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Sebastian Vettel : Hämmern, feilen, sägen, schieben

  • -Aktualisiert am

Ein Dienstwagen, der nicht fährt, ist nichts wert: Sebastian Vettel schiebt in Bahrein Bild: AFP

Am Sonntag sammelt Sebastian Vettel trotz eines Drehers wichtige Runden. Der Red Bull kommt dennoch nicht richtig in Schwung. Und langsam läuft die Zeit davon. Vettels Ziel beim Saisonstart ist bescheiden.

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          Aus Red Bull wird man nicht schlau. Die eine Fraktion im Formel-1-Team verbreitet Zweckoptimismus, die andere fügt sich fatalistisch in ein Schicksal, das unabwendbar scheint. Es gibt Tage, da steht der Red Bull bei den Testfahrten in Bahrein überwiegend in der Garage, und man hört hinter verschlossenen Türen, wie mit schwerem Gerät gehämmert, gefeilt und gesägt wird.

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          Meistens rückt das Auto am Morgen mit einer oder zwei Stunden Verspätung aus. Und die Mechaniker begrüßen mit müden Augen die nächste Schicht. Dann blitzen wieder Hoffnungsschimmer durch, so wie am zehnten Testtag, als Daniel Ricciardo erstmals eine respektable Zeit erzielte und dazu noch 66 nahezu problemfreie Runden drehte.

          Doch kaum hatte Weltmeister Sebastian Vettel am Samstag, dem vorletzten Testtag, das Lenkrad wieder übernommen, war die Hoffnung schon wieder dahin. Die erste Runde dauerte nur 1,5 Kilometer. Den Rest legte der Red Bull auf dem Lastwagen zurück. Der zweite Versuch war noch kürzer. Vettel kam nicht einmal ans Ende der Boxengasse. Ein Elektronikproblem legte das dunkelblaue Auto lahm.

          Die Inspektion ergab, dass die Batterie gewechselt werden musste. Das dauert im modernen Formel-1-Zeitalter viereinhalb Stunden, weil sie gut versteckt in der Sicherheitszelle verstaut ist. Damit war der Arbeitstag für Vettel beendet. Die Batterie kommt übrigens von Red Bull. „Das beste Teil im ganzen Antriebspaket“, fluchte Technikchef Adrian Newey. Am Sonntag lief es etwas besser. Vettel sammelte insgesamt 77 Runden. Aber es tauchten auch wieder Probleme auf. Vettel leistete sich wegen einer defekten Bremsscheibe einen Dreher.

          „Das kann ein Rennen, aber auch drei dauern“

          Der viermalige Weltmeister geht mit einem Handikap in diese Saison. Sein Team hat nur ein Viertel der Kilometer abgespult, die Mercedes und Ferrari bis zum vorletzten Tag der Wintertests angehäuft haben. Bei der hochkomplexen Technik der neuen Antriebseinheiten zählt jeder Kilometer.

          „Auch wir haben unsere Probleme. Aber viele von denen, die Red Bull jetzt durchmacht, haben wir schon auf dem Prüfstand und beim ersten Test in Jerez abgehakt“, bestätigt Mercedes-Aufsichtsrat Niki Lauda. McLaren-Pilot Jenson Button will Red Bull dennoch nicht abschreiben. „Ricciardos Zeit zeigt, dass sie trotz aller Probleme ein schnelles Auto haben. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie vorne mitfahren. Das kann ein Rennen, aber auch drei dauern.“

          Ein typisches Bild bei den Testfahrten: Vettel sitzt nicht im Auto
          Ein typisches Bild bei den Testfahrten: Vettel sitzt nicht im Auto : Bild: AFP

          Die Pessimisten im Team fürchten, dass dieser Tag vielleicht niemals kommen wird. Adrian Newey zweifelt, ob Motorenpartner Renault den Rückstand rechtzeitig aufholen kann. „Uns fehlt einfach Power. Dazu kommen noch eine Menge Abstimmungsschwierigkeiten mit dem Motor.“ Einsatzleiter Remi Taffin bestreitet, dass der V6-Turbo von Renault ein Leistungsproblem habe, er gibt aber zu, dass es noch Defizite bei der Fahrbarkeit gibt. Benzin- und Elektromotoren arbeiten nicht störungsfrei Hand in Hand. „Das kostet in jeder Kurve ein Zehntel.“

          Renault beteuert, alle Probleme erkannt und auch entsprechende Maßnahmen eingeleitet zu haben. Auf der anderen Seite haben die Franzosen auf politischem Weg versucht, die Frist für die Homologation um zwei bis drei Monate aufzuschieben. Die Konkurrenz spielte nicht mit. Bei der Abstimmung am Freitag reichte eine Gegenstimme aus, um das Hilfegesuch abzuschmettern.

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