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Von Halle zu Beach : Selbstbestimmte Spuren im Sand

Den Ball im Visier: Louisa Lippmann wechselt an den Beach Bild: dpa

Der besten deutschen Volleyballspielerin fehlte der „Kick“ in der Halle. Nun versucht sie es im Beachvolleyball. Louisa Lippmann will nicht weniger als ihr Leben zurück.

          3 Min.

          Baggern gehört bislang nicht zu ihren Kernkompetenzen. Blocken musste sie selten, Zuspielen schon gar nicht. Louisa Lippmann war auf den Angriff spezialisiert, das Verwandeln, das Punkten. Als Diagonalangreiferin gehörte die 27-Jährige zu den besten Hallen-Volleyballspielerinnen der Welt. In Deutschland war sie es unangefochten: Fünf Mal in Folge wurde Lippmann Volleyballerin des Jahres, 162 Mal trug sie das Nationaltrikot. Meist war sie die beste Punktesammlerin.

          Achim Dreis
          Sportredakteur.

          Es war ihr nicht mehr genug. Es fehlte der „Kick“. Deshalb sucht die coole Blonde mit dem harten Schmetterschlag die berühmte „neue Herausforderung“. Beachvolleyball soll es sein, nachdem sie vor gut drei Wochen scheinbar völlig überraschend ihre Hallen-Karriere für beendet erklärt hatte. Nun muss sie alles können: Schmettern sowieso, aber auch Annehmen, Zuspielen, Blocken – und vor allem immer wieder aufstehen. Denn beim Beachvolleyball müssen beide Partner ackern und sich füreinander in den Sand werfen.

          Wunsch nach mehr Selbstbestimmung

          Es scheint genau das zu sein, was sie im Mannschaftssport in der Halle zuletzt nicht mehr gefunden hat, auch wenn sie darin ziemlich erfolgreich war. Zuletzt gewann die gebürtige Herforderin mit dem italienischen Spitzenklub Savine Del Bene Scandicci den europäischen Challenge Cup. Mit Lok Kaliningrad war sie im Vorjahr russische Meisterin. Auch bei Shanghai Volleys war sie schon aktiv.

          „Mein Wunsch nach mehr Selbstbestimmung und Individualität beginnt jetzt“, schrieb sie am Freitag Abend auf ihrer Instagram-Seite. Sie liebe den Volleyball-Sport, könne aber „in der Halle nicht so arbeiten“, wie sie es sich wünsche. Also raus in die Freiheit, das Abenteuer zu zweit. „Für mich beginnt ein neues Kapitel mit dem Wechsel vom Volleyball zum Beachvolleyball in Hamburg.“

          Dort, am Bundesstützpunk des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV), wird sie unter anderem auf Star-Trainer Jürgen Wagner treffen, aber auch auf zwei der drei weiteren Nationalteams: Cinja Tillmann/Svenja Müller sowie Sandra Ittlinger/Isabel Schneider. Mit Isabel Schneider hatte Louisa Lippmann 2020 einmal bei einem Turnier auf der „German Beach Tour“ eine Art Schnupperkurs am Strand absolviert.

          Nun soll es also dauerhaft der ganzheitliche Kick am Strand sein. Schon an diesem Samstag postete sie ein Foto von sich inmitten einem Haufen Umzugskartons mit dem zielführenden Hinweis: Hamburg. Doch die Hansestadt soll nur der Zwischenstopp sein auf dem Weg zum ganz großen Ziel: Paris. In der französischen Hauptstadt werden 2024 die Olympischen Spiele ausgetragen. In der Hallenvariante des Volleyballs hatte Deutschlands Beste das magische „Olympia“ nie erreicht, da die Teams um sie herum einfach nicht stark genug waren. Plätze neun und elf bei Weltmeisterschaften 2014 und 2018 waren die größten deutschen Frauen-Erfolge der Ära Lippmann.

          Hat sich ihren Olympiatraum am Beach erfüllt: Margareta Kozuch (r.) spielte in Tokio mit Laura Ludwig
          Hat sich ihren Olympiatraum am Beach erfüllt: Margareta Kozuch (r.) spielte in Tokio mit Laura Ludwig : Bild: AFP

          So individuell ihre persönliche Umsteiger-Geschichte nun erscheinen mag, so ganz neu ist sie nicht. Auch Margareta Kozuch wählte vor fünf Jahren den Weg von der Halle zum Beach. Auch die heute 35-Jährige war Deutschlands beste Angreiferin, nur eine Spielerinnen-Generation früher. Auch sie wurde fünfmal nacheinander zu Deutschlands Volleyballerin des Jahres gewählt, auch sie klapperte Auslandsstationen von Italien über Russland bis China ab, wo sie sich als Diagonalangreiferin gewinnbringend einsetzen konnte. Mit Pomi Casalmaggiore gewann Kozuch sogar die Champions League. Nur mit dem Nationalteam verpasste auch sie stets die Olympischen Spiele.

          Am Beach schaffte sie es dann, allerdings erst nach harten Lehrjahren. Zunächst spielte die Umsteigerin im Team mit Karla Borger, dann heuerte sie bei Laura Ludwig als Netzspielerin an – und schaffte mit der Rio-Olympiasiegerin tatsächlich den Sprung ins Olympische Turnier von Tokio. Im Viertelfinale kam dort 2021 das Aus. Danach erklärte die ausgepowerte Kozuch, sie brauche nun eine „Wettkampfpause“. Und die dauert bis jetzt immer noch an.

          Laura Ludwig sucht also abermals eine neue Partnerin. Und Louisa Lippmann, die Leistungssport als ihre „Droge“ bezeichnet, bekannte im Spiegel: „Jeder möchte mit Laura spielen“. Allerdings hat Laura Ludwig erst Anfang dieser Woche ihr zweites Kind zur Welt gebracht. Und selbst die super fitte Super-Mum, die sie nun mal ist, muss nun noch mindestens bis Herbst pausieren. Danach will die 36-Jährige wieder ins Training einsteigen – allerdings nicht als Aufbaukurs, sondern mit dem klaren Ziel, sich noch einmal für Olympia zu qualifizieren. Eine Partnerin für die Kampagne bis 2024 sucht sie noch.

          Fragt sich nur, ob die verbleibende Zeit für Louisa Lippmann reicht, sich bis dahin alle Grundtechniken am Beach anzueignen, um den Anforderungen der lange Zeit besten Abwehrspielerin der Welt zu genügen? Für Lippmann ist die vage Hoffnung, mit Laura Ludwig ein erfolgreiches Duo bilden zu können, jedenfalls Grund genug, ihr (sportliches) Leben neu zu sortieren.

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