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Beachvolleyball-EM : Lerngeschenke für Louisa Lippmann

  • -Aktualisiert am

Alles neu für Louisa Lippmann (rechts), aber Spaß hat sie im Beachvolleyball an der Seite von Kira Walkenhorst. Bild: Reuters

Umsteigerin Louisa Lippmann freut sich über erste Erfolge bei der Beachvolleyball-EM. Auch die anderen deutschen Frauen-Teams bleiben im Turnier. Schwächer fällt die Bilanz der Männer aus.

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          Sie war fünfmal Deutschlands Volleyballspielerin des Jahres, hat 162 Länderspiele mit dem Nationalteam absolviert, spielte für Vereinsmannschaften in Italien, Russland und China. Und dennoch fühlt sich Louisa Lippman bei den European Championships in München wie ein „Rookie“, wie ein Neuling. Beachvolleyball ist nicht Volleyball. Und deshalb „erscheint alles neu“, wie die 27 Jahre alte Profisportlerin erkannte: der sandige Untergrund, der weniger prall aufgepumpte Ball und selbst die luftige Sportkleidung.

          Achim Dreis
          Sportredakteur.

          Louisa Lippmann spielt dieser Tage zum ersten Mal nach ihrer langen Hallenkarriere bei einem internationalen Beachvolleyball-Turnier mit. Vor Tausenden von Menschen im Bikini aufzutreten, daran musste sie sich erst einmal gewöhnen. Dass es an den ersten drei Münchner Tagen so heiß war, machte die Anpassung an den Freibad-Look leichter. Und so zeigte Lippmann sich dann auch „total froh“, endlich Outdoor-Sportlerin zu sein: „Stimmung, Wetter – alles passt zusammen.“

          Andere Techniken am Beach

          Dabei ist sie in ihrer zweiten Karrierephase nun viel stärker gefordert als zuvor auf der Königinnenposition im klassischen Volleyball. In der Halle mit fünf Mitspielerinnen musste die 1,90 Meter große Starspielerin Lippmann nie einen Ball im Feld abwehren, als Diagonalangreiferin war sie ausschließlich fürs Draufschlagen und Punkte sammeln zuständig. Baggern und Hinschmeißen gehörten nicht zu ihrem Repertoire. Doch selbst die Angriffsvarianten sind nun nicht mehr dieselben. „Die Techniken unterscheiden sich“, erkannte Lippmann. „Ich muss mit dem Ball anders umgehen.“

          Gut, dass sie an der Seite einer so abgeklärten Spielerin wie Kira Walkenhorst antreten darf, was Lippmann als „große Ehre“ empfindet. Die Olympiasiegerin von 2016, mittlerweile 31 Jahre alt, hatte Anfang 2019 eigentlich ihren Rücktritt vom Leistungssport erklärt. Doch nach einer gewissen Schonzeit erholte sich ihr Körper wieder von den Strapazen, Walkenhorst fand wieder Gefallen am Beachvolleyball. Die Kombination Walkenhorst/Lippmann ist dennoch nur eine Übergangslösung. An der Münchner EM dürfen sie nur dank einer Wildcard teilnehmen.

          Wunschpartnerin: Laura Ludwig

          Eigentlich will Umsteigerin Lippmann mit Laura Ludwig – der anderen Olympiasiegerin von 2016 – ein Duett bilden und sich in Paris 2024 endlich für Olympia qualifizieren, was ihr mit dem Hallennationalteam nie gelungen ist. Die Zusammenarbeit ist schon vereinbart, doch Laura Ludwig gönnt sich nach der Geburt ihres zweiten Kindes gerade noch eine Babypause, ehe sie wieder ins Geschehen eingreifen wird.

          Party-Kulisse am Königsplatz: Die Deutschen Lukas Pfretzschner und Robin Sowa messen sich mit Martin Ermacora und Moritz Pristau aus Österreich.
          Party-Kulisse am Königsplatz: Die Deutschen Lukas Pfretzschner und Robin Sowa messen sich mit Martin Ermacora und Moritz Pristau aus Österreich. : Bild: Reuters

          So kam es zum Miteinander der beiden Blockspielerinnen – einer „unorthodoxen Team-Zusammenstellung", wie Lippmann lachend einräumt, die so auf der internationalen Tour selten bis nie zu sehen ist. Umso erstaunlicher, wie gut sich Lippmann an Walkenhorsts Seite, die hauptsächlich den auch für sie ungewohnten Part der Abwehrspielerin einnimmt, schon im Sand zurecht fand. Welche Freude ihr das Spiel machte, war an ihrem strahlenden Lachen während der Partien abzulesen.

          Gegen Monika Paulikienė und Erika Kliokmanaitė aus Litauen gewann das Interimsteam am Mittwoch dann sogar mit 2:1 (21:15, 17:21, 15:12) und schaffte so den Einzug in die Zwischenrunde. Ihr erstes Match gegen die Schweizer Titelverteidigerinnen Nina Brunner und Tanja Hüberli hatten sie noch glatt 0:2 (19:21, 9:21) verloren.

          Fünf deutsche Frauen-Teams noch im Turnier

          Genau wie Walkenhorst/Lippmann müssen auch die WM-Dritten Svenja Müller und Cinja Tillmann nach einem Sieg und einer Niederlage am Donnerstagvormittag in der ersten K.O.-Runde antreten. Dagegen haben die anderen drei deutschen Frauen-Duos mit zwei Erfolgen sogar den direkten Einzug ins Achtelfinale geschafft. Karla Borger und Julia Sude, EM-Dritte des Vorjahres, gelang ebenso der Gruppensieg wie Chantal Laboureur/Sarah Schulz sowie Sandra Ittlinger/Isabel Schneider.

          Weit weniger strahlend sieht die Gegenwart bei den deutschen Männer-Teams aus. Paul Henning und Sven Winter schieden nach zwei Niederlagen ebenso aus wie Philipp Huster und Simon Pfretzschner. Wenigstens retteten sich Robin Sowa und Lukas Pfretzschner durch einen Last-Minute-2:1-Erfolg über die Österreicher Martin Ermarcora/Moritz Pristauz noch so eben in die erste K.o.-Runde.

          Auch Nils Ehlers/Clemens Wickler sind noch im Turnier. Sie verpassten nach dem unerwarteten 1:2 gegen die Österreicher Julian Hörl und Alexander Horst allerdings den direkten Sprung ins Achtelfinale. Das zusätzliche Spiel in der Zwischenrunde fühlt sich für sie wie Nachsitzen an – für Louisa Lippmann an der Seite von Kira Walkenhorst dagegen wie ein Lerngeschenk.

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