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Golf-Masters in Augusta : Was Kaymer noch von Langer lernen kann

  • -Aktualisiert am

Altmeister aus Anhausen: Bernhard Langer in Augusta Bild: AFP

Martin Kaymer bereitet sich bei einer Übungsrunde mit Altmeister Bernhard Langer auf das Masters in Augusta vor. Für den 30 Jahre alten Golfstar ist das bisweilen frustrierend. Nun verrät Kaymer, was er sich bei Langer abschauen will.

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          Am Montag hat Martin Kaymer wie jedes Jahr eine Übungsrunde für das am Donnerstag beginnende 79. Masters mit Bernhard Langer gespielt. Für den dreißigjährigen Kaymer immer wieder eine ganz besondere Erfahrung: „Es kann ziemlich frustrierend sein, mit ihm zu spielen. Man denkt, man muss den Ball viel weiter schlagen, man sollte Verschiedenes besser machen, weil man jünger ist, aber man schafft es nicht.“ Im Vorjahr war der mittlerweile 57 Jahre alte Altmeister aus Anhausen beim ersten Major des Jahres als Achter sogar fünf Schläge besser als der Rheinländer.

          „Er hat eine so unheimliche Erfahrung. Wenn Bernhard am Abschlag steht, ob er jetzt links-rechts, rechts-links, hoch oder flach schlagen muss, er kann einfach jeden Schlag, ohne groß darüber nachzudenken. Da merkt man die jahrelange harte Arbeit. Das ist sehr inspirierend. Da möchte ich auch eines Tages hinkommen.“ Die Chancen dafür stehen gut, denn dem amtierenden US-Open-Champion dient sein älterer Landsmann als Vorbild: „So wie er die Sache angeht, das ist genauso, wie ich es machen möchte. Wir sind uns da sehr ähnlich.“

          „Jetzt kann ich ihn, wenn ich muss“

          Auf dem Platz des Augusta National Golf Club fielen die Ergebnisse der beiden einzigen Deutschen im Feld nicht nur im vergangenen Jahr sehr unterschiedlich aus. Während der zweimalige Masters-Champion Langer (1985 und 1993) in diesem Jahr zum 33. Mal mitspielt und etliche Top-Ten-Ergebnisse erreichte, tat sich Kaymer vor allem an den vielen nach links gekrümmten Spielbahnen schwer: „Die ersten vier Jahre, als ich den Cut verpasste, war ich nicht in der Lage, den Platz so zu spielen, wie man ihn spielen muss.“ Kaymer, dessen natürliche Flugbahn ein Fade ist, also eine sanfte Links-rechts-Kurve, hat erst in den letzten Jahren sein Schlagrepertoire um die entgegengesetzte Variante, den Draw, erweitert: „Jetzt kann ich ihn, wenn ich muss.“

          Der Lehrer und sein Schüler: Langer (l.) und Kaymer
          Der Lehrer und sein Schüler: Langer (l.) und Kaymer : Bild: dpa

          In den letzten Jahren hat ihm das nicht viel geholfen. Nach vier verpassten Cuts belegte er im Nordosten Georgias die Plätze 44, 35 und 31. In den vergangenen drei Jahren habe es vor allem auf den extrem „schnellen“ und stark ondulierten Grüns gehapert, zumal der Profi aus Mettmann Augusta für den schwersten aller Plätze hält, auf denen Majors ausgetragen werden. Was nicht heißen soll, er sei in diesem Jahr chancenlos. Bei seinen ersten vier Teilnahmen schätzte er seine Chancen als „sehr, sehr winzig“ sein. In diesem Jahr rechnet er sich einiges aus. Er müsse nur so gut putten wie bei seinen ersten vier Teilnahmen und so spielen wie in den letzten drei Jahren.

          Um endlich auch beim ersten Saisonhöhepunkt so abzuschneiden, wie es sich für einen ehemaligen Weltranglistenersten (derzeit wird er auf Rang 14 geführt) geziemt, hat er sich mit seinem Trainer Günter Kessler in seinem Zweitwohnsitz Scottsdale (Arizona) vorbereitet: „Ich habe in den letzten Wochen sehr intensiv an meinem kurzen Spiel und dem Putten gearbeitet.“

          Der große Erfolg hat sich in den letzten Wochen noch nicht eingestellt. Bei der Texas Open in San Antonio verpasste er nach Runden von 82 und 80 Schlägen ebenso den Cut wie in der Vorwoche bei der Houston Open. „Das Ergebnis der Texas Open kann ich nicht ernst nehmen. Dort waren es drei oder vier Grad, ich hatte aber Kleidung für 25 Grad dabei.“ In Houston habe er zwar gut gespielt, aber ein schlechtes Ergebnis erzielt. Das klingt für Nichtgolfer paradox, aber dieses Phänomen kennt jeder Hobbyspieler. Es gibt eben Tage, an denen gute Schläge nicht belohnt werden, dafür aber kleine Fehler umso härter bestraft werden. So schied er auch beim letzten Aufgalopp nach Runden von 70 und 74 Schlägen aus.

          Das harte Training, die zwei Turnierwochen sind an ihm nicht spurlos vorübergegangen: „Ich bin schon ein bisschen müde.“ Da tat es gut, dass er am Sonntag bei dem Finale der „Drive, Chip and Putt Championship“ zusah und miterlebte, mit welcher Begeisterung die 88 Finalisten dieses Wettbewerbs für Kinder im Alter von 9 bis 15 Jahren bei der Sache sind. Das erinnerte Kaymer daran, wie er als Knirps mit unheimlicher Freude jeden Tag auf dem Golfplatz gestanden habe. „Manchmal ist Golf für uns Alltag. Deshalb spiele ich weniger, um mir den Spaß am Golf zu erhalten.“

          Martin Kaymer hat sein Repertoire an Schlägen kontinuierlich erweitert
          Martin Kaymer hat sein Repertoire an Schlägen kontinuierlich erweitert : Bild: AFP

          Bernhard Langer macht es genauso, wenn auch in diesem Jahr unfreiwillig. Der dominierende Profi auf der amerikanischen Champions Tour (Ü50) hat nach fünf Siegen im Vorjahr in diesem Jahr nur bei vier Turnieren mitgespielt, eines davon beendete er vorzeitig nach zwei Runden aus familiären Gründen. „Meine Tochter wurde am Rücken operiert, mein Sohn brach sich das Steißbein“, erläutert Langer die Gründe.

          Zudem wird er immer noch von einem hartnäckigen Golfer-Ellbogen am rechten Arm geplagt. Wie immer hat er in Augusta seinen Arzt Norbert Dehoust an seiner Seite, der ihm mit Kinesio-Tapes schmerzfreies Spielen ermöglicht. Langer erinnert sich gerne an seinen letzten Auftritt beim Masters: „Das hat unheimlich viel Spaß gemacht.“ Eines der wenigen Dinge, die Profis mit Amateuren gemein haben: Je besser sie spielen, desto mehr Freude macht es.

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