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Masters in Augusta : Golfer im Spätherbst

  • -Aktualisiert am

Machte modisch auf sich aufmerksam: Sandy Lyle Bild: EPA

Wer einmal das Masters gewonnen hat, genießt lebenslang das Recht, mitzuspielen. Während Lyle diesmal nur modisch für Furore sorgte, machen zwei andere Ü-60-Teilnehmer auch sportlich Schlagzeilen.

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          Sie gehören zum Masters wie das berühmte Pimento-Käse-Sandwich – und spielen fast immer nur bescheidene Nebenrollen: die ehemaligen Champions, die sich im Spätherbst ihrer Karriere noch einmal mit der Elite der Gegenwart in Augusta messen dürfen. Sie nutzen die Regelung, dass das Masters wie die PGA Championship seinen Siegern ein lebenslanges Startrecht gewährt.

          Allerdings darf man lebenslang in diesem Zusammenhang nicht wörtlich nehmen. Werden die Ergebnisse zu hoch, ziehen sich die meisten freiwillig zurück, oder die Offiziellen weisen die Senioren bei Runden von mehr als 90 Schlägen darauf hin, dass ihre Zeit als aktive Teilnehmer abgelaufen ist.

          Aber es gibt Tage wie am Donnerstag. Dem ersten bei der 84. Auflage des jüngsten der vier Majors, als drei der Ü-60-Teilnehmer für Schlagzeilen sorgten. Am Donnerstag ging der Schotte Sandy Lyle als erster Spieler in der Geschichte des seit 1934 ausgetragenen Stelldicheins der Golfmeister mit Hosenträgern auf die Runde. Es half ihm nicht. Der 62 Jahre alte Champion des Jahres 1988 benötigte 78 Schläge. Obwohl er sich in der zweiten Runde auf 73 verbesserte, scheiterte er wie in den vergangenen fünf Jahren auch diesmal mit sieben Schlägen über Par (151) am Cut.

          In diesem Jahr hat das Masters übrigens eine alte Regel gestrichen, und zwar die, dass alle Spieler, die nach zwei Runden nur zehn Schläge Rückstand auf den Führenden aufweisen, diesen Schnitt überstehen und auch am Wochenende mitspielen dürfen. Jetzt muss man unter den Top 50 liegen, um auch in den beiden Schlussrunden mit von der Partie zu sein.

          Doch während Lyle, der erste Masters-Sieger aus dem Vereinigten Königreich, nur modisch beeindruckte, sorgten zwei Kollegen derselben Altersklasse auch sportlich für Furore. Der 62 Jahre alte Larry Mize, der in seiner Geburtsstadt Augusta 1987 gewonnen hatte, benötige mit 70 Schlägen exakt so viele wie der große Favorit Bryson DeChambeau. Die beiden lagen damit fünf Schläge hinter dem zunächst führenden Engländer Paul Casey und nur zwei hinter Titelverteidiger Tiger Woods, der mit 68 Schlägen ohne ein einziges Bogey seine beste Eröffnungsrunde egalisierte.

          Laut Masters-Statistik belegte Mize nach dem ersten Tag mit 226 Metern in der Statistik der Abschlagslänge den 92. und letzten Platz, exakt achtzig Meter kürzer als der „Golf Hulk“. Am zweiten Tag musste Mize dann mit einer 77er Runde dann aber doch Tribut zollen und schied aus.

          Larry Mize: bei der Auftaktrunde gleichauf mit dem favorisierten „Hulk“ Dechambeau
          Larry Mize: bei der Auftaktrunde gleichauf mit dem favorisierten „Hulk“ Dechambeau : Bild: AFP

          In der Abschlagslängen-Wertung lag der 63 Jahre alte Bernhard Langer, der einzige Deutsche im Feld, am Donnerstag mit 235 Metern auf dem 90. Platz. Zu dieser Statistik muss man allerdings wissen, dass, obwohl das Masters wie die PGA Tour jeden Abschlag misst, für die offizielle Wertung nur die Drives an den Löchern 5 und 15 gewertet werden, dem im vergangenen Jahr schwersten und leichtesten Loch des Platzes. Der Grund: An diesen Löchern ist die Wahrscheinlichkeit am größten, dass alle Spieler zum Driver greifen.

          Überzeugender Langer kommt durch

          Langer, der das Turnier am 10. Loch begonnen hatte, konnte am Donnerstag wie 44 andere Spieler die erste Runde wegen einbrechender Dunkelheit nicht beenden. Nach zehn Löchern lag er drei Schläge unter Par, für einen Aktiven, der fast ausschließlich auf der PGA Tour Champions spielt, der amerikanischen „Ü 50“-Turnier-Serie, eine grandiose Leistung.

          Obwohl sich der 7499 Meter lange Platz durch den starken Regen, der nach nur 25 Minuten eine knapp dreistündige Pause erforderte, viel länger spielte, beendete Langer am Freitag seine Runde in 68 Schlägen und lag unter den Top Ten. In der zweiten Runde lief es für den deutschen „Meister-Swinger“, wie ihn Sports Illustrated nach seinem ersten Masters-Erfolg im Jahr 1985 beschrieb, nicht ganz so gut. Doch nach einer zweiten Runde von 73 Schlägen am Freitag schaffte er wie in den beiden vergangenen Jahren den Cut. Er ist damit der älteste Spieler, der beim Masters in den Schlussrunden mitspielen darf.

          Quintett an der Spitze

          Nach Beendigung der am Freitag wegen Dunkelheit unterbrochenen zweiten Runde steht beim Golf-Masters in Augusta ein Quintett an der Spitze. Dustin Johnson (USA), Jon Rahm (Spanien) und Justin Thomas (USA), Nummer eins bis drei der Weltrangliste, kamen ebenso mit 135 Schlägen ins Klubhaus wie Abraham Ancer (Mexiko) und Cameron Smith (Australien).

          Superstar Tiger Woods (USA) musste nach einer 71er-Runde leicht abreißen lassen, liegt mit nun 139 Schlägen aber noch im Rennen. Für den favorisierten US-Open-Sieger Bryson DeChambeau war das Masters indes schon beinahe beendet. Der Amerikaner spielte nach seiner 70 zum Auftakt nur eine 74er-Runde und schaffte gerade so den Cut. (sid)

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