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Darmstadts Serdar Dursun : Die Tränen des Torjägers

  • -Aktualisiert am

„Ich will gar nicht wissen, was hier abgegangen wäre, wenn Fans im Stadion gewesen wären“: Serdar Dursun Bild: dpa

Serdar Dursun gelingt im „Lilien“-Trikot eine eindrucksvolle Abschiedsgala. Danach wird es emotional. Nun sollen sich namhafte Klubs um den Torjäger bemühen, der gegen Heidenheim vier Mal traf.

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          Es war fast zu kitschig, um wahr zu sein. Am Ende seines großen Tages wandelte Serdar Dursun allein über den Rasen, mit dem Ball, den er in den vorangegangenen 90 Minuten gleich vier Mal ins Tor befördert hatte, unter dem Trikot. Auf seine Abschiedsgala als Spieler folgte ein stilles Farewell für ihn persönlich.

          2. Bundesliga

          Dursun saß auf dem Boden am Strafraum, der drei Jahre lang sein profitables Jagdrevier gewesen ist. Den Blick in Richtung menschenleerer Südtribüne, wo sonst ein harter Kern der „Lilien“-Fans steht, ließ er seinen Tränen freien Lauf. „Ich will gar nicht wissen, was hier abgegangen wäre, wenn Fans im Stadion gewesen wären“, sagte der 29-Jährige später.

          Die Fans des SV Darmstadt 98 hätten ihn gefeiert, kein Zweifel. Ein Liebling des Anhangs war Dursun zwar nie, etwas zu aufreizend mitunter seine Spielweise, zu wenig ausgeprägt sein Bekenntnis zur „Lilie“ auf seiner Brust. Nur kann sich aber kein Fan je beschweren, dass der seit mehr als anderthalb Jahren von Abwanderungsgerüchten umrankte Torjäger mal keine integre Arbeitsauffassung an den (Spiel-)Tag gelegt hätte. Sportlich haben die drei Dursun-Jahre den Darmstädter Zweitligaklub enorm gestützt und vorangebracht.

          Emotional beim Abgang

          Und sein Adieu geriet am Sonntag nachgerade donnernd. Dem Deutschtürken gelangen an diesem denkwürdigen Nachmittag seine Saisontreffer 22 bis 25. Mehr als zwei Dutzend Tore für eine Mittelklassemannschaft, die in der Hinrunde nicht in Fahrt kam und dann sogar wochenlang in den Abstiegskampf verwickelt war – das ist aller Ehren wert. Der Torbestwert der Liga dürfte Dursun am letzten Spieltag nicht mehr zu nehmen sein.

          Emotional ging es auch zu, als Dursun auf dem Weg von seinen stillen Minuten zur Kabine über die Baustelle Böllenfalltor die Stadiontore passierte, wo sich hinter den Gittern einige Fans versammelt hatten, die ihren Torschützen vom Dienst mit Sprechchören bedachten. „Ich habe ein wenig gebraucht, bis ich realisiert habe, dass ich heute vier Tore geschossen habe und es mein letztes Heimspiel für die Lilien gewesen ist. Da sind mir die Tränen gekommen, es ist wirklich unbeschreiblich. Darmstadt ist wirklich zu meiner zweiten Heimat geworden“, sagte Dursun.

          Bei allen seinen vier letzten Treffern im „Bölle“ gegen schwache Heidenheimer wurde Dursun von den Kollegen punktgenau in Szene gesetzt. Zwar ist immer die Rede davon, welche Verdienste der Angreifer sich um die „Lilien“ erworben hat. Doch wahr ist auch, dass Darmstadt seiner Karriere den Extrakick gegeben hat, der ihn nun in die Position gebracht hat, ablösefrei zu wechseln und ein gut dotiertes Angebot bei einer hochwertigen Fußballadresse anzunehmen.

          Gerüchteweise sollen sich Schalke 04 und der Hamburger SV oder sogar Besiktas Istanbul oder Union Berlin um ihn bemühen. Dursun vergaß bei seinen Abschiedsworten nicht, dass er einst im August 2018 in Südhessen loslegte nach einer zuvor freudlosen und torarmen Saison in Fürth. Er bedankte sich ausdrücklich bei allen seinen drei „Lilien“-Trainern: bei Dirk Schuster, der ihn geholt, mit einem Dreijahresvertrag ausgestattet und vier Tage nach seiner Verpflichtung in die Startelf gestellt hatte – aus der er fortan kaum mehr wegzudenken war. Dazu bei Dimitrios Grammozis und Markus Anfang, unter denen er sich weiterentwickelt habe und seine Torquote weiter steigern konnte.

          Tietz kommt aus dritter Liga

          Stunden nachdem klar war, dass der Torgarant den Klub verlässt, gaben die „Lilien“ die Verpflichtung eines neuen Mittelstürmers für die neue Zweitligarunde bekannt. Vom benachbarten Drittligaklub Wehen Wiesbaden kommt der 23 Jahre alte Phillip Tietz (Vertrag bis Ende 2024). Die Vergleiche mit Dursun dürften es allen (neu zu verpflichtenden) Angreifern schwermachen. Zumal auch Felix Platte, dessen Vertrag ebenfalls ausläuft, den Klub voraussichtlich verlässt.

          Ebenfalls kein gültiges Arbeitspapier über den 30. Juni hinaus haben die Profis Höhn, Herrmann, Campo, Clemens, Klaus, Stritzel, Zehnder sowie die ausgeliehenen Mai und Rapp. „Bei dem einen oder anderen Spieler“, sagte Sportdirektor Carsten Wehlmann, „haben wir unser Interesse bekundet, dass wir auch in der kommenden Saison auf ihn bauen wollen, weshalb wir hoffen, dass es bei den Personen nur ein vorläufiger Abschied ist.“

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