Marie Kondo und Konsorten : Warum Aufräumen nur ein weiterer Konsumtrend ist

Entrümpeln gilt vielen als Bewältigungsstrategie im Lockdown. Aber in Wahrheit setzt sie uns nur unter Druck, uns weiter zu optimieren – und kann uns damit schaden. Das gilt auch für die Philosophie von Marie Kondo. Ein Vorabdruck.
„Man glaubt in Japan, dass nicht nur Naturphänomene wie das Meer und das Land den Gottheiten als Wohnsitz dienen, sondern auch der Küchenherd und sogar jedes einzelne Reiskorn, weswegen man allem mit Ehrfurcht begegnete“, schreibt Marie Kondo in „Das große Magic Cleaning Buch“ und spielt dabei mit japanischen Kultureinflüssen, um ihrer Methode einen pseudophilosophischen Anstrich zu geben und ihr westliches Publikum zu begeistern. Die Cover ihrer Ratgeber zieren je nach Ausgabe mal ein Buddha in einem sonst leeren Regal, mal ein Bonsaibäumchen, mal stilisierte Papierfächer. Inhaltlich spielt Kondo immer wieder auf ihre Zeit als Gehilfin im Shinto-Tempel an und integriert in ihre Aufräumempfehlungen Animismus, Ikigai-, Zen- und Wabi-Sabi-Ideen oder zumindest das, was westliche Leserinnen darunter verstehen.
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