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Kuriosum bei Nachtslalom : Flitzerin sorgt für Aufsehen – und Bestzeit

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Erst läuft die Flitzerin durch die Lichtschranke, dann kommt Alex Vanitzer. Bild: Picture-Alliance

Der Nachtslalom von Schladming ist Kult im Rennkalender des Ski-Weltcups. Zehntausende Zuschauer stehen entlang der Strecke in Österreich. Beim Lauf von Alex Vinatzer kommt es zu einem äußerst skurrilen Zwischenfall.

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          Eine mit einem Badeanzug bekleidete Frau hat beim Ski-Weltcup in Schladming für Aufsehen und Verwirrung gesorgt. Wie eine Flitzerin beim Fußball war sie auf die Strecke gelaufen und hatte beim Gang durchs Ziel die Lichtschranke ausgelöst. Sie hielt ein Schild unter anderem mit der Aufschrift „RIP Kobe“ hoch, nachdem am Sonntag die amerikanische Basketball-Ikone Kobe Bryant bei einem Hubschrauber-Absturz in den Vereinigten Staaten ums Leben gekommen war.

          Die Zeit beim finalen Lauf von Alex Vinatzer aus Südtirol wurde zunächst falsch angezeigt. Er jubelte deswegen ausgelassen und schrie die Freude über eine Führung, die er gar nicht erreicht hatte, aus sich heraus. 0,56 Sekunden zeigte die Anzeigetafel an Vorsprung auf den zuvor Führenden Clement Noel an. Vinatzer nahm es, nachdem der Irrtum bemerkt und seine Zeit korrigiert wurde, sportlich. „Da hab ich aber mal ein cooles Finish-Foto“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

          Beim Zieleinlauf gibt es in der Regel zwei Lichtschranken, die die Zeit der Fahrer exakt messen. Durch das Auslösen der Flitzerin wurden in diesem Fall aber beide Lichtschranken ausgelöst. Zur Sicherheit wird aber auch noch eine Zeit per Hand gestoppt. Diese wurde in diesem Fall für Vinatzer gemessen. Demnach lag er nach seinem Lauf auf Platz drei, am Ende wurde der Italiener Sechster.

          Der deutsche Skirennfahrer Linus Straßer reagierte auf die Szene, die er selbst gar nicht wahrgenommen hatte, mit Humor. „Ich habe es gar nicht direkt erlebt, weil ich hier dieses Interview geben musste. Scheiße. Ich schaue mir das auf jeden Fall noch mal an“, sagte er unmittelbar nach der Situation. Ein Skirennen in Schladming sei so etwas wie ein Champions-League-Finale im Fußball, meinte er. An der Planai in der Steiermark stehen Zehntausende Zuschauer entlang der Strecke.

          Die Flitzerin  ist eine bekannte Wiederholungstäterin. Das amerikanische Model sorgte bereits beim Champions-League-Finale am 1. Juni 2019 zwischen dem FC Liverpool und Tottenham Hotspur für Aufsehen. Damals machte sie Werbung für eine Sex-Plattform und sammelte durch die Aktion auf ihren eigenen Konten in Sozialen Medien viele neue Follower. Für die 23-Jährige könnte der amüsante Vorfall in Schladming aber noch ernste Konsequenzen haben. Wie die Polizei mitteilte, wird sie wegen des Verdachts einer Verwaltungsübertretung angezeigt. Zudem wurde eine Kaution gestellt.

          „Ich habe sie um ein Foto gebeten, habe ihr gedankt und gesagt, dass ich einen Spaß hatte“, sagte Vinatzer später der italienischen Zeitung „Gazzetta dello Sport“. In der Nacht postete Vinatzer das Foto seines Zieleinlaufs sowie ein gemeinsames Foto mit dem Model dann bei Instagram. „Sechster Platz in Schladming und vermutlich eines der besten Finish-Fotos überhaupt“, schrieb der 20-Jährige dazu. „Love you bae“ kommentierte das Model.

          Straßer wurde Dreizehnter und verpasste einen erhofften Top-Ten-Rang. Nach seinem Ausfall in Kitzbühel verzichtete der Münchner am Dienstagabend vor Zehntausenden Fans auf zu viel Risiko und hatte am Ende 1,70 Sekunden Rückstand auf Sieger Henrik Kristoffersen. „Es war eigentlich so, wie ich mir das vorgenommen habe, zwei solide Läufe fahren“, sagte Straßer. „Ich habe mir die Saison über was ganz Gutes aufgebaut. Da muss man jetzt etwas geduldig sein und kann nicht erwarten, dass man in jedem Rennen in die Top Ten fährt. Da muss man auch mal mit Top 15 zufrieden sein. Das bin ich auch.“

          Der Norweger Kristoffersen setzte sich bei dem Weltcup in Österreich trotz eines großen Fehlers mit 0,32 Sekunden Vorsprung vor Alexis Pinturault aus Frankreich und dem Schweizer Daniel Yule durch. Er bejubelte seinen dritten Saisonsieg. Auf der WM-Strecke von 2013 war es bereits der vierte Sieg für Kristoffersen.

          Straßer hatte nach einer extremen enttäuschenden Saison 2018/19 in diesem Winter zumeist überzeugt und trotz einer Handverletzung drei Top-Ten-Plätze verbucht. In Adelboden war er mit Laufbestzeit im Finale Sechster geworden, eine Woche später in Wengen verhinderte nur ein später Patzer eine möglicherweise noch bessere Plazierung. Am Sonntag in Kitzbühel schied er im zweiten Lauf aus. „Er hat so ein Potential, das kann er noch nicht abrufen. Aber das waren zwei solide Läufe. Das ist ein großer Schritt in die richtige Richtung“, sagte Felix Neureuther in seiner Funktion als Ski-Experte der ARD. Aus dem deutschen Team hatte es neben Straßer kein weiterer Sportler in das Finale, das wegen der kuriosen Szene um die Flitzerin und Vanitzer noch lange in Erinnerung bleiben wird, geschafft.

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