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5:0 gegen Augsburg : Eintracht im Zweite-Halbzeit-Rausch

Souveräner Sieg: Andre Silva, Filip Kostic und Dominik Kohr jubeln. Bild: EPA

In Halbzeit eins ist nur Timothy Chandler treffsicher, danach dominiert die Eintracht eindeutig. Augsburg hat keine Chance gegen entschlossene Hessen.

  • -Aktualisiert am
          3 Min.

          Neues Jahr, neues Glück! Die Frankfurter Eintracht hat 2020 einen Start hingelegt, der die Krise zum Ende 2019 wie ein böses Märchen aus ferner Vergangenheit erscheinen lässt. Dabei munkelten nicht wenige in der Winterpause von Abstiegsgefahr. Nach dem überzeugenden 5:0 am Freitagabend über den FC Augsburg richten sich die Blicke wieder nach oben in der Tabelle der Fußball-Bundesliga. Zehn Punkte aus vier Spielen und der Einzug ins Viertelfinale des DFB-Pokals nähren die Hoffnung auf eine großartige Rückrunde. Bis zum 1:0 durch Chandler (37.) erwies sich Augsburg als der erwartet unangenehme Gegner. Das erste Traumtor des Deutsch-Amerikaners (Schuss in den Winkel) gab die Richtung vor, sein zweites (Kopfball in den Torwinkel) ebnete den Weg zum Sieg – und das 3:0 durch Silva (55.) entschied dann die Begegnung, ehe Kostic mit seinen Treffern in der 89. und 90. Minute für die Zugaben sorgte. Bis zur Führung zeigte die Eintracht eine disziplinierte und engagierte Leistung, nach dem 1:0 kamen dann auch spielerische Elemente dazu.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          „Das war ein sehr guter Auftritt gegen einen Gegner, gegen den wir nicht gern spielen. Das ist ein klares Statement, das tut uns unglaublich gut“, sagte Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic.

          Bundesliga

          Trainer Hütter hatte zunächst mit seiner Ankündigung recht, dass kein schönes Spiel zu erwarten sei zwischen seiner Eintracht und dem FC Augsburg. Dazu pflegen beide Teams in dieser Phase der Meisterschaft einen zu verbissenen und taktisch disziplinierten Spielstil. Die Denke geht eher in Richtung Spielverderben als Spielinszenierung. So sahen die knapp 50.000 Zuschauer über eine halbe Stunde lang eine sehr intensive Partie mit zahllosen Zweikämpfen, aber nur einer einzigen Torchance. In der neunten Minute tauchte der Augsburger Vargas frei vor Eintracht-Torwart Trapp auf, schaffte es aber nicht, den Ball an ihm vorbeizubringen.

          Erste Chance in Minute 32

          Ansonsten neutralisierten sich die Frankfurter und die Augsburger in ihren wirklich ernsthaften und seriösen Bemühungen, was dann doch zu einer gewissen Langeweile auf den Rängen führte, weil sich die Zuschauer an den nicht zielführenden Auseinandersetzungen Mann gegen Mann sattgesehen hatten.

          Es dauerte bis zur 32. Minute, dass die Eintracht zu ihrer ersten Tormöglichkeit kam. Ndicka hatte sich voller Elan auf der linken Seite durchgesetzt und seine weite Flanke erreichte Chandler. Wie bei seinem Siegtreffer in Hoffenheim stieg der Deutsch-Amerikaner hoch und köpfte den Ball auf das gegnerische Tor. Doch diesmal wehrte der Torwart - Koubek - mit großer Mühe ab.

          Diese Szene war wie ein Startschuss. Plötzlich entwickelten die Frankfurter mehr Zug und Zielstrebigkeit zum Augsburger Tor. Sie wurden rasch belohnt. Kohr spielte einen genauen Pass in den Strafraum auf Chandler, und der Mittelfeldspieler bewies wieder seine Abschlussstärke - diesmal mit dem Fuß. Er schoss den Ball, ohne ihn angehalten zu haben, wuchtig in den Torwinkel, obwohl er von einem Gegenspieler bedrängt wurde.

          Zweite Halbzeit im Rausch

          Das 1:0 löste fast alle taktischen Fesseln. In den acht Minuten bis zum Pausenpfiff spielte sich mehr in beiden Strafräumen ab, als in den 37 Minuten zuvor. Zunächst bewies Niederlechner seine Klasse, als er Ilsanker und Hasebe im Fünfmeterraum narrte, doch dann hätte der Augsburger Torjäger besser quer gespielt, als einen Schuss aus spitzem Winkel zu wagen, der das Tor verpasste. In der 45. Minute eröffnete sich Finnbogason die große Ausgleichschance für den FCA, doch er scheiterte aus kurzer Distanz am Fuß des prächtig reagierenden Trapp.

          Das Spiel sollte sich nicht wieder beruhigen. Mit dem Wiederanpfiff war es zur Freude des Publikums die Eintracht, die Torgefahr entwickelte - als erstes wiederum durch Chandler. Der 29-Jährige, der in seiner zehnjährigen Profikarriere bisher nie durch außergewöhnliche Treffsicherheit aufgefallen war, erhöhte in der 48. Minute auf 2:0. In der Manier eines Torjägers köpfte er nach einer Ecke von Kostic den Ball aus spitzem Winkel ins Tordreieck. Wohl selten hat sich ein Bundesligaprofi innerhalb von zehn Spielminuten mit zwei Zaubertoren für die Wahl zum Tor des Monats empfohlen. Für Chandler war das 2:0 im vierten Rückrundenspiel der vierte Treffer.

          „Das ist wirklich ein unglaubliches Gefühl. Ich hoffe, dass noch ein paar mehr Tore dazukommen“, sagte Chandler bei „DAZN“ nach dem Spiel. „Mein erster Doppelpack in der Bundesliga. Wahnsinn!“

          Den Augsburgern blieb nun nichts mehr anderes übrig, als ins Risiko zu gehen, um irgendwie noch einen Punkt aus Frankfurt mitzunehmen. Dabei stellte sich schnell heraus, dass sie sich im Risikomanagement weniger gut auskennen als im Sicherheitsmanagement. Die Räume zum Kontern, die sie der Eintracht anboten, waren riesig. Die Frankfurter nutzten eine ihrer ersten Gelegenheiten zum 3:0. Kostic flankte, Silva köpfte  und die zunächst so hart umkämpfte und ausgeglichene Auseinandersetzung war in der 55. Minute entschieden.

          Die Augsburger mühten sich bis zum Schlusspfiff redlich um ein Tor, aber die Eintracht kam bei ihren zahlreichen Kontern dem 4:0 näher als der FCA dem 1:3. Es war schließlich Kostic, der in der 89. Minute traf und nur eine Minute später auch den 5:0-Endstand herstellte.

          „Wenn man 0:5 verliert, egal gegen wen, ist es immer schwer“, sagte Augsburgs Torjäger Alfred Finnbogason. „Uns erwartet eine lange Reise zurück nach Augsburg, da können wir uns Gedanken machen.“

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