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Golf-Masters in Augusta : Das große Rätsel Tiger Woods

  • -Aktualisiert am

Was ist nur mit ihm los? Die Golfwelt rätselt über Tiger Woods Bild: Reuters

Vor zwanzig Jahren feierte Tiger Woods in Augusta den ersten seiner vier Masters-Siege. Kein anderes Ereignis hat die Golfwelt so dramatisch verändert. Doch die einst dominante Kraft der Sportart wirft mittlerweile die größten Fragen auf.

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          Wochenlang wurde gerätselt: Spielt er, oder spielt er nicht? Tiger Woods hat es wie im Vorjahr spannend gemacht. Erst am Freitagabend ließ der Golfprofi über seine Website folgende Erklärung veröffentlichen: „Unglücklicherweise werde ich dieses Jahr nicht am Masters teilnehmen. Ich habe alles getan, um spielen zu können, aber die Behandlung meines Rückens hat mir nicht genügend Zeit gelassen, um für das Turnier bereit zu sein. Es gibt keinen Zeitplan für meine Rückkehr, aber ich werde meine gewissenhaften Bemühungen fortsetzen, wieder ganz gesund zu werden. Ich will so schnell wie möglich wieder auf die Tour zurückkehren.“

          Woods ist auch in diesem Jahr beim an diesem Donnerstag beginnenden Masters in Augusta anwesend. Aber wie im Vorjahr hat der 41 Jahre alte Amerikaner nur am traditionellen Champions Dinner am Dienstagabend teilgenommen. Zum dritten Mal innerhalb von vier Jahren versäumt der langjährige Weltranglistenerste das erste Major des Jahres im Südstaat Georgia, zum zweiten Mal in Serie. „Ich bin besonders bestürzt, weil dieses Masters einen ganz besonderen Jahrestag markiert und großartige Erinnerungen damit verbunden sind. Ich kann nicht glauben, dass zwanzig Jahre vergangen sind, seit ich mein erstes grünes Jackett gewann.“ Am 13. April 1997 feierte Woods den ersten seiner vier Masters-Siege – und kein Ereignis hat die Golfwelt so dramatisch verändert wie dieser erste große Triumph.

          Ganz besonderer Platz in seinem Herzen

          Wie Woods’ Manager Mark Steinberg durchblicken ließ, hat sein Klient wohl erst zu Beginn der vergangenen Woche wieder damit begonnen, volle Golfschläge auszuführen. „Das Turnier nimmt einen ganz besonderen Platz in seinem Herzen ein, und weil das so ist, wollte er alles versuchen, um dabei zu sein. Er kennt den Platz so gut. Deshalb glaubte er bis Freitag daran, mitspielen zu können.“

          Wie sich herausstellte, eine vergebliche Hoffnung, vor allem mit Blick auf die vergangenen Monate. Nach 15 Monaten Zwangspause und drei Rückenoperationen nahm Woods im Dezember vergangenen Jahres bei seinem Turnier, der Hero World Golf Challenge, erstmals an einem Profiwettbewerb teil und belegte unter 18 Teilnehmern den vorletzten Platz. Beim Comeback auf der PGA Tour bei der Farmers Insurance Open in San Diego im Januar verpasste er nach Runden von 76 und 72 Schlägen den Cut. In Dubai Anfang Februar bewegte er sich in der ersten Runde so vorsichtig und seltsam über den Platz fort, dass Kollegen davon sprachen, er sei gegangen wie ein alter Mann. Vor der zweiten Runde gab er wegen Rückenbeschwerden auf – und hat seitdem alle geplanten Auftritte abgesagt, sogar für eine Pressekonferenz bei der Genesis Open in Pacific Palisades fühlte er sich nicht fit genug.

          Meilenstein der Golf-Geschichte: Am 13. April 1997 gewinnt Tiger Woods erstmals das Master in Augusta
          Meilenstein der Golf-Geschichte: Am 13. April 1997 gewinnt Tiger Woods erstmals das Master in Augusta : Bild: AP

          Steinberg erklärte damals, die neuerlichen Beschwerden stünden nicht mit den Eingriffen am Rücken in Verbindung, es handele sich lediglich um „back spasm“, also um Verkrampfungen der Rückenmuskulatur. Weitere medizinische Details wurden nicht bekannt. Dafür wuchsen die Zweifel, ob der langjährige Primus noch einmal in der Weltklasse mitmischen kann. Am deutlichsten sagte es Pat Perez, ein gleichaltriger Kollege auf der PGA Tour aus Kalifornien, der seit Kindestagen gegen Woods spielt: „Er weiß, dass er niemanden mehr schlagen kann. Er spielt eine 77, und was sagt er am nächsten Tag: Oh, mein Rücken schmerzt.“ Perez behauptete gar, dass Woods seinen Namen in der Öffentlichkeit halten müsse, um seine vielfältigen geschäftlichen Aktivitäten zu fördern, die er erst kürzlich in einer neuen Firma „TGR Tiger Woods Ventures“ gebündelt hat. Deshalb werde es wohl immer einige weitere Kurzauftritte geben.

          So offen wie Perez wagt es kaum ein Kollege, die Situation um Woods zu kommentieren. Aber die Zweifel wachsen, ob er noch einmal zu alter Klasse zurückkehren kann. Die Golflegende Jack Nicklaus, dessen Rekord von 18 Major-Siegen Woods viele Jahre jagte, sagte: „Ich glaube, für Tiger ist es mental schwer. Jedes Mal, wenn er sich umdreht, ist er verletzt. Vielleicht ist er wirklich verletzt. Niemand weiß es. Ich habe einfach keine Antwort.“ Der Mann, der einstmals die dominante Kraft im Golf war, gibt jetzt die größten Rätsel auf.

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