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Weihnachtskarriere der Stechpalme : Robust und doch schmuck

  • -Aktualisiert am

Macht im Winter was her: Die immergrüne Stechpalme mit ihren roten Früchten Bild: die bildstelle

Die europäische Stechpalme ist in England und in Skandinavien eine beliebte Weihnachtsdekoration. Nun arbeiten auch in Deutschland immer öfter Floristen die Spitzen des Gewächses in den Adventsschmuck ein.

          Im Advent ist ihre große Zeit: Allüberall trifft man in diesen Wochen auf Tanne, Fichte, Mistel und Weihnachtssternlegionen. Auch der schönen Amaryllis – mal mit zartrosa Blüte, mal dunkelrot, seltener weiß – kann dieser Tage keiner entgehen. Und auch die Christrose kommt in den Blumenläden, in Gärten und auf Balkonen groß raus. Denn die Helleborus niger, vor allem die Praecox, blüht anders als ihre Verwandte, die Lenzrose, oftmals schon vom November an.

          Im Schatten all dieser derzeit omnipräsenten Pflanzen steht hierzulande die europäische Stechpalme (Ilex aquifolium). Noch, sollte man wohl besser sagen. Denn das robuste Gewächs mit seinen glänzenden, am Rand aber stacheligen Blättern und den leuchtend roten Früchten ist dabei, sich wie schon in England und Skandinavien auch bei uns einen festen Platz in der Weihnachtsdekoration zu sichern. Immer häufiger arbeiten Floristen und Hobbybastler die Spitzen des Gewächses in den Adventsschmuck mit ein. Auch hat es die Stechpalme hier und da nach englischem Vorbild schon zum Motiv auf Weihnachtskarten gebracht.

          Zeichen des ewigen Lebens

          Was da aus dem Ausland zu uns herüberschwappt, ist ausnahmsweise mal keine fremde Mode, sondern hat im Gegenteil eigentlich auch in Deutschland Tradition. Die wird nun zunehmend wiederentdeckt. Denn schon im Mittelalter sollen sich die Menschen die Stechpalme, von alters her eine symbolträchtige Pflanze, als Zeichen des ewigen Lebens ins Haus geholt haben. Ilex aquifolium machte die Weihnachtsfarben Rot und Grün gewissermaßen salonfähig.

          Es gibt sogar eine rührende Weihnachtslegende: Als die Hirten sich auf den Weg zum Jesuskind machten, folgte ihnen ein kleines, schwaches und krankes Lämmchen. Es lief hinter dem Hirtenjungen her, der es gepflegt hatte. Dabei stolperte es ein ums andere Mal über die Steine, die auf dem Weg lagen, und die Stechpalmen zerkratzten es. Als sie den Stall erreichten, hob der Hirtenjunge das Lamm auf, streichelte und wärmte es. Maria, die das sah, sagte: „Auch mein Sohn wird gut zu den Hilflosen sein.“ Zur Erinnerung an den barmherzigen Hirtenjungen trägt Ilex aquifolium seitdem rote Früchte.

          Holly heißt die Pflanze übrigens im Englischen, was eine Anlehnung an holy (heilig) sein soll. Der deutsche Name Stechpalme geht nicht auf einen Weihnachts-, sondern auf einen Osterbrauch zurück: Da man in Nordeuropa keine Palmen zur Hand hatte, griffen unsere Vorfahren am Palmsonntag in den Kirchen stattdessen zum heimischen Ilex.

          Der deutsche Name der Pflanze geht auf einen Osterbrauch zurück

          Großer Wachstumsdrang

          Dessen Familie ist sehr groß und auf der ganzen Welt verteilt: Zwischen 400 und 450 Arten gibt es wohl – in Nordamerika, in Asien und auch auf der Südhalbkugel. Manche wachsen in tropischen Gefilden, andere in kühleren Gebirgsregionen oberhalb der Nebelwälder. Zu den bekannten Vertretern der Stechpalme gehört Ilex paraguariensis, der Mate-Strauch aus Südamerika, aus dessen Blättern der Tee bereitet wird. Den Ilex gibt es je nach Herkunft mit und ohne Stacheln, mit feinen und mit kräftigen Blättern, mit grünen, braunen, roten und schwarzen Steinfrüchten (Ilex crenata). Manche werfen ihr Laub ab, andere sind immergrün wie die europäische Art.

          Stechpalmen sind nicht zimperlich, im Unterholz behaupten sie sich bestens, und unsere heimischen Exemplare, mal Strauch, mal Baum, können eine Größe von sechs bis 12 Metern erreichen. Seines dichten Wuchses wegen ist der Ilex aquifolium in Schottland als Heckenpflanze beliebt. Doch man muss aufpassen, dass er in seinem Wachstumsdrang nicht lästig wird. Von Spielplätzen hält man ihn besser fern, denn die Kerne seiner Früchte sind giftig. Etwa 30 Stück können für einen Erwachsenen tödlich sein.

          Seiner Karriere als Weihnachtsschmuck ist das nicht abträglich. Schließlich geht es dabei nur ums Aussehen – und die Haltbarkeit. Wer sich aus Weihnachtsdeko nichts macht, kann sich einfach so am Anblick der Stechpalme erfreuen. Neben immer schönen Gräsern, der Mahonie (die oft mit der Stechpalme verwechselt wird) und robusten Alpenveilchenarten zählt sie zu den Attraktionen des Wintergartens.

          Der Autor ist Gärtnermeister im Frankfurter Palmengarten.

          Protokoll: Birgit Ochs

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