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Elfmeter kurz vor Schluss : Schalker Jubelschreie in der Nachspielzeit

  • -Aktualisiert am

Freuten sich bereits über das 1:0, als sei es das Siegtor: die Schalker um Torschütze Rodrigo Zalazar (unten) Bild: dpa

Lange sieht es nach einem königsblauen Freudenfest aus, doch zwei Mönchengladbach-Treffer in wenigen Minuten stellen den Spielverlauf auf den Kopf. Dann aber bekommt Schalke 04 noch einen Strafstoß.

          3 Min.

          Mit einem wilden Ausbruch der Gefühle endete das Abendspiel in der Fußball-Bundesliga zwischen Schalke 04 und Borussia Mönchengladbach. Fast die gesamte Auswechselbank des Gelsenkirchener Traditionsvereins und sogar Torhüter Alexander Schwolow rannten in der Nachspielzeit zur Eckfahne, wo sich Marius Bülter für sein Elfmetertor zum 2:2 feiern ließ, das Schalke 04 den ersten Punkt in der neuen Saison bescherte. Einen Punkt, der viel mehr Wert ist als sich an der Tabelle ablesen lässt. „Eminent wichtig“, sei dieses Elfmetertor gewesen, sagte Simon Terodde, wichtig für das Selbstvertrauen, wichtig für die Stimmung und wichtig für den Glauben an die Arbeit der Schiedsrichter.

          Bundesliga

          Zwei Niederlagen zu Saisonbeginn und ein Platz ganz unten in der Tabelle hätten direkt wieder die Grundlage für neue Krisengefühle geschaffen, nun haben die Schalker zwar nicht gewonnen, aber sie können sich wie Sieger gegen die Ungerechtigkeit fühlen. Nachdem sie sich in der vergangenen Woche mit guten Gründen über Eingriffe der Videoassistenten geärgert haben, führte nun ein Hinweis aus dem Kölner Keller zum Elfmeter in der Nachspielzeit und zum Schalker Punktgewinn. Patrick Herrmann war der Ball an die weit vom Körper gestreckte Hand geflogen. „Kann man geben, leider“, sagte der Gladbacher Christoph Kramer, der sich sehr über diesen späten Ausgleich ärgerte: „Das war ganz blöd am Ende“.

          Das Schalker Publikum hingegen bejubelte eine insgesamt ziemlich gelungene Rückkehr in eine Normalität, die ihnen nun mehr als zwei Jahre lang gefehlt hatte. Diese Begegnung war das erste Bundesligaheimspiel in einem ausverkauften Stadion seit dem Ausbruch der Pandemie. Inzwischen war der Klub tief gefallen, wieder aufgestiegen und hat sich auf allen Ebenen – Mannschaft, Trainer, sportliche Leitung, Klubführung – grundlegend neu erfunden. Der Zauber dieses Neubeginns erfüllte die Arena schon beim Anpfiff, den das Schalker Publikum mit einer beeindruckenden Choreographie würdigte. Wie eine aufgehende Sonne stieg das Vereinsemblem aus der Nordkurve empor, begleitet von einer königsblauen Botschaft: „Hundert Mal schon totgesagt, dann stehst du wieder auf.“ Und am Ende hatte diese Botschaft sogar zum Spiel dieses Abends gepasst.

          Exzellente erste Schalker Hälfte

          Wie weit die Schalker in ihrem Erneuerungsprozess auch fußballerisch schon gekommen sind, ließ sich dann in der exzellenten ersten Halbzeit beobachten. Der Aufsteiger überließ Borussia Mönchengladbach oft den Ball, stand aber gut sortiert und hatte überraschenderweise etliche vielversprechende Momente. „Wir haben es in der ersten Halbzeit richtig gut gemacht, immer wieder Nadelstiche gesetzt, viele Abschlüsse gehabt“, sagte Trainer Frank Kramer und freute sich über „die enorme Energie und Kraft, die entsteht“, wenn eine Schalker Mannschaft in dieser Arena die Menschen mit dieser Sorte engagiertem Fußball begeistert.

          In diesen Aussagen steckt nicht zuletzt ein Lob für Sportdirektor Rouven Schröder, der den Kader kräftig umgebaut und nach allem Anschein auch besser gemacht hat. In der zurückliegenden Zweitligasaison war der Schalker Spielaufbau oftmals holprig und weniger gut strukturiert, das Team lebte von Emotionen und Momenten guter Einzelspieler wie Simon Terodde, Rodrigo Zalazar oder Thomas Ouwejan. Nun ordnete Alex Kral, der von Spartak Moskau ausgeliehen ist, das Spiel der Schalker. Immer wieder gelangen schöne Spielzüge aus der eigenen Hälfte bis vor das gegnerische Tor und Zalazar gelang ein toller Führungstreffer aus fast 30 Metern (30.).

          Ganz unhaltbar für Torhüter Yann Sommer wirkte der Schuss nicht, und Schalke hatte Glück, dass Marcus Thuram die beste Gladbacher Möglichkeit der ersten Hälfte nicht nutzte (22.). Aber die Mannschaft von Trainer Frank Kramer, den viele Schalker weiterhin mit großen Vorbehalten beobachten, wirkte eine Halbzeit lang reifer, klarer im eigenen Plan und auch gefährlicher. Bis in der zweiten Halbzeit dann doch die hohe Qualität der Borussia sichtbar wurde.

          Nach 72 Minuten spielte der zuvor etwas glücklose Marcus Thuram einen Pass mit der Hacke auf Jonas Hofmann, der den Ball durch die Beine von Alex Kral und anschließend ins Tor schob (72.). Und sechs Minuten später stand Kral im Weg, als Schalkes Torhüter Schwolow einen Ball fangen wollte, woraufhin Thuram aus acht Metern zum 1:2 traf. „Ich war total zufrieden mit meiner Mannschaft, wir haben das Spiel gedreht, in einer aufgeladenen Atmosphäre, gegen Schalker, die es wirklich gut und aggressiv gemacht haben“, sagte Daniel Farke, der Trainer der Borussia.

          Bis in die Nachspielzeit konnten die Gladbacher dann mit dem Sprung auf den ersten Platz der Tabelle liebäugeln, aber besser zu diesem Fußballabend passte, dass Bülter doch noch traf und die Menschen auf Schalke für einige Momente sehr glücklich machte.

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