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Familiensport Golf : Der Filius als Taschenträger

Lee Westwood und Sohnemann Samuel Westwood: Der eine Profigolfer, der andere sein Taschenträger. Bild: AFP

Beim Masters in Augusta kommt es normalerweise zum großen Familientreffen. Das bleibt in diesem Jahr aus. Immerhin: Zwei Vater-Sohn-Duos sind dabei. Nicht immer geht das glücklich aus.

  • -Aktualisiert am
          3 Min.

          Das große Familientreffen beim Masters ist wie schon im Vorjahr auch diesmal ausgefallen. Beim populären Par-3-Turnier auf dem 9-Loch-Platz des Augusta National Golf Club, dem traditionellen Auftakt des Masters am Mittwoch, brachten die Spieler oft ihre Kinder mit, die ihre Tasche trugen und gelegentlich auch mal einen Schlag ausführen durften.

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          Der 63 Jahre alte Bernhard Langer, der einzige Deutsche und älteste Teilnehmer im 88 Spieler starken Feld, zeigte in einem kurzen Video, das die PGA Tour veröffentlichte, unter den vielen Erinnerungsstücken seiner bisher 36 Masters-Teilnahmen auch stolz ein Bild, das ihn mit Sohn Jason als Caddie bei diesem beliebten Spaßturnier zeigt.

          In diesem Jahr sind im Gegensatz zum November vorigen Jahres zwar wieder Zuschauer unter strengen Hygiene-Bedingungen zugelassen – 12.000 am Tag, ungefähr die Hälfte der üblichen Anzahl –, aber der exklusivste Golfclub der Welt wollte mit dem Par-3-Turnier auch diesmal kein Risiko eingehen. Dennoch: Auch im richtigen Masters, das am Donnerstag begann, sind zwei Vater-Sohn-Duos gemeinsam unterwegs: die Engländer Lee und Sam Westwood und die Amerikaner Stewart und Reagan Cink.

          „Es war kalt, sieben Grad“

          Beiden Profis schwebt ein großes Ziel vor Augen: Sie wollen wie einst die Golflegende Jack Nicklaus 1986 mit Sohn Jackie mit dem Filius als Taschenträger das erste Major des Jahres gewinnen. Denn ein Sieg als gemeinsame Familienanstrengung macht den Triumph bei diesem Traditionsturnier noch einen Deut schöner. Als Jack Nicklaus 1986 vom Vorjahressieger Bernhard Langer in das grüne Siegerjackett geholfen wurde, stellte er mit 46 Jahren einen Rekord auf. Bis heute ist der „Golden Bear“ der älteste Sieger dieses Majors im Nordosten des Bundesstaats Georgia.

          Während der 47 Jahre alte Cink als 149. der Weltrangliste als krasser Außenseiter gilt, zählt der gleichaltrige Westwood bei seiner zwanzigsten Teilnahme zum erweiterten Favoritenkreis. Dass ihm Augusta liegt, beweisen zwei zweite Plätze (2010 und 2016) und vier weitere Top-Ten-Resultate beim Masters. Dazu unterstrich er mit zweiten Plätzen im März beim Arnold Palmer Invitational und der Players Championship, dem inoffiziellen fünften Major, dass er noch immer mit der absoluten Weltklasse mithalten kann. Dass der Brite wieder unter die Top 50 der Weltrangliste vorrückte, verdankt er auch ein bisschen seinem Sohn.

          Der 19 Jahre alte Sam hatte die Lust am Sport seines Vaters ein wenig verloren. Aber als Westwood seinem Sohn 2019 versprach, dass er, wenn er sich wieder für das Masters qualifiziere, eines Tages nicht nur für ihn die Tasche trage dürfe, sondern sie vor dem Turnier auch gemeinsam Proberunden spielen würden, stachelte das Sam an. „Sam hat mich immer dazu gedrängt, mit ihm zu spielen, auch wenn ich keine Lust hatte“, erinnert sich Vater Westwood. Nach der Players Championship machten die beiden einen Ausflug nach Augusta. Sam musste wie der Vater von den Champion-Tees spielen. „Es war kalt, sieben Grad. Am ersten Tag hat er 87, am zweiten Tag 83 Schläge benötigt“, erzählte der Vater stolz.

          Cink und seinen Sohn Reagan verbindet mit Augusta eine lange Geschichte. „Ich musste bei meiner ersten Masters-Teilnahme 1997 eine Trainingsrunde abbrechen. Ich bin dann die zweieinhalb Stunden gefahren, um bei der Geburt in Atlanta dabei zu sein. Reagan war einen Tag alt, als er mit meiner Frau Lisa erstmals zum Masters kam“, erinnert sich Cink. Beim Auftaktturnier der PGA Tour 2020/21 in Napa (Kalifornien) diente ihm Reagan nach langer Zeit wieder einmal als Taschenträger – mit Erfolg.

          Erstmals seit den British Open 2009 gewann Cink ein Turnier und löste damit die Eintrittskarte für seine 19. Teilnahme am Masters. „Es war ein Wahnsinnsspaß“, sagte Cink. Deshalb blieb Reagan, der sich eigentlich nach Abschluss seines Studiums nur als Aushilfe-Caddie etwas Geld für seine Hochzeit verdienen wollte, an der Seite des Vaters und konnte am Donnerstag seinen 24. Geburtstag auf dem Platz feiern.

          Einen zumindest kleinen Ärger auf einen Sohn dürfte dagegen Gerry McIlroy verspürt haben. Rory, ehemalige Nummer eins der Weltrangliste, traf ihn auf Bahn sieben am Bein und durfte sich glücklich schätzen. Denn tatsächlich half der Vater, da der Ball sonst in einer viel schlechteren Position liegen geblieben wäre. „Ich denke, er ist okay. Er ist nicht weggehumpelt, er ist ziemlich flugs weggelaufen“, sagte Rory McIlroy und meinte zum Autogrammwunsch seines Vaters: „Ich denke, er muss einfach etwas Eis auflegen – vielleicht signiere ich einen Pack gefrorene Erbsen für ihn.“

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