https://www.faz.net/-gtl-94ykn

Deutsche alpine Skifahrer : Extreme emotionale Ausschläge

  • Aktualisiert am

Zwei Männer in einem Krankenbett: „Geteiltes Leid ist halbes Leid“ oder auch „so eine Sch...“ Bild: Facebook/FelixNeureutherFansite

Erst das endgültige Olympia-Aus für Neureuther, dann der Weltcup-Sieg von Ferstl und nun der Kreuzbandriss von Luitz: Die Ursachen für das doppelte Verletzungspech werden gesucht.

          Felix Neureuther und Stefan Luitz in einem Krankenbett, beide mit einem Kreuzbandriss, beide fallen den Rest des Olympia-Winters aus - für den Deutschen Skiverband war das Foto ein Bild des Grauens. Zwei Tage nach Deutschlands bestem Skirennfahrer wurde auch der andere Medaillenkandidat in Innsbruck operiert. Das gemeinsame Bild für die Fans und die Social-Media-Kanäle sollte ein Spaß sein, zeigte aber doch vor allem, wer in den kommenden Monaten fehlen wird. In Adelboden, in Wengen, in Kitzbühel, in Garmisch-Partenkirchen - und beim Saisonhöhepunkt im Februar bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang.

          „Geteiltes Leid ist halbes Leid“, unterschrieb Luitz den Post. „Nicht der Besucher, den ich erwartet habe“, meinte Neureuther lakonisch. Alpinchef Wolfgang Maier sagte ganz ernst: „Das ist schon nicht so einfach für uns, das einfach wegzustecken.“ Ohnehin angeschlagen von einer Erkältung war Maier in Alta Badia sichtlich getroffen von der Verletzung der deutschen Spitzenkraft Luitz.

          Zwei mal war der 25-Jährige in den zwei Riesenslaloms vor dem Rennen in Südtirol auf das Siegerpodest gefahren, schien ein echter Konkurrent für Superfahrer Marcel Hirscher zu werden. Luitz sollte die Abwesenheit von Neureuther vergessen machen - muss nun aber genau wie der Routinier monatelang an seinem Comeback für den kommenden WM-Winter arbeiten. „Wir werden für den Lohn unserer Arbeit beraubt“, sagte Maier.

          Noch vor wenigen Wochen erschienen die Perspektiven für den Olympia-Winter glänzend: Viktoria Rebensburg fuhr in Topform, Lena Dürr und Kira Weidle lösten früh mit guten Resultaten ihre Olympia-Tickets. Von Luitz und Neureuther waren herausragende Trainingsformen überliefert, die sie mit einem Sieg (Neureuther) und Plätzen auf dem Siegerpodest (Luitz) auch eindrucksvoll untermauerten. Und dann fingen auch noch die lange belächelten Speed-Fahrer in Abfahrt und Super-G an, für Furore zu sorgen.

          Die emotionalen Ausschläge für die Beteiligten waren zuletzt extrem. Gemeinschaftliche Trauer über die verunglückten Kollegen David Poisson und Max Burkhart löste sich ab mit der Freude über Siege und Spitzenplätze in Super-G und Abfahrt. Der Kreuzbandriss von Neureuther sorgte für Ernüchterung. Der Gedanke, er würde es dennoch zu Olympia schaffen, für Hoffnung. Die Nachricht, dass es nicht klappt, für Frust.

          Der neue Riesenslalom-Ski unter Verdacht

          Nun die Verletzung von Luitz, die völlig unerwartet und ohne augenscheinlichen Grund passierte – genau wie die von Neureuther. „So heftig, wie es uns immer erwischt, erwischt es eigentlich gar keinen in der Relation“, meinte Maier mit Blick auf andere Teams. Wieso bei Luitz und zuvor auch bei Neureuther einfach beim Fahren das Kreuzband riss, konnte Maier nicht beantworten. Ob es an den neuen Riesenslalom-Ski für die Herren liege, die spektakulärer sind, den Rücken schonen, aber die Knie belasten? „Die völlig falsche Fährte ist es nicht. Aber man muss immer das Zusammenspiel sehen“, sagte Maier. Fahrweise, Schneebedingungen, Athletik - all das spiele eben auch eine Rolle. „Wenn wir wüssten, wie das geht, würden wir alles in Bewegung setzen. Ich habe keine Lösung“, antwortete er auf die Frage nach Konsequenzen für weniger Verletzungsgefahr.

          Aus der Traum vom gemeinsamen Lift zum Erfolg: für Neureuther (r.) und Luitz ist der Winter beendet

          Das eben noch so starke Olympia-Team wirkt nun doch wieder reduziert: Rebensburg bei den Damen, Josef Ferstl, Andreas Sander und Thomas Dreßen bei den Abfahrern - damit sind die formstarken Leistungsträger benannt. Der Aufschwung m Windschatten Rebensburgs ist dagegen noch sehr zart. Und Fritz Dopfer ist durch die Folgen seines Schien- und Wadenbeinbruchs noch zu sehr eingeschränkt und weit von seinem eigentlichen Leistungsvermögen entfernt.

          Bei den Technikern steht auf einmal Alexander Schmid im Fokus. Der 23-Jährige überraschte vor einer Woche mit dem sechsten Platz in Val d’Isère und seiner Qualifikation für Olympia - hat aber eigentlich nur das Saisonziel, sich in den Top 30 zu etablieren. „Da muss man sich erst mal neu formieren“, sagte Maier. „Aber wir geben deswegen nicht auf. Wir werden schauen, dass wir trotzdem das Beste geben, das wir geben können. Wir haben schon immer heftige Rückschläge aushalten müssen und müssen das jetzt halt auch aushalten.“

          Weitere Themen

          Tuchels PSG demontiert Real Madrid

          Champions League der anderen : Tuchels PSG demontiert Real Madrid

          Das vermeintlich kriselnde Team von Paris Saint Germain gewinnt leicht und locker gegen Real Madrid – und das ohne die Top-Stars Neymar, Mbappé und Cavani. Ein anderer Klub aus Madrid dreht eine Partie. Tottenham verspielt zwei Führungen.

          Topmeldungen

          Björn Höcke beim Wahlkampfauftakt der AfD Thüringen

          AfD-Wahlkampf in Thüringen : „Extrem bürgerlich“

          Beim Wahlkampfauftakt der Thüringer AfD in Arnstadt versucht die Partei, sich ein bürgerlich-konservatives Image zu geben. Doch vor allem die Aussagen eines Redners lassen daran Zweifel aufkommen – und es ist nicht Björn Höcke.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.