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Skiläuferin Kira Weidle : Sich einfach trauen, das Richtige zu machen

  • -Aktualisiert am

Unzufrieden mit ihrer Vorstellung: Kira Weidle. Bild: dpa

Die deutsche Skiläuferin Kira Weidle ist in Abfahrtsläufen nahe dran an der Weltspitze, tut sich im Super-G aber schwer. Als Vorbild dient ihr die Schweizerin Lara Gut-Behrami.

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          Tage wie diese im Werdenfelser Land gehören zum Geschäft, das weiß Kira Weidle. Regen, Schnee, Nebel – und ein Ergebnis, das bei der deutschen Skirennläuferin nicht unbedingt für gute Laune gesorgt hat. Nach Platz 23 im ersten Super-G am Samstag musste das zweite Rennen beim Heim-Weltcup in Garmisch-Partenkirchen einen Tag später nach mehreren Verschiebungen schließlich wegen der Wetterbedingungen abgesagt werden. Es soll nun an diesem Montag (10.50 Uhr / Eurosport) stattfinden.

          Das letzte Weltcup-Wochenende wird vermutlich am Ende keines werden, mit dem sich Weidle noch länger beschäftigen wird. Erst recht taugt es nicht zur Einstimmung auf die am kommenden Montag beginnenden Weltmeisterschaften in Cortina d’Ampezzo. Das wäre womöglich anders gewesen, hätte wie geplant eine Abfahrt auf der Kandahar stattfinden können. In der schnellsten Disziplin gehört Weidle im Gegensatz zum Super-G in dieser Saison wieder zu den Besten, näherte sich mit zwei fünften Plätzen schon ein paar Mal dem Podium. Die 24 Jahre alte Starnbergerin wähnt sich deshalb gut vorbereitet für das Großereignis. „Ich fühle mich fit für die WM“, sagt sie, denn: „Die Abfahrtsform passt.“

          Im Super-G hingegen hat sie bei ihr im Grunde noch nie besonders gut gepasst. Zwar hat sie in diesem Winter als 15. von St. Anton ihr bestes Ergebnis in dieser Disziplin geschafft, aber prompt folgte in Garmisch ein kleiner Rückschlag. Sie habe viel probiert in den vergangenen Wochen, sagt Weidle. „Wir hatten auch schon ein, zwei Ansätze, aber es geht nicht von heute auf morgen. Vielleicht braucht es noch ein bisschen Zeit.“

          Ganz anders ist das bei Lara Gut-Behrami, die am Samstag bereits das dritte Super-G-Rennen nacheinander gewann und deshalb als große Gold-Favoritin zur WM fährt. Die Schweizerin war einst auch in dieser Disziplin in der Weltelite aufgetaucht, rasant und vielversprechend. Mit 18 kam sie zu ihrem ersten Sieg, der auf der Kandahar war ihr 15. im Super-G.

          Lara Gut-Behrami ist nur schwer mit Weidle zu vergleichen. Sie galt einst als Wunderkind des Skisports, gewann 2016 den Gesamtweltcup und ein paar Medaillen bei Großereignissen. Aber gelegentlich stand sie sich auch selbst im Weg, und deshalb ist ihre Trophäensammlung vielleicht nicht so groß, wie sie hätte sein können als vielseitig Talentierte. Jetzt, mit fast 30, hat sie den Spaß wiedergefunden, „die Freiheit beim Skifahren“, wie sie sagt.

          Weidle hingegen befindet sich noch am Anfang ihrer Karriere, und ihre Perspektiven sind vor allem in der Abfahrt glänzend. Anders als bei Gut-Behrami fiel bei ihr früh die Entscheidung für eine Spezialisierung auf die schnellste Disziplin – und das bedeutete eben auch, dass die Riesenslalom-Ausbildung etwas vernachlässigt wurde. Um aber eine glänzende Super-G-Fahrerin zu werden, bedarf es einer fundierten Technikausbildung. Denn das Kriterium, sagt der deutsche Alpinchef Wolfgang Maier, sei „das Gefühl für die engeren Radien“. Die Athletinnen haben weniger Zeit zwischen den Schwüngen als bei der Abfahrt, das Tempo ist aber kaum niedriger. Man müsse dynamischer fahren, sagt Maier. Und auch dynamischer, schneller denken.

          Das aber fällt Abfahrtsspezialistinnen manchmal nicht ganz leicht. Als Beispiel nannte Maier die Amerikanerin Breezy Johnson, die in der schnellsten Disziplin in dieser Saison regelmäßig auf dem Podest steht, im Super-G von Garmisch-Partenkirchen aber mit Platz 34 chancenlos war. Riesenslalom-Fahrerinnen fassen hingegen oft schnell erfolgreich Fuß im Super-G. Der deutsche Frauen-Cheftrainer Jürgen Graller hatte auch seiner ehemaligen Frontfrau Viktoria Rebensburg einst attestiert, in dieser Disziplin mindestens so großes Potential zu haben wie im Riesenslalom und wollte sie zur Nummer eins machen. Die mehrmalige Medaillengewinnerin durchkreuzte mit ihrem Rücktritt im vergangenen September allerdings den ambitionierten Plan Grallers.

          Kira Weidle hat vor dieser Saison das Riesenslalom-Training forciert. „Um die Technik ein bisschen zu festigen.“ Im Training gelinge ihr dies, aber „in Stresssituationen“, also im Rennen, vergesse sie manche Dinge, gibt sie zu. Für Alpinchef Wolfgang Maier ist es deshalb eine Kopfsache. „Sie traut sich nicht zu, dass sie das Richtige macht in den jeweiligen Situationen auf der Piste“, sagt er. Im Gegensatz zu Gut-Behrami. Die weiß, dass sie fast nichts falsch machen kann.

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