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Leipzig-Trainer Hasenhüttl : „Ich bin kein Verfechter des Guardiola-Fußballs“

„Wir haben mehr erreicht, als wir uns erhofft haben“: Trainer Hasenhüttl ist mit der ersten Leipziger Champions-League-Saison zufrieden – egal wie das Spiel gegen Besiktas ausgeht. Bild: NOGIER/EPA-EFE/REX/Shutterstock

RB Leipzig lernt in der Bundesliga und der Champions League so schnell wie kein anderes Team. Ralph Hasenhüttl über Fußball als Fehlerspiel – und was für ihn als Trainer am wichtigsten ist.

          Herr Hasenhüttl, lassen Sie uns über Fehler, Fehlervermeidung und Fehlererzwingung im Fußball sprechen. Hat Ihre Mannschaft beim 0:4 in Hoffenheim am Samstag alles falsch gemacht?

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Nicht alles, aber in den entscheidenden Momenten leider zu viel.

          Im ersten Spiel der Champions League gegen Monaco hatten Sie und Ihr Team beim Stand von 1:1 nicht alles gewagt, um das Spiel zu gewinnen. Sie wollten am Ende vor allem nicht verlieren. Nun könnten genau diese Punkte für das Achtelfinale fehlen – rächt es sich, Fehler zu vermeiden, statt das Risiko zu suchen?

          Nein, denn das erste Spiel gegen Monaco war für mich nicht so entscheidend wie das Heimspiel gegen Porto. In diesem Spiel hätten wir Fehler und die zwei Gegentore bei unserem 3:2-Sieg vermeiden sollen. Denn diese Fehler machen nun den Unterschied im direkten Vergleich aus. Das bekommen wir jetzt vielleicht zu spüren. Hätten wir damals stärker im Hinterkopf gehabt, dass der direkte Vergleich den Ausschlag geben kann, hätten wir gegen Porto nach der Führung vielleicht konzentrierter in der Defensive agiert.

          Gegen den FC Porto hat Ihre Mannschaft auch vier Gegentore durch Standardsituationen hinnehmen müssen. Wie erklären Sie sich, dass Ihr Team immer wieder den gleichen Fehler gemacht hat?

          Das hat sie nicht. Ich bin kein Freund von diesen allgemeinen Thesen. Ich schaue mir die Tore im Detail an – und bei zwei dieser vier Gegentore gab es ein klares Foul beziehungsweise eine klare Abseitsstellung. Natürlich haben wir auch Fehler bei den Gegentoren gemacht, aber in diesem Fall waren die vier Tore die Summe von verschiedenen Fehlern – nicht nur unsererseits. Ich habe es daher auch abgelehnt, uns nach diesen vier Toren eine Krise bei Standardsituationen einreden zu lassen. Ich habe einen anderen Ansatz. Nicht den Fehler suchen, wenn das Tor durch eine Standardsituation passiert ist, sondern vorher. Denn Standardsituationen sind Torchancen für den Gegner. Und deswegen muss man versuchen, diese Chancen zu vermeiden. Das heißt: keine Eckbälle, keine Fouls im letzten Drittel des Felds, auch keine Einwürfe. Auch dadurch haben wir schon ein Gegentor bekommen.

          Wir vermuten, dass Sie ein paar Statistiken haben, die besagen, dass Ihre Mannschaft das jetzt schon besser macht als in der vergangenen Saison.

          Wir haben das noch nicht komplett ausgewertet, aber natürlich wissen wir nach einem Spiel, wie viele Standards wir zugelassen haben, wie viele Fouls wir verursacht haben. Da sind wir reifer geworden, keine Frage. Wir attackieren jetzt im hinteren Drittel geschickter. Und wenn wir doch bestimmte Gefahrensituationen zulassen, dann ist es nicht mehr so dramatisch für uns.

          Unnötige Fouls in der eigenen Hälfte vermeiden – das klingt jetzt nicht so furchtbar kompliziert.

          Das ist für uns schon eine Herausforderung, weil diese Spielweise eigentlich gegen unser Naturell ist. Es gehört zur DNA unseres Spiels, dass wir Bälle erobern. Im hinteren Drittel Bälle zu erobern ist mit dem hohen Risiko verbunden, dass man auch foul spielt. Wenn das in der gegnerischen Hälfte passiert, ist das nicht schlimm. Passiert das aber im letzten Drittel, hat das Team eine gefährliche Standardsituation gegen sich. Deswegen versuchen wir, den Gegner in diesem Drittel einfach nur nach hinten wegzudrängen. Der Fokus bei uns liegt dort nicht mehr auf dem absoluten und sofortigen Ballgewinn.

          Für RB Leipzig wird der Fußball also immer mehr zu einem Fehlererzwingungs- und Fehlervermeidungsspiel?

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