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Snowboard-Superstar Shaun White : „Ich hatte immer zwei Leben“

Atemlos durch die Nacht: Shootingstar White bei den Olympischen Spielen in Sotschi Bild: Imago

Sportler, Unternehmer und jetzt auch Musiker: Shaun White ist der Superstar der Snowboard-Szene und nicht wenige halten ihn für äußerst arrogant. Im FAZ.NET-Interview spricht er über alte Männer, die Zukunft der Sportart und sich bestätigende Klischees.

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          Freestyle-Snowboarden hat ein Wettkampfproblem. Die X-Games, die Dew Tour, die US Open, die European Open und viele andere Veranstaltungen konkurrieren um Aufmerksamkeit und Sponsoren. Jetzt haben Sie das traditionsreiche „Air&Style“-Springen gekauft und expandieren damit in die Vereinigten Staaten. Wäre es nicht sinnvoller, endlich eine von allen akzeptierte Welttour auf die Beine zu stellen?

          Sebastian Eder

          Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Für Wettkampf-Snowboarder ist es immer das Problem gewesen, dass es keine richtige Tour wie beim Wellenreiten gibt. Jeder Veranstalter kämpft für sich selbst, und die Kontrolle liegt leider zu oft bei alten Männern, die mit dem Sport nichts zu tun haben. Es ist ein knallhartes Business, und ich bin es leid, zu versuchen, Einfluss auf andere Leute und Unternehmen zu nehmen. Deshalb stelle ich jetzt etwas Eigenes auf die Beine. Die Situation ist im Moment sehr schwierig, aber ich glaube, dass aus diesem ganzen Chaos etwas hervorgehen wird, das bleibt. Ich hoffe, das „Air&Style“ wird in Europa, China und Amerika ein wichtiger Teil davon sein.

          Auf dem Snowboard war Ihr härtester Konkurrent bis 2010 Ihr amerikanischer Landsmann Kevin Pearce. Er ist dann schwer gestürzt und kann nicht mehr an Wettkämpfen teilnehmen. 2013 hat er einen Film veröffentlicht, in dem Sie als kalter Roboter gezeichnet werden, die Boarder um Pearce hingegen als Gruppe von Idealisten. Wie ist das bei Ihnen angekommen?

          Stellen Sie sich vor, Sie gehen in die Schule und jeder hat ein Freundschaftsbändchen, nur Sie nicht. Und Sie denken sich: Verdammt, warum habe ich keins? So ging es mir oft im Snowboarden. Kevin Pearce und seine Freunde haben alleine nicht genug Aufmerksamkeit bekommen, deswegen haben sie sich entschlossen, gemeinsam unter der Marke „Frends“ aufzutreten. Im Endeffekt ging es darum, Kopfhörer zu verkaufen, dafür haben sie ihre Freundschaft genutzt. Das ist ihr gutes Recht. Aber wie sie mit mir umgegangen sind, hat mich enttäuscht.

          Materialtest: Bei einem Sturz in Sotschi wird White´s Snowboard aufs Härteste geprüft Bilderstrecke
          Materialtest: Bei einem Sturz in Sotschi wird White´s Snowboard aufs Härteste geprüft :

          Hört man von Freestyle-Snowboardern nicht immer: Wir sind alle gute Freunde, wer gewinnt, ist uns nicht so wichtig.

          Natürlich gibt es Freundschaften unter Snowboardern, aber am Ende will jeder gewinnen. Es gibt vielleicht zwei, drei Leute, denen es nur um Party geht, aber das ist die absolute Ausnahme. Ich glaube, dieses Klischee ist dadurch entstanden, dass viele Snowboarder nicht wissen, was sie vor einer Kamera sagen sollen. Sie kommen nach einem Sprung unten an und werden gefragt: Wie fühlst du dich? Dann sagst du: „Toll, das Wetter ist schön, ich habe Spaß und freue mich, hier mit meinen Freunden zu sein.“ Ich fand das irgendwann nur noch bizarr. Ich bin ein Wettkampftyp. Wenn ich verliere, ärgere ich mich und sage das auch. Viele Leute vergessen, wie lange ich schon dabei bin. Ich werde gesponsert, seit ich sieben bin, Profi wurde ich mit dreizehn.

          Trotzdem waren Sie nie wirklich Teil der Snowboard-Szene, oder?

          Nein, ich bin Kalifornier, ich habe nie in den Bergen gelebt, sondern immer am Strand. Am Wochenende bin ich mit meinen Eltern zu Snowboard-Wettkämpfen gefahren, unter der Woche war ich in der Schule. Abseits der Wettkämpfe hatte ich nichts mit Snowboardern zu tun, das ist bis heute so. Ich hatte immer zwei Leben, eins auf dem Berg und eins abseits. Auf manche Snowboarder wirkte es arrogant, dass ich irgendwo auftauchte, gewann und wieder verschwand.

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