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U 21 im EM-Halbfinale : Die goldenen Momente eines Torhüters

  • -Aktualisiert am

Gehalten! Finn Dahmen verhilft den Deutschen ins Halbfinale. Bild: EPA

Die deutsche U-21-Auswahl jubelt bei der EM beim Schlussakkord nach zwei bewegten, aufwühlenden Fußballstunden. Finn Dahmen pariert zwei Elfmeter und verhilft dem DFB-Team ins Halbfinale.

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          In der ersten Halbzeit ging es allein um den besseren Fußball. In dieser Übung auf hohem Niveau überzeugte die deutsche U-21-Nationalmannschaft in ihrem EM-Viertelfinale gegen Dänemark mit ihrem zügigen, druckvollen Spiel. Allein: Es fehlte die Belohnung. Nur eine große Gelegenheit, bei der Berishas Schuss das Ziel knapp verfehlte: Das war zu wenig angesichts einer sehenswerten Dominanz nach der, so Trainer Stefan Kuntz, „besten ersten Halbzeit“ dieses U-21-Jahrgangs.

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          Und so begann am Montagabend in der aus den EM-Gruppenspielen im März vertrauten Arena Sosto in Szekesfehervar von der zweiten Hälfte an ein ganz anderes Spiel. Die nun strapaziert anmutenden Deutschen mussten nicht nur die Dänen, sondern auch ihre eigenen Zweifel und Ängste besiegen, um das Halbfinale zu erreichen, in dem die aus der Gruppenphase vertrauten Niederlande nach deren 2:1-Erfolg über Frankreich am nächsten Donnerstag der Gegner sein werden. Das zwei Jahre lang unbesiegte dänische Team setzte nun selbst offensive Akzente, die nach 68 Minuten zum 1:0 durch den 17 Jahre alten Angreifer Faghir führten, der die deutschen Innenverteidiger Schlotterbeck und Pieper versetzt hatte.

          Aus dem selbstbestimmten Spiel der Deutschen war ein Zitterspiel geworden. Es drohte eine Niederlage, gegen die Kuntz und seine minutenlang nach einer mutigen Lösung suchenden Assistenten di Salvo und Niedzkowski spät ein Gegenmittel fanden: Sie wechselten in der 87. Minute den bemühten Leverkusener Angriffslenker Wirtz gegen den robusten Innenverteidiger Mai aus.

          Prolog zum dramatischen Finale

          Warum? Weil Kuntz auf Erfolge durch Standards hoffte, den kopfballstarken Nico Schlotterbeck nach vorn beorderte und von einer Viererkette auf eine Dreierabwehr umstellte. Der Wechsel zahlte sich aus. Mai verlängerte einen Eckball von Kapitän Maier per Kopf auf Torjäger Nmecha, und der traf im Fallen mit einem Lupfer über Torhüter Christensen hinweg (88.).

          Das 1:1 war nur der Prolog zu einem dramatischen Finale, das weitere Pointen bereithielt. Beflügelt vom späten Ausgleich, setzten nun wieder die Deutschen im ersten Teil der Verlängerung die Akzente. Nach Raums fabelhafter Flanke traf der eingewechselte Mainzer Jonathan Burkardt per Dropkick zum 2:1 (100.). Auch auf diesen Rückschlag fanden die geradlinigen Dänen eine Antwort, weil der Darmstädter Mai seinen Gegenspieler Isaksen an der Torauslinie ungeschickt zu Fall brachte und Nelsson den Strafstoß zum 2:2 nutzte (108.).

          Vorhang auf also zum Schlussakkord nach zwei bewegten, aufwühlenden Fußballstunden: Elfmeterschießen. Es folgten zwei goldene Momente des Torhüters Finn Dahmen, der bei seinem Bundesligaklub Mainz 05 die Nummer zwei hinter Robin Zentner ist und erst drei Bundesligaspiele bestritten hat. Der 23 Jahre alte Schlussmann, im Vorrundenduell mit dem Halbfinalgegner Niederlande (1:1) vor allem durch einen Patzer vor dem Gegentor aufgefallen, parierte zwei Elfmeter, nachdem sein Vereinskamerad Jonathan Burkardt beim ersten deutschen Strafstoß im spätabendlichen Showdown an Christensen gescheitert war.

          Als dann der spät eingewechselte vierte Innenverteidiger, der Fürther Bundesliga-Aufsteiger Paul Jaeckel, den entscheidenden Strafstoß zum 6:5-Sieg oben rechts ins Toreck platziert hatte, war kein Halten bei den Spielern mehr. Trainer Kuntz schlug in seinem emotionalen Ausnahmezustand vor Glück die Hände über dem Kopf zusammen und sank auf die Knie.

          „Heute war ich dran“

          Wieder einmal, wie beim EM-Triumph 2017 und beim Erreichen des zweiten Rangs bei der EM 2019, hatte eine von ihm bestens angeleitete und motivierte U-21-Auswahl eine mustergültige Probe ihrer Aufopferungsbereitschaft und Geschlossenheit geliefert. Dahmen und Burkardt standen diesmal exemplarisch für die gegenseitige Hilfsbereitschaft, hatte doch vor zwei Monaten Burkardt mit dem Pass auf den Torschützen Nmecha zum 1:1 gegen die Niederlande Dahmens 23. Geburtstag vor der Tristesse bewahrt.

          Tagesheld Dahmen erinnerte an seine Worte von damals: „Ich habe gesagt, dass jeder für jeden da ist. Jeder darf Fehler machen, einer bügelt das dann aus. Heute war ich dran.“ Und so waren am Ende dieses ereignisreichen Abends zwischen Traum und Albtraum alle aus der deutschen Delegation in Ungarn glücklich. Sie sind gekommen, um noch ein wenig länger zu bleiben. Stefan Kuntz genoss die Nacht von Szekesfehervar. Fortsetzung folgt am Donnerstag. Der deutsche Trainer hatte es längst geahnt: „Ich hatte schon das Gefühl, dass wir noch nicht nach Hause fahren.“

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