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Chapecoense-Kommentar : Solidarität in der Tragödie

Nicht nur die Fans von Chapecoense trauern um die Todesopfer des Flugzeugabsturzes. Bild: dpa

Immerhin hält der Sport Trost bereit in Momenten wie dem Absturz des Flugzeugs mit dem Fußballteam Chapecoense. Doch nicht jede Tragödie taugt zum Märchen, das den Klub wieder auferstehen lässt.

          2 Min.

          Professionelle Sportler sind nicht immer Weltmeister, aber sehr oft Reise-Weltmeister. Nicht wenige legen Jahr für Jahr Hunderttausende Flugmeilen zurück. Fast ist es ein Wunder, dass ihnen nicht mehr Unglücke zustoßen. Umso mehr schockiert es, wenn es dann doch geschieht. An solchen Tagen wie dem des Absturzes der Maschine mit dem brasilianischen Klub Chapecoense in Kolumbien bekommen Katastrophen ein Gesicht, rücken sie auch denen nahe, die diesen Klub und seine Spieler bis dahin kaum gekannt haben.

          Nun kennt man sie, die Geschichte etwa des Torwarts Danilo, der vor einer Woche noch der gefeierte Held war, als er gegen den argentinischen Klub San Lorenzo ein sportliches Märchen zu krönen schien: den Weg eines Provinzklubs, aus der vierten in die erste Liga aufgestiegen, bis ins Finale der Copa Sudamericana, des zweitwichtigsten kontinentalen Wettbewerbes. Doch Danilos Glanzparade in der fünften Minute der Nachspielzeit war sein eigenes Todesurteil und das von achtzehn Mitspielern. Die Reise zum Endspiel wurde ihr Ende.

          Sport wird an solchen Tagen selbst bei denen, die für ihn oder von ihm leben, zumindest für einen Moment des Innehaltens nebensächlich. Und vielleicht nimmt man sich dann nicht zum ersten Mal vor, all die „katastrophalen“ Rückpässe und „tragischen“ Niederlagen und sonstigen Überladungen des sportlichen Vokabulars mit Scheinwichtigkeit künftig wieder wegzulassen. Immerhin hält der Sport in solchen Momenten einen Trost bereit: Solidarität über die Rivalität hinaus.

          Mehrere Teams in Brasilien, aber auch aus dem Ausland, bieten die Ausleihe von Spielern an. Und geprüft wird eine Sonderregel, wonach Chapecoense für drei Jahre von einem möglichen Abstieg befreit werden könnte. Ähnliche Solidarität übten 1958 auch die Konkurrenten des englischen Meisters Manchester United, dessen Team beim Rückflug vom Europacupspiel in Belgrad bei der Zwischenlandung in München verunglückte; acht Spieler starben.

          Als United 13 Tage später das erste Spiel nach der Katastrophe bestritt, stand mit Stan Crowther ein Verteidiger im Team, der erst 65 Minuten vor Anpfiff ausgeliehen worden war. Für Torwart Harry Gregg, einen der beiden Überlebenden, die gleich wieder spielten, ging es darum, zu zeigen, „dass United wieder aufstehen wird“. Zehn Jahre später gewann Manchester United den Europapokal der Landesmeister. Mit dabei drei Überlebende von München: Bobby Charlton, Bill Foulkes und Trainer Matt Busby.

          Doch nicht jede Tragödie taugt zum Märchen. So tröstlich der Gedanke wäre, dass auch Chapecoense wieder aufstehen wird, er ist nicht realistisch. Die drei überlebenden Spieler sind so schwer verletzt, dass sie wohl nie wieder Fußball spielen können.

          Nach Flugzeugabsturz : Trauer um Fußballteam vereint Brasilien und Kolumbien

          Christian Eichler
          Sportkorrespondent in München.

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