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Ganzkörperanzug im Turnen : Ein gutes Bild

Sarah Voss bei der Turn-EM in Basel. Bild: AFP

Sendet Sarah Voss mit ihrem Turnanzug eine Botschaft gegen Sexualisierung? Dem Deutschen Turner-Bund passt die Deutung ins Konzept.

          1 Min.

          Eine Turnerin in einem langen Anzug, die Beine bis zu den Knöcheln bedeckt. Sarah Voss trug bei der Europameisterschaft etwas anderes am Körper. Die Veränderung fällt jedem Betrachter, jeder Betrachterin auf. Ein Stück Kleidung als eine Botschaft. Zeichen ziehen Assoziationen nach sich. Wer eine Turnerin in einem sehr knappen Anzug sieht, der, na ja, den Hintern nicht ganz bedeckt, der denkt vielleicht an: Sexualisierung von Sportlerinnen. Der Glitzer, die Schminke könnten das verstärken. Und wer nun eine Sportlerin in einem langen Turnanzug sieht, der könnte eben denken: keine Sexualisierung. Ein Zeichen, das eine gewisse Strahlkraft entfaltet. Nach ihrem Auftritt schrieb Sarah Voss auf Instagram: „Sich wohlfühlen und trotzdem elegant dabei aussehen, warum nicht? Wie gefällt er euch?“ 6134 Menschen gefiel er gut.

          Versucht man nun etwas Abstand zu der Wirkung des Auftritts zu gewinnen und blickt auf das Gesagte, dann fallen immer wieder die Wörter „wohlfühlen“ oder auch „ohne sich unwohl zu fühlen“ auf. Wie es scheint, war das der Kern der Initiative. Ein langer Anzug verrutscht auch nicht so leicht. Die Wörter „gegen Sexualisierung“ fielen nicht, was jedoch nicht bedeutet, dass dies nicht in dem Akt impliziert war.

          Dem Deutschen Turner-Bund, der einen Kultur- und Strukturwandel angekündigt hat, passt diese Deutung ins Konzept. Die Forderungen sind da: ein besserer Umgang mit Athletinnen und Athleten, Sensibilisierung in der Trainerausbildung, eine unabhängige Anlaufstelle für Fälle von psychischem Druck und Gewalt. Das System im Turnen hat sich immer wieder als anfällig für Machtmissbrauch gezeigt. Schilderungen von Turnerinnen ließen das bittere Gefühl zurück, dass das körperliche und seelische Wohlbefinden im Leistungssport nicht an erster Stelle steht. Wie nötig hätte der Turner-Bund ein neues „Wohlfühl-Image“. Die Ganzkörperanzug-Initiative wurde jedoch schon im Frühjahr 2020 angedacht, lange bevor die jüngsten Vorwürfe bekannt- und Untersuchungen eingeleitet wurden.

          Ein grundlegender Kulturwandel braucht Zeit. Der Auftritt von Sarah Voss bei der EM kann ein kleiner Stein in einem großen Mosaik der Veränderung sein. Auch wenn sie nicht von Sexualisierung gesprochen hat, haben es die Rezipienten und Rezipientinnen so aufgenommen. Im Finale des Mehrkampfs wollen vielleicht auch die Stuttgarterinnen Elisabeth Seitz und Kim Bui im Ganzkörperanzug turnen. Wenn immer mehr Sportlerinnen sich anschließen, könnte das langfristig das Bild vom Turnen verändern, weg vom „sexy“ oder „Glamour“-Image. Das wiederum hätte sicher auch eine Wirkung auf den Turner-Bund.

          Stefanie Sippel
          Sportredakteurin.

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