Kompanys Kollaps : Schützt die Trainer!

Im Profifußball wird Spielern täglich der Puls gemessen, ihre Fitness genau gecheckt. Auch die Belastung der Coaches müsste gesteuert werden.
Irgendwann wurde dieses spezielle Wort in die Fußballsprache eingeführt, das mitunter nach Ausrede klingt. Sobald namhafte Spieler auf der Ersatzbank landen, wird die sogenannte „Belastungssteuerung“ als Grund genannt. In der Gegenwart, die bis zu 80 Spiele pro Jahr für die Topspieler vorsieht, ist das plausibel. Medizinische Abteilungen werten Daten aus, berechnen Verletzungswahrscheinlichkeiten, optimieren Schlaf- und Ernährungspläne.
Umso erstaunlicher ist, dass ein zum gleichen Themenkomplex gehörender Aspekt bislang kaum jemanden beschäftigt: „Wer passt schon auf den Trainer auf, wenn der Trainer nicht allein oder die Familie auf sich aufpasst?“, fragt der Dortmunder Chefcoach Niko Kovač unter dem Eindruck des Zusammenbruchs von Vincent Kompany. Der Münchner Chefcoach war am Freitag auf dem Trainingsgelände kollabiert, er liegt im Krankenhaus und wird wohl noch Wochen fehlen.
In Freiburg behaupten Insider, der Rücktritt von Christian Streich sein ein Akt des Selbstschutzes gewesen. Jürgen Klopp verkündete am Ende seiner Zeit beim FC Liverpool, er funktioniere „wie ein Rennwagen“ und könne schon noch schnell fahren: „Aber ich bin der Einzige, der sieht, dass die Tankanzeige sinkt.“
Im Zweifel spendet der Erfolg schon neue Energie
Die Trainer sind jeden Tag mit Medizinern zusammen. Sie kommunizieren ständig mit Vereinsführungen, mit Menschen reich an Lebenserfahrung, die sehen könnten, wie schwer belastet die Person ist, die in vielen Klubs als „wichtigster Angestellter“ betrachtet wird.
Was jedoch im Fußball fehlt, ist eine Kultur des Umgangs mit Führungskräften, die von ihren Reisen, den Erwartungen, von ihren 13-Stunden-Tagen, von ihrer Verantwortung und der öffentlichen Dauerpräsenz erdrückt werden. Im Zweifel wird der Erfolg schon neue Energie spenden. Und wenn es abwärts geht, wird der Coach halt ausgetauscht.
Es ist geradezu verrückt, dass diese Leerstelle im Profibetrieb entstanden ist, während überall sonst mit riesigem Aufwand und sehr viel Geld die letzten Leistungsprozente herausgekitzelt werden. Was spricht dagegen, dass ein Chefcoach schon vor einem Notfall mal eine Woche Extraurlaub mitten in einer intensiven Spielphase macht? Die Trainerteams sind mittlerweile groß und fähig genug, um zwei Spiele zum Beispiel in Augsburg und in Stavanger ohne Chef zu managen.
Das ist nicht neu, und grundlegend ändern wird sich dieser Zustand eher nicht. Hilfreich wäre aber, wenn die Ereignisse um Vincent Kompany zu der Erkenntnis führten, dass der Posten eines Champions-League-Trainers einerseits ein Traumjob ist, zugleich aber kaum jemandem dauerhaft zugemutet werden kann. Es kann nicht so schwer sein, Instrumente zu entwickeln, mit denen sich auch die Belastung der Trainer steuern lässt.





