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Streit um Olympia-Start : Vanessa Mae ist keine Betrügerin

Ehre verteidigt, Ruf wiederhergestellt: Vanessa Mae Bild: Picture-Alliance

Beim olympischen Riesenslalom wurde sie Letzte, nun hat Vanessa Mae doch noch gewonnen: Der Skiweltverband darf nicht mehr behaupten, die Star-Geigerin habe sich die Teilnahme erschlichen.

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          Es hat sich für Vanessa Mae gelohnt, dass sie andere Saiten im Disput mit dem Skiweltverband (Fis) aufgezogen hat. Nach ihrer Verleumdungsklage knickte die Fis nun ein und entschuldigte sich bei der Star-Geigerin. Der Skiverband teilte mit, er werde nicht länger behaupten, die Musikerin habe sich die Qualifikation für die Olympischen Winterspiele 2014 durch manipulierte Rennen erschlichen. Die anhängliche Verleumdungsklage wurde mit einer Geldzahlung in unbekannter Höhe aus dem Weg geräumt. Die Summe werde einer karitativen Einrichtung gespendet, hieß es.

          Vanessa Mae, die 1978 in Singapur geboren ist, und eigentlich Vanessa-Mae Vanakorn Nicholson heißt, war in Sotschi als Vanessa Vanakorn mit dem Nachnamen ihres thailändischen Vaters als Vertreterin Thailands im Riesenslalom angetreten. Sie hatte den Wettbewerb auf dem 67. Platz als Letzte beendet – mit gut 50 Sekunden Rückstand auf Siegerin Tina Maze (Slowenien) und knapp zwölf Sekunden hinter der Vorletzten, einer Chinesin namens Lina Xia. Im Gegensatz zu 22 anderen Starterinnen war sie aber immerhin ins Ziel gekommen.

          Als Geigerin weltberühmt: Vanessa Mae

          Die als Geigenwunderkind bekannt gewordene Musikerin hatte stets betont, dass ihre Olympiateilnahme keine Schnapsidee eines gelangweilten Stars war. Vielmehr sei das Skifahren schon immer eine Herzensangelegenheit für sie gewesen. Bereits als Vierjährige hatte sie zum ersten Mal im Winterurlaub in der Schweiz auf Skiern gestanden, mit 14 träumte sie davon, für immer in den Bergen zu leben. Und seit 2009 unterhält sie tatsächlich ihren ersten Wohnsitz in Zermatt. 

          Eine Exoten-Regel nutzte der Cross-Over-Künstlerin

          Skifahren war für die Cross-Over-Künstlerin der willkommene Ausgleich für den Drill ihrer Musikkarriere. Bereits als Kind begeisterte sie mit ihrem virtuosen Geigenspiel. Als junge Frau heizte sie ihre Popularität in knappst möglichem Outfit noch erotisch an. Sie verkaufte mehr als zehn Millionen Platten und CDs, ihr Vermögen wird auf rund 40 Millionen Euro geschätzt.

          Als Skifahrerin eine ambitionierte Hobby-Läuferin: Vanessa Vanakorn trainierte in der Schweiz für Olympia

          Fehlte nur die Olympiateilnahme. In der Hochphase ihres künstlerischen Erfolgs durfte sie nicht mal Skifahren, weil das Verletzungsrisiko zu hoch war. Später verfolgte sie ihr sportliches Ziel umso verbissener. Eine Exoten-Regel des Skiverbandes kam ihr dabei zu Gute: Länder, die keinen Fahrer unter den besten 500 der Fis-Weltrangliste vorweisen können, dürfen pro Geschlecht jeweils einen Vertreter nach Olympia senden. Allerdings nur, sofern dieser Läufer in der entsprechenden Disziplin die geforderten 140 Fis-Punkte erreicht.

          Olympiateilnahme 2018 nicht ausgeschlossen

          Die Fis-Punkte werden nach einem komplizierten Schlüssel aus den Resultaten aller Skirennen errechnet, und an der erreichten Punktzahl hing sich der Weltverband im Nachhinein auf. Bei den eigens zur Qualifikation für Vanessa Mae im slowenischen Krvavec durchgeführten Riesenslalom-Läufen habe es Ungereimtheiten gegeben.

          Doch noch „Olympiasiegerin“: Vanessa Mae ist keine Betrügerin

          Die damals 35-Jährige hatte Mitte Januar 2014 tatsächlich selbst gut 6000 Euro für die Durchführung von vier Rennen bezahlt, bei denen sie die Plätze 6, 7, 9 und 10 belegte – zweimal wurde sie Letzte, zweimal ließ sie noch eine Handvoll Läuferinnen hinter sich. Im Raum standen Vorwürfe, sie sei neben dem Starthäuschen losgefahren, und sie habe den anderen Sportlerinnen gesagt, sie sollten langsamer fahren, um ihren Erfolg nicht zu gefährden. Mae bestritt dies stets und kämpfte verbissen für ihre Amateur-Ehre.

          Auch der Internationale Sportgerichtshof (Cas) sah keine Schuld bei der Freizeit-Sportlerin und hab die Sperre im Juni 2015 wieder auf. Vanessa Mae fühlte sich dennoch „als Betrügerin gebrandmarkt“ und „verspottet“ und verklagte zudem die Fis auf Unterlassung. Der Prozess habe sie rund 200.000 Schweizer Franken gekostet, sagte sie. Offenbar gut angelegtes Geld. Denn nun kann sie sich als rehabilitiert fühlen. Die Letzte darf die Letzte bleiben. Und könnte 2018 einen neuen Anlauf nehmen. Vielleicht wird sie dann Vorletzte.

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