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Olympiaprogramm : Dramatisch in Ungnade gefallen

Schlechte Nachrichten für Eric Frenzel und seine Mitstreiter: der Nordischen Kombination droht das Olympia-Aus Bild: AFP

Zu wenig Nationen, zu wenig Zuschauer: Das IOC stellt den Fortbestand der Ur-Wintersportdisziplin in Frage. Im Sommer bleibt der Box-Weltverband abgesetzt.

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          Das Internationale Olympische Komitee (IOC) zeigt den Nordischen Kombinierern und den Boxern die Zähne: Nach den Beschlüssen der Exekutive vom Freitag ist die Ur-Winterdisziplin aus Skispringen und Langlauf angezählt – sein Fortbestand im olympischen Programm steht in Frage. Der Weltverband der Faustkämpfer wurde bereits zum zweiten Mal für technisch k.o. erklärt, die Entscheidung über den Platz der Sportart im olympischen Programm über 2024 hinaus steht noch aus.

          Evi Simeoni
          Sportredakteurin.

          Die Gründe, warum die Wintersport-Disziplin und die Sommer-Sportart so dramatisch in Ungnade gefallen sind, sind unterschiedlich: Die Kombinierer haben es versäumt, sich den modernen Anforderungen Olympias anzupassen. Sie können zu wenig Teilnehmernationen vorweisen und weckten bei den jüngsten Winterspielen im Februar in Peking „mit Abstand das geringste Zuschauerinteresse“, wie das IOC befand. Der Weltverband der Boxer wiederum gibt ein solch katastrophales Bild ab, dass ihm „im Interesse der Athleten und der Boxgemeinschaft“ die Organisation des olympischen Turniers samt Qualifikation schon zum zweiten Mal entzogen wurde: Auch bei den Spielen 2024 in Paris nimmt das IOC die Aufgabe selbst in die Hand.

          Aufnahme von Frauenwettbewerben beantragt

          Schlechte Nachrichten also für Eric Frenzel, Vinzenz Geiger und die anderen europäischen Stars der Nordischen Kombination. Eigentlich hatte der Ski-Weltverband FIS für diese Disziplin beim IOC für die kommenden Spiele 2026 in Mailand und Cortina d’Ampezzo schon zum zweiten Mal die Aufnahme von Frauenwettbewerben beantragt – die Kombinierer sind die letzte Wintersportart im Programm, die alleine Männern vorbehalten ist.

          Dass das IOC gegen seinen eigenen Trend – Geschlechtergleichheit ist ein zentrales Ziel – diesem Antrag nicht entsprach, macht deutlich, wie ernst die Lage ist. Man habe, sagte der Österreicher Karl Stoss, der Vorsitzende der IOC-Programmkommission, bei einer Pressekonferenz, auch die Männer nur deshalb im Programm gelassen, weil die Spiele nur noch dreieinhalb Jahre entfernt seien und die Athleten sich schon seit Jahren darauf vorbereiteten. Gleiches gelte für die Frauen-Sparte nicht, obwohl es für sie inzwischen einen Weltcup und eine WM-Disziplin gibt. Doch 2021 in Oberstdorf waren nur Athletinnen aus zehn Nationen am Start, alle drei Medaillen wurden von Norwegerinnen gewonnen.

          Seit 1924 in Chamonix im Programm

          Ob es bei den Winterspielen 2030 noch Kombinierer geben werde, hänge davon ab, ob ihnen eine „signifikante positive Entwicklung“ gelinge. Stoss bezog sich darauf, dass bei den letzten drei Winterspielen nur vier Nationen in der Nordischen Kombination Medaillen gewannen. „Sie ist sehr interessant für die europäischen Länder“, sagte er. „Aber außerhalb von Europa findet man keine Athleten.“

          Lasse Ottesen, Renndirektor für Nordische Kombination im Ski-Weltverband, kündigte an, die FIS gebe nicht auf und werde mit den Nationalverbänden sprechen, um „ein Konzept zu schaffen und das IOC vom Wert und der Attraktivität unserer Disziplin zu überzeugen.“ Die Kombinierer gehören seit den ersten Winterspielen 1924 in Chamonix zum Programm.

          Boxverbands-Präsident Umar Kremlev: Sein einziger Gegenkandidat war von der Wahl ausgeschlossen worden
          Boxverbands-Präsident Umar Kremlev: Sein einziger Gegenkandidat war von der Wahl ausgeschlossen worden : Bild: AP

          Mit Blick auf das Boxen erklärte IOC-Sportdirektor Kit McConnell: „Die IOC-Exekutive fand, genug ist genug.“ Schon 2019 hatte das IOC dem Weltverband IBA wegen drastischer Unregelmäßigkeiten unter anderem bei den Richterurteilen des olympischen Turniers 2016 in Rio die Zuständigkeit für Tokio 2021 entzogen – und damit auch die olympischen Einkünfte. Boxen erscheint auch nicht auf der Liste der bestätigten Sportarten für die Spiele in sechs Jahren in Los Angeles. „Ob Boxen zum Sportprogramm der Olympischen Spiele 2028 gehören wird oder nicht, wird zu einem späteren Zeitpunkt diskutiert“, erklärte das IOC.

          Für Paris 2024 jedenfalls bekommt die IBA auf Grund von Problemen, die das IOC als „anhaltend und sehr besorgniserregend“ beschreibt, die Zuständigkeit nicht zurück. Die Gründe lägen in der Amtsführung, im Kampfrichterwesen, im Wertungssystem und im Finanzbereich. In einer Erklärung wird auch die „finanzielle Abhängigkeit von dem im Staatsbesitz befindlichen Unternehmen Gazprom“ angegeben. Der russische Konzern ist Hauptsponsor der IBA.

          Präsident Umar Kremlev, ein russischer Geschäftsmann, war am 14. Mai wiedergewählt worden. Zwei Tage vorher hatte die „Integrity Unit“ der IBU seinen einzigen Gegenkandidaten, den Niederländer Boris van der Vorst, von der Wahl ausgeschlossen. Inzwischen erklärte der Internationale Sportgerichtshof Cas diesen Ausschluss für unrechtmäßig. McConnell machte deutlich, dass diese Geschehnisse in den Augen der Exekutive das Fass zum Überlaufen brachten. Die IBA kündigte als Reaktion für den Herbst einen außerordentlichen Kongress an, bei dem zunächst entschieden werden soll, ob eine abermalige Präsidentenwahl nötig wird und eventuell die Neuwahl stattfinden soll. Von der Entscheidung des IOC sei man „zutiefst enttäuscht“.

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