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Distanzreiten in den Emiraten : Betrug und notorische Tierquälerei

Der Kronprinz und sein Pferd: Hamdan bin Mohammed al Maktoum (rechts) gewann 2014 das Rennen in Dubai Bild: Imago

Der Reiter-Weltverband schließt die Vereinigten Arabischen Emirate aus. Er reagiert damit auf haarsträubende Vorkommnisse im Distanzreiten. Die Liste der Skandale lässt Pferdefreunde erschaudern.

          Für die Reiter in aller Welt ist es eine gute Nachricht: Der Weltverband FEI hat die Vereinigten Arabischen Emirate bis auf weiteres ausgeschlossen. Grund sind haarsträubende Vorkommnisse im Distanzreiten – Tierquälerei und Betrug. In den Emiraten dürfen keine internationalen Wettbewerbe mehr veranstaltet werden und deren Distanzreiter dürfen international nicht mehr starten, Reiter anderer Disziplinen nur noch unter der Flagge der FEI. Damit trennt sich der Weltverband vorerst von Leuten, deren Einstellung zu Pferden in anderen Kulturkreisen als abstoßend empfunden wird.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Für die betroffenen Pferde ist die Konsequenz darum schlimm: Sie sind verlassen. Ohne die – zumindest theoretische – Eingriffsmöglichkeit des Weltverbandes können sie nun auf den ermüdenden Sandpisten noch ungenierter gequält und geschunden werden. Wiederholt wurden niederschmetternde Bilder davon im Internet dokumentiert. Zuletzt von dem Wallach Splitters Creek Bundy, bei dem am 31. Januar während eines Distanzritts über 120 Kilometer beide Vorderbeine brachen. Der Dunkelbraune, der voll mit Medikamenten war, musste euthanasiert werden.

          Skandalöses Stillhalten

          Der Ritt, bei dem noch zwei weitere Pferde zu Tode kamen, fand in Al Reef in Abu Dhabi statt, es war eine von vielen nationalen Veranstaltungen, auf die der Weltverband erst seit kurzem Zugriff hat. Das Pferd gehörte dem Herrscher von Dubai, Mohammed al Maktoum, der mit seinem Reichtum den Distanzsport von einer leicht verschrobenen Amateur-Szene in eine zynische Profi-Maschinerie verwandelt hat und auch im Galopprennsport erheblichen Einfluss ausübt. Sollte der Distanzsport durch das FEI-Manöver das arabische Geld verlieren, bräche eine ganze Industrie zusammen.

          Mit dem Ausschluss zieht der Weltverband endlich Konsequenzen nach jahrelangem skandalösem Stillhalten, das nur damit zu erklären ist, dass Maktoums Ehefrau Prinzessin Haya von Jordanien bis zum Dezember 2014 Präsidentin der FEI war. Die ehemalige Springreiterin betonte zwar stets, dass sie sich beim Thema Distanzreiten neutral verhalte.

          Tatsache aber ist, dass trotz einer Regelverschärfung im August 2014 in den Wüstenstaaten notorisch weiter geprügelt, gedopt und der Betrug zum eigentlichen Sport erhoben wurde. Unter dem neuen Präsidenten Ingmar de Vos, den die Prinzessin protegiert hatte, waren schon Ende Februar die für den Rest der Saison anstehenden beiden Distanzritte in den Emiraten gestrichen worden. Der Verband hat 30 Tage Zeit, um Einspruch gegen den Ausschluss zu erheben. Die FEI verlangt eine Erklärung, in dem er sich dazu bekennt, das Wohl des Pferdes zu schützen und sich strikt an die Regeln des Weltverbandes zu halten. Erst dann könne er wieder aufgenommen werden.

          Betont neutral: Maktoum mit seiner Eherfrau Prinzessin Haya von Jordanien, einer ehemaligen Springreiterin

          Aber will das dort jemand? Die Auffassung der mächtigen arabischen Familien, wozu Regeln dienen, unterscheidet sich offensichtlich erheblich von der abendländischen Interpretation. Der Einsatz von vierbeinigen Doppelgängern ist ebenso vorgekommen wie das Fälschen ganzer Rennen, beides um Leistungsnachweise und Qualifikationen vorzutäuschen, die das Pferd nicht hat. Die Vorleistungen dienen dazu, ein Pferd behutsam an die hohen Belastungen bis zur Königsklasse, dem Hundertmeiler, heranzuführen.

          Wettbewerbe auf dem Papier

          Dubais Kronprinz Hamdan bin Mohammed al Maktoum etwa kreuzte bei der Weltmeisterschaft 2012 in Euston Park (England) mit einem Fuchs namens Marmoog auf, der eine breite weiße Blesse und hinten links einen weißen Fuß aufwies. Die Qualifikation hatte er, wie Fotos beweisen, mit einem Marmoog bestritten, der außer einem dünnen Streifen am Kopf und einer weißen Stelle am Maul keine Abzeichen hatte. Die FEI, von einer Journalistin des britischen „Telegraph“ auf diese Ungereimtheit aufmerksam gemacht, stellte das Verfahren im vergangenen Dezember aus formalen Gründen ein.

          Erst vor wenigen Tagen berichtete der „Telegraph“, dass mindestens zwölf Distanzwettbewerbe in den Emiraten nur auf dem Papier stattgefunden hätten. Und das, obwohl in der Datenbank der FEI offizielle Ergebnisse aufgeführt waren. Der Weltverband lässt die Fälle untersuchen. Zwei der Phantomrennen, am 23. Dezember und 21. Januar, dienten der Qualifikation für den Presidents Cup, den Saisonhöhepunkt in der Region. Sie wiesen laut „Telegraph“ merkwürdige Resultate auf, die aufs Haar denen authentischer anderer Wettbewerbe glichen. Solche Koinzidenzen sind angesichts der umfangreichen Zahlenkolonnen, die bei einem Distanzritt entstehen, unmöglich. Es handelte sich also offensichtlich um Copy-and-Paste-Qualifikationen zum Schaden der Pferde - und um Betrugsmanöver von geradezu provozierender Plumpheit.

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