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Gewürzanbau auf Sansibar : Wo der Bio-Pfeffer wächst

  • -Aktualisiert am

25 Gewürzbauern aus Pemba stehen inzwischen bei Zanj Spice unter Vertrag. Bild: Saskia von Moos

Sansibar ist ein guter Ort für Landwirtschaft. Wäre nur nicht die schlechte Regierung. Ein Unternehmen aus dem Westen will mit Ökoprodukten helfen.

          Schnell bahnt sich Bakari Mshamata seinen Weg durch das Dickicht des Gewürzwaldes. Männer folgen ihm. Die Luft ist feucht, der Boden weich. Die Männer müssen aufpassen, nicht zu stürzen. Bei der Ernte, wenn die Bauern Eimer und Hölzer tragen, ist der Gang besonders schwer. Doch Mshamatas Schritte sind geübt, er kennt die Pfade. Bis zu acht Stunden läuft er täglich durch den Wald.

          Annika Brohm

          Redakteurin der digitalen Ausgabe der F.A.Z.

          Wo der Pfeffer wächst, wie man Nelken erntet und Zimt trocknet, das weiß er seit seiner Kindheit. Die Familie des Bauern lebt seit Generationen von der Landwirtschaft. Schon sein Großvater hat Gewürze angebaut, sein Vater, und bald werden es auch Mshamatas Kinder tun. Im Grundschulalter lernen die Jungen von ihren Vätern die ersten Grundlagen. Wenn sie mit der Arbeit auf der Gewürzfarm beginnen, sind sie selten älter als 15 Jahre. „Es ist unsere Identität“, sagt Mshamata. Er sagt aber auch: „Eine andere Möglichkeit haben wir nicht.“

          Sansibar, die Inselgruppe im Indischen Ozean, etwa 35 Kilometer vom Festland Tansanias entfernt, ist die Heimat zahlreicher exotischer Gewürze. Die Bedingungen für den Anbau sind ideal: Es ist warm und feucht, wie in einem Dampfbad. Das gilt vor allem für Mshamatas Heimat Pemba, die „grüne Insel“.

          „Wo sonst hat man noch so viel Natur?“

          Etwas mehr als 400.000 Einwohner leben auf der zweitgrößten Insel des Archipels. „Ich kenne hier kaum jemanden, der nichts mit Gewürzen zu tun hat“, sagt Farooq Mussa, als er in seinem kleinen Bus über die Straßen Pembas fährt. Der Manager – Sonnenbrille, gegelte Haare, Lederschuhe – stammt von der Hauptinsel Unguja. Natürlich sind es die Gewürze, die ihn an diesem Vormittag nach Pemba treiben, in die Wälder von Mshamata und den anderen Farmern. Regelmäßig besucht er sie in ihrem Dorf, sieht nach dem Rechten und holt Bestellungen ab. Am Fenster ziehen Bananenstauden und Palmen vorbei, hin und wieder sieht man eine Kuh am Straßenrand grasen. „Wo sonst hat man noch so viel Natur?“, fragt Mussa.

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          Einst hat der Sultan von Oman beschlossen, diese Wildnis für sich zu nutzen. Zweihundert Jahre sind seither vergangen. Er brachte die Nelke von Indonesien nach Sansibar, und seine Rechnung ging auf: Es dauerte wenige Jahrzehnte, bis sich die kleine Inselgruppe zu einem wichtigen Drehkreuz entwickelt hatte. Für den Handel mit Gewürzen, aber auch mit Menschen. Etwa 40 Farmen hatte Said ibn Sultan errichtet, den Großteil auf Pemba. Tausende Sklaven ließ er darauf für sich schuften. Das Geschäft mit den Nelken wurde fortan zum Garanten für den Reichtum derer, die ihn steuerten. Alle andere spürten wenig davon.

          Doch die Zeiten, in denen der Sansibar-Archipel der größte Nelkenhändler auf der Welt war, sind lange vorüber. Inzwischen liegt die Inselgruppe auf der Rangliste der Exportländer abgeschlagen hinter Madagaskar und Indonesien. Abermals hat sich der Handel mit dem Gewürz zur Machtfrage entwickelt. Seit Ende der sechziger Jahre kontrolliert die staatliche „Zanzibar Spice Trading Corporation“ (ZSTC) den Export. Jede einzelne Nelke gehört im Grunde dem Präsidenten.

          Gewürzbauern wie Mshamata sind dazu gezwungen, ihre Nelken zu festgelegten Preisen an die staatliche Organisation zu verkaufen. Eine Alternative haben sie nicht. 80 Prozent des Exportpreises erhalten die Farmer nach offiziellen Angaben der ZSTC, der Rest fließt in die Kassen der Regierung. Statistiken des Londoner Tropical Development and Research Institutes legen jedoch nahe, dass der Staat oft erheblich mehr Geld abschöpft. Dazu kommt, dass die Konkurrenz aus Asien und Madagaskar ihre Ware günstiger anbietet. Die Folge: Seit den siebziger Jahren ist der Nelkenexport Sansibars um etwa 80 Prozent gesunken. Dabei steigt die globale Nachfrage.

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