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Arbeitsprotokoll Hrgota : Der Nicht-Ibrahimovic

Eiskalt vor dem Tor: Branimir Hrgota staubt zum 2:1 ab Bild: dpa

Branimir Hrgota schießt sich mit drei Toren beim Startelfdebüt in den Mittelpunkt. Beim 4:2-Sieg der Gladbacher Borussia in Mainz erinnert er an seinen Landsmann Ibrahimovic. Aber sein Vorbild ist ein anderer.

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          Drei Tore beim ersten Startelfeinsatz in der Bundesliga sind eigentlich schon Sensation genug. Das ist vor Branimir Hrgota wohl noch keinem Profi gelungen. Doch mit einer kurzen Antwort nach dem Schlusspfiff verblüffte der 20 Jahre alte Nachwuchsstürmer der Mönchengladbacher Borussia nach dem 4:2-Auswärtssieg seines Teams bei Mainz 05 fast noch mehr als mit seiner Leistung zuvor auf dem Rasen.

          „Ronaldo, der alte Ronaldo“, sagte Hrgota auf die Frage nach seinem Vorbild. Das überraschte die Zuhörer, weil Hrgota schließlich Schwede ist und in seiner Jugend als talentierter Torjäger doch zur Genüge mit den Großtaten des schwedischen Nationalhelden Zlatan Ibrahimovic konfrontiert worden sein dürfte. Wie Ibrahimovic hat Hrgota zudem kroatisch-bosnische Wurzeln. Und wie der berühmte Landsmann bevorzugt er als Position auf dem Spielfeld jene als einzige Spitze in vorderster Front, wo die Zahl der Tore über Wohl und Wehe eines Fußballspielers entscheidet.

          Aber der U21-Nationalspieler scheint gewillt zu sein, seinen eigenen Weg zu gehen. Der führte ihn vor dieser Spielzeit von Jönköpings Södra IF aus der zweiten schwedischen Liga zur Borussia. Der seit vielen Jahren als Spielerberater tätige ehemalige Gladbacher Bundesligatrainer Gerd vom Bruch soll den in Schweden als Talent der Zukunft gefeierten Einwanderersohn empfohlen haben. 400000 Euro soll die Borussia für den in Bosnien geborenen und wegen des Balkankrieges kurz nach der Geburt mit seinen Eltern nach Schweden ausgewanderten Spieler überwiesen haben.

          Empfehlung vom ehemaligen Trainer

          Das Geld dürfte gut angelegt sein. Denn Hrgota, der zuvor in dieser Spielzeit bei elf Kurzeinsätzen in der Bundesliga maximal für eine halbe Stunde zum Einsatz kam und lediglich in der Europa League schon einmal beim Anpfiff auf dem Platz stand, bewies in Mainz nicht nur Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor. Als Schiedsrichter Felix Brych in der 38. Minute auf Strafstoß entschied, zeigte der jüngste Gladbacher Feldspieler auch erstaunliches Selbstbewusstsein: Er fragte seinen eigentlich als Elfmeterschützen vorgesehenen Kapitän Martin Stranzl, ob er nicht schießen dürfe.

          „Er hat gesagt, er macht ihn rein. Da habe ich gesagt: gut, mach ihn“, sagte Stranzl und überließ dem forschen Jungspund den Ball, den Hrgota anschließend mit seinem starken linken Fuß aufreizend lässig ins Netz lupfte. Bei seinem dritten Treffer (80.) nutzte er die selbe filigrane und feinfühlige Schusstechnik aus dem Spiel heraus, als er den Mainzer Schlussmann Heinz Müller mit einem Heber abermals düpierte und den lediglich zweimal beim Führungstor durch Shawn Parker (12. Minute) und in der Nachspielzeit durch einen Elfmeter von Andreas Ivanschitz erfolgreichen Rheinhessen somit endgültig den Saisonabschluss vor ausverkaufter Heimspielstätte verdarb.

          Mit seinen Torjägertaten erfüllte Hrgota nach zehn Monaten Anlaufzeit, was er schon bei seiner Vorstellung in Mönchengladbach im vergangenen Juni angekündigt hatte. Damals schlug er für einen 19 Jahre alten Neuzugang erstaunlich selbstbewusste Töne an: „Ich bin schon ziemlich cool vor dem Tor, ich habe auch schon einige Tore gemacht“, ließ der als Torschützenkönig der zweiten schwedischen Liga verpflichtete Hrgota die Öffentlichkeit in ebenso gutem, wie auch coolen Englisch wissen.

          Chancen und Gefahren

          Bei so viel zur Schau gestelltem Selbstvertrauen dürfte es Trainer Lucien Favre beruhigen, dass Hrgota am Samstag wenigstens öffentlich weniger seine beiden Geniestreiche, als sein Abstaubertor zum 2:1 (59.) in den Mittelpunkt rückte. „Das Tor macht mich stolz, weil es uns die Führung im Spiel und somit vielleicht den Sieg gebracht hat“, sagte er. Favre erweckte nach dem Spiel dennoch den Eindruck, dass er sowohl um Talent wie auch Gefahren seines Nachwuchsstürmers weiß. „Er muss noch sehr viel lernen, aber das war heute schon gut“, sagte der Schweizer, der sich zwischenzeitlich auch noch über ein Tor von Abwanderer Mike Hanke (65.) freuen durfte.

          Favre sagte, dass Hrgota ihm von Dienstantritt im vergangenen Sommer weg als Spieler mit dem Gefühl für sehr kluge Laufwege gefallen habe. Er sei jedoch nach guten Leistungen in der Vorbereitung und zu Saisonbeginn in ein „Loch“ gefallen. Erst in den vergangenen drei Wochen habe sich der schnelle Angreifer nach überzeugenden Einsätzen in der Regionalligamannschaft mit guten Trainingsleistungen bei den Profis wieder empfehlen können.

          Dennoch war Hrgota überrascht von der unerwarteten Chance auf einen Einsatz in der Startelf. Und kurz vor Schluss zeigte sich auch, dass ihm offenkundig noch ein paar Prozent an Wettkampfhärte abgehen. Einige Minuten plagte er sich noch mit Wadenkrämpfen über den Platz, ehe er in der 86. Minute von seinem Trainer erlöst wurde.

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