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Großes Snowboard-Talent : Der abenteuerliche Flug des Valentino Guseli

  • -Aktualisiert am

Der Australier Valentino Guseli in Aspen, Colorado. Bild: AFP

Im Alter von nur 15 Jahren stellte er einen fabelhaften Höhenrekord in der Halfpipe auf. 7,30 Meter katapultierte sich Valentino Guseli in der Luft.

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          Die Snowboard-Welt staunt über einen neuen Rekord. Mehr noch staunt sie über den Jungen, der ihn aufgestellt hat. Mit 15 Jahren, einen Tag vor seinem 16. Geburtstag, gelang dem Australier Valentino Guseli im schweizerischen Laax ein abenteuerlicher Flug. 7,30 Meter katapultierte sich der Teenager aus der Halfpipe in eine bis dahin unerreichte Region.

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          Den alten Rekord hielt seit 2010 mit genau sieben Metern der Amerikaner Shaun White, der größte Freestyle-Snowboarder in der Geschichte dieser Sportart. White, mittlerweile 34 Jahre alt und dreimal Olympiasieger in der Halfpipe, war einst der Future Boy, ein bestauntes Wunderkind, das schon im Alter von zehn, elf Jahren mit einer Leichtigkeit ohnegleichen durch Halfpipes und Snowparks schwebte. Seine katzenhafte Eleganz ist bis heute unerreicht.

          Nun macht sich auch Valentino Guseli auf die Reise in eine spektakuläre Karriere. Der Australier, der seit Jahren im europäischen Winter jeweils einige Wochen in Laax verbringt und dort trainiert, gilt als das größte Talent im Snowboarden, seit er 2019 bei den US Open in Vail überlegen den Juniorenwettbewerb gewonnen hat. Schon drei Jahre zuvor, im Alter von zehn Jahren, war er in Vail Fünfter geworden.

          Ein Sturz wird nie vergessen

          Ein Höhenweltrekord sagt noch nicht viel aus über die Klasse eines Halfpipe-Fahrers. Höhe ist eine Frage der Anlaufgeschwindigkeit, des Absprungs, des Winkels – und des Mutes. Man muss sich das so vorstellen: Die Laaxer Superpipe auf dem Crap Sogn Gion, die als die beste der Welt gilt, ist 200 Meter lang und 22 Meter breit.

          Ihre Wände sind 6,90 hoch, das bedeutet, bei einem Sprung von 7,30 Meter Höhe über den Rand der Halfpipe, dem sogenannten Coping, beträgt die Fallhöhe bis zum tiefsten Punkt der Anlage, dem Flat, 14,30 Meter. Wer schon einmal sah, wie ein Boarder die Landezone verpasste und Richtung Mitte der Halfpipe abstürzte, wird dies nie vergessen. Ebenso wenig wie den Anblick, wenn einer stumpf auf dem Coping einschlägt.

          Schrauben, Drehungen und Tricks

          Ein Rekordsprung wie der von Valentino Guseli ist dennoch mehr als nur eine Mutprobe. Ein solcher Sprung braucht perfektes Timing. Eine zentimetergenaue Landung. Einen wirklich großen Freestyle-Snowboarder macht das noch nicht, aber dass Guseli das Zeug hat, nicht nur hoch zu springen, sondern in luftiger Höhe auch das schwerelos Zirzensische zu zeigen, was Freestyle-Snowboarden ausmacht – eine Symphonie aus Schrauben, Drehungen und Tricks –, steht außer Frage.

          Das hatte er schon im Januar in Laax bewiesen, bei seinem Debüt im Weltcup, als er sich als Wertungsbester für das Halfpipe-Finale qualifizierte und am Ende Achter wurde – mit 15 Jahren. Im kommenden Jahr nun will er in Peking sein Olympia-Debüt geben. Shaun White gewann seine erste Goldmedaille mit 19.

          Guseli ist in Canberra geboren, seine Familie lebt seit einigen Jahren in Dalmeny an der südaustralischen Küste, einem kleinen Ort, von dem aus sich Surfen und Snowboarden aufs lässigste verbinden lassen. Seine sportliche Heimat ist Perisher, ein Wintersportgebiet in den Snowy Mountains, zweieinhalb Autostunden von Dalmeny entfernt.

          Snowboarden ist eine Familienangelegenheit im Hause Guseli. Der Vater ist begeisterter Surfer und Boarder, die Mutter ebenso, dazu Lehrerin. Sie holt mit dem Sohn nach, was er wegen der vielen Reisen in der Schule versäumt. Auch der Großvater ist mit von der Partie. Er hat eine Schanze und einen riesigen Luftsack in seinen Garten gestellt, damit der Enkel auch bei ihm beste Trainingsmöglichkeiten hat.

          Snowboarden begann Valentino Guseli im Alter von drei Jahren. Mit neun Jahren schon reiste er während des australischen Sommers, begleitet von Vater oder Mutter, dem Winter hinterher. In die Vereinigten Staaten nach Vermont zunächst. Er fuhr Rennen im Slalom, Riesenslalom und Boardercross – eine gute Ausbildung, die ihn schließlich zum Pipefahren führte.

          Und nach Laax, wo er sich nach und nach an die gewaltige Superpipe herantastete – ein Ungeheuer, das ihm nun zu einem Höhenrekord verhalf, der ihn auch in die Schlagzeilen katapultierte – Sponsoren sehen so etwas gern. Guseli hat genügend davon. Viele sehen in ihm die Zukunft des Snowboardens. Und halten es nur für eine Frage der Zeit, bis er ganz oben ankommt – nicht nur, was die Höhe seiner Sprünge betrifft.

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