf dünne Luft profitieren wollte, musste bislang in die Hochtäler Kenias, in die Weiten Arizonas oder ins teure Graubünden reisen und es dort aushalten. Tolle Sache, so ein Laufcamp fern der Heimat – doch nicht bei jedem Läufer gerieten die wochenlangen Exkursionen ohne Anschluss an Familienleben und Freundeskreise leistungsfördernd. Zumal interkontinentale Flugreisen längst nicht mehr den Nimbus des Coolen versprühen wie einst.

          Nun also Herxheim als neues Eldoret. Vier Doppelzimmer, die einzeln auf das gewünschte Luftniveau gepegelt werden können zwischen 1800 und 5000 Höhenmetern. Dazu Fitnessgeräte, Kühlkammer – und Wohnraum. Wer sich 16 bis 18 Stunden am Tag in der dünnen Luft aufhält, dessen Körper reagiert auf den Reiz. Er kann länger schneller laufen. Auch wenn das eigentliche Training in den flachen Hügellandschaften der Weinstraße stattfindet. „Sleep high, train low“ heißt das Motto. Alte Erkenntnis, neu bedacht, wissenschaftlich begleitet, individuell abgestimmt. In Zeiten des globalen Konkurrenzkampfs auf der Laufbahn wird es höchste Zeit, dass die Nation der Freizeitjogger sich mal wieder auf seine Elitesportler besinnt. Bei der Weltmeisterschaft in Eugene werden deutsche Läufer aller Wahrscheinlichkeit nicht an der Spitze zu finden sein. Der Ertrag des Höhenhauses soll in acht bis zehn Jahren sichtbar sein.

          Achim Dreis
          Sportredakteur.

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